Mit dem Bus durch Myanmar

Anfangs sitzt Du mutterseelenalleine in einer stinkenden Wartezone, von der Du nicht weißt, ob’s die richtige ist. Denn die birmanische Schrift ist sehr kringelig und für nur sehr wenige Langnasen lesbar.

mit Buddhas Segen auf die Reise

mit Buddhas Segen auf die Reise

In der Zone gibt’s wenigstens Unterhaltung morgens um 6:30. Dort für die Kinder, die gebannt auf das Gemetzel der The Expandables-DVD starren und im Bus dann die buddhistischen Lesungen als Kontrastprogramm für die Erwachsenen. Die beliebtesten Programme während der Fahrt sind Comedy-Shows, die in keinster Weise lustig sind (noch nicht mal die Birmaner lachen), dafür aber sehr laut sind – weil die Hauptdarsteller spätestens ca. alle 5 Minuten aus irgendeinem Grund laut kreischen, schreien, schluchzen oder krähen.

Wenn dieses Programm vorbei ist, kommt gerne einfach der Videokamera-Mitschnitt eines Comedy-Festivals, wo auch wieder zwei Comedians kreischen und falsch singen.

Da bist Du richtig froh, wenn das Programm wieder zu den herzzerreißenden Musikvideos zurückkehrt, in denen ein Pärchen sich trennt und der oder die Verlassene in Erinnerung schönster Romantikzeiten schwelgt. Die Musik liegt irgendwo zwischen Enrique Iglesias bzw. Alejandro Sanz, Roland Kaiser und den Scorpions. Lustig ist, dass es für ein und dasselbe Lied bis zu 10 verschiedene Versionen der Schmacht-Trennung gibt. Ist aber ein bisschen wie Rosamunde Pilcher – kennst Du einen kennst Du alle. Manchmal passt auch die Tonspur so gar nicht zum Film. Dann läuft die Schmachtmusik und im Bild spritzt das Blut beim Karatefilm.

Fragen, wie lange der Bus braucht, bringt übrigens Unglück durch die Nats – die Geister. Deswegen weisen sogar Schilder daraufhin, dass man den Busfahrer nicht darauf ansprechen darf. Wenigstens sagt er Dir, wie lange die Essenspause ist, bei denen Du einfach in die Töpfe der einfachen Massen-Restaurants schaust, etwas auswählst und dann noch diverse andere Köstlichkeiten oder auch Scheußlichkeiten in Schälchen dazu bekommst. Und dann heißt es hoffen, dass alles so gut gekocht war, dass Du nicht alle zwanzig Minuten den Fahrer bitten musst, Dich gaaanz schnell aufs Feld rauszulassen, um dringendsten Geschäften nachzugehen.

Wenn der Bus dann losfährt, muss er – obwohl hier kein hinduistisches Land ist – gerne auch Kühe umkurven. Aber die Belegschaft kümmert sich auch rührend um Straßenbauer. Die Teerarbeiter, die bei sengender Hitze die Straße richten und dafür gerade mal 2 US$ pro Tag verdienen (Frauen nur 1,50 US$), bekommen Wasser gereicht. Tolle Geste.

Wahrscheinlich sind es die Gratis-Wasserflaschen, die die Hälfte der Passagiere eh’ nicht nutzt. Entweder weil sie damit beschäftigt sind, ihre Plastiktütchen mit dem bethelnuss-bedingten roten Speichel vollzumachen oder eben diese Tüten mit weiter tieferliegenden Magensäften zu füllen. Sobald es ein wenig kurvig und bergig wird, fängt einer an zu reihern und alle umliegenden stimmen fröhlich ins Würg-Konzert ein. Da brauchst Du einen stabilen Magen, um nicht auch Teil des Orchesters zu werden.

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