Zentralmongolei – archaisches Leben in der Einsamkeit

Hier könnten sich Fuchs und Hase hervorragend gute Nacht sagen – aber leider sind sie wahrscheinlich vom Wolf gefressen worden. So sagen sich eben Schaf und Ziege gute Nacht bevor sie friedlich nebeneinander einschlafen. Überhaupt teilen diese beiden sehr viel – z. B. das Schicksal der jungen Männchen (ob Lamm oder Kitz) weggefangen zu werden und dann ohne jegliche Betäubung die Kronjuwelen mit einem sauberen Schnitt erst freigelegt und dann mit einem kräftigen Riss abgerissen zu bekommen. Anschließend stehen sie auf wackligen Beinen da und schauen belämmert in die Gegend, während ihre besten Teile in einem Topf mit Joghurt gesammelt werden. Glücklicherweise wurde uns diese Spezialität genauso wenig angeboten wie die appetitliche Schlachtschüssel mit allem drin, was ein Ziegenbauch so hergibt. Wir hielten uns an frischen Yak-Joghurt, gesalzenen Milchtee (je nach Jurte und dessen Hirten mit Ziegen-, Schaf- oder Yakmilch), für westliche Mägen angeblich extrem gewöhnungsbedürftige sehr fette Yak-Butter und getrocknete Ziegenbeine. Gelegentlich auch den bröckeligen getrockneten Käse und selbst frisch zubereitete Nudeln mit den drei einzigen Gemüsearten der Mongolei (Karotte, etwas Kohlrabi-Artiges und Kartoffel).

Trotz inzwischen durch Solartechnik betriebener Flatscreens mit nordkoreanischen Seifenopern, Handys und einmal sogar einer Waschmaschine ist das Leben in der Jurte karg, archaisch und einfach. Wir vertrieben uns an einem Abend die Zeit mit dem mongolischen Nationalspiel: Gelenkknochen werfen und schnicken. Man nehme einen Beutel voller alter Ziegenknöchel und verteile sie unter den Mitspielern. Dann wirft man sie mit einem guten Schwung auf den Boden oder Tisch und je nachdem auf welche Seite sie fallen, ergibt ein Knöchel dann die Figur eines Kamels, Schafs, Ziege oder Pferd. Je zwei gleiche muss man dann gegeneinander schnicken wie beim Murmelspielen und dann darf man sie behalten. Gewonnen hat der, der nach ewigem Spiel alle Knochen bei sich hat.

Das heilige Feuer in den Öfen, die gleichzeitig Herd und Spülbecken sind, wird in den Bergregionen sogar mit Lärchenholz befeuert. Ansonsten meist mit Kameldung, den man mit eleganter Technik in den Sammelkorb auf dem Rücken wirft und anschließend zum Trocknen auslegt. Eine besonders gute Energieverwertung scheinen die Viecher nicht zu haben, denn das Zeug brennt immer noch recht gut.

Dabei geben sie sich schon viel Mühe beim Fressen. Bei unserem Ritt in den Sonnenuntergang stoppten sie bei fast jedem saftig grünen Brennessel-artigen Busch und auch vor kargem Gestrüpp machten sie nicht halt. Es war der reinste McDrive, aber wir kamen doch noch in den Sanddünen der Semi-Gobi an.

Der bereits zweite Kamelritt meines Lebens war ein gutes Training für meinen allerersten Ausritt auf einem Pferd. Obwohl es viel kleiner war als ein Kamel, war mein Respekt deutlich größer. Zwar können Kamele auch mal etwas schneller werden, aber wenn so ein Gaul durchgeht, ist das schon eine andere Sache. Glücklicherweise war meiner nur ein bisschen schreckhaft, wenn eine Windböe kam und zuckte heftig zusammen, aber alles in allem war er schön sanftmütig und trug mich wie einen der Glorreichen Sieben durch den eisigen Wind der Orchod-Wasserfall-Region. Er ließ sich auch glücklicherweise von seinen wilden Brüdern da draußen nicht inspirieren und so blieb ich mühelos im Sattel. Denn bei den ganzen Viechern, die sich anschließend um die Überreste eines verendeten Lebewesens kümmern, war mir das schon ganz recht. Der Hund in den Bildern unten, der sich so liebevoll um eine etwas deformierte Ziege kümmert, ist wahrscheinlich noch das Harmloseste, was einem blühen kann.

Hunde sind hier nicht der beste Freund des Menschen, einfach nur Nutztiere und extrem verschüchtert, weil sie wahrscheinlich nicht sonderlich gut behandelt werden. Auch die Anbindemethode der Pferde ist für uns etwas ungewohnt. Einfach mit dem Zügel die Vorderhufe zusammenbinden und schon kann der Klepper nicht mehr abhauen. Ansonsten werden die Viecher alle recht frei laufen gelassen. Was im Falle der einen Gastfamilie dazu führte, dass sie die halbe Nacht und den nächsten Tag nach ca. 10 Yaks suchen mussten. Das wiederum veranlasste den 2,5 jährigen Jungen zu bitteren Tränen und war so vor Sehnsucht nach seinen Eltern gar nicht mehr der so selbstständige starke Knabe, der er sonst war.

Die Kinder hier sind extrem weit für ihr Alter. Holen den Eimer unter der Waschbeckenkonstruktion raus, setzen sich mitten in der Jurte drauf und machen aus dem Stuhlgang einen Eimergang. Danach Hose wieder an und dann die Füße wieder mit Klopapier einwickeln, damit die Stiefel wieder richtig passen. Ein bisschen am Motorrad spielen und posieren, aber dann auch aktiv helfen, die Lämmer für den oben beschriebenen Entmannungsprozess einzufangen. Schon jetzt ein echter Mann und extrem stark für sein Alter. Überhaupt schon ein echter kleiner Dschinggis.

mongolische Gastfreundschaft am Mittagstisch

mongolische Gastfreundschaft am Mittagstisch

ich werfe meine Knöchelchen...

ich werfe meine Knöchelchen…

horch, wer kommt von oben rein...

horch, wer kommt von oben rein…

die drei Gemüsesorten Monoliens

die drei Gemüsesorten Mongoliens

die Ruhe der Wüste

die Ruhe der Wüste

Mama Yak

Mama Yak

zwei Frauen mit Ziegenbein

zwei Frauen mit Ziegenbein

die wilden Brüder

die wilden Brüder

Der Hund ist nicht weit weg vom Wolf

Der Hund ist nicht weit weg vom Wolf

mongolisches Klo von innen...

mongolisches Klo von innen…

wenn ich groß bin, werde ich der neue Dschinggis

wenn ich groß bin, werde ich der neue Dschinggis

wenn ich groß bin, mache ich mir keine Gedanken über Verhütung

wenn ich groß bin, mache ich mir keine Gedanken über Verhütung

nur die Guten ins Töpfchen....

nur die Guten ins Töpfchen….

... und der Panoramablick beim großen Geschäft

… und der Panoramablick beim großen Geschäft

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3 Gedanken zu „Zentralmongolei – archaisches Leben in der Einsamkeit

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