Der Süden Myanmars – mit allen Wassern gewaschen

… in der Hauptsache mit dem Wasser des Monsuns. Er scheint angekommen zu sein… Nach 18 Stunden on the road im Nachtbus und dem gleich anschließenden Morgenbus begrüßte mich Mawlamyaing recht wolkenverhangen. Nicht nur der Name der Stadt ist etwas schwierig, auch die Stadt bereitet selbst einem Backpacker Schwierigkeiten. Nur wenig touristische Infrastruktur, keine Sonne (o.k. hier ist mal die Schattenseite der Regenzeit gewesen) und vor allem nicht wie in den Reiseführern beschrieben ein Anleger für eine wunderschöne Fahrt per Boot nach Hpa-An. Die Boote verkehren seit letztem Jahr nicht mehr…

Also doch nach nur einem halben Tag dort – was angesichts der runtergekommenen ehemals wohl schönen Kolonialstadt auch genug ist – zurück zum Busbahnhof. Dort kann man sich wenigstens weiterbilden.

Obamas Ende (der Amtszeit)

Hellsehen in Myanmar

Die Palette der dort angebotenen DVDs reicht von Skyfall inkl. weiteren fünf James-Bond-Filmen, über Best-of-Angelina-Jolie-Collection bis hin zu Cannibals Holocaust und einem Ausblick, was Barack Obama am Ende seiner Amtszeit 2016 so alles erreicht hat – alles für nur 50 Cent.

Also mit dem Einheimischen-Bus für 0,80 Euro nach Hpa-An, was mich ebenfalls mit kräftigen Güssen aus allen Kübeln empfing. Wahrscheinlich sollten die Regenfälle den Bus durch die offen Tür fluten, damit der alte stinkende Fisch im Businneren wieder zu neuem Leben erwacht – was generell dem Fisch auf den Märkten im Binnenland gut tun würde. Auch hier sieht man auf den Märkten einiges, was selbst eingefleischte Fisch- und Fleischesser wie mich zu temporären Vegetariern macht. Wobei – dann probiert man die vegetarischen Leckereien in den vielen kleinen Töpfchen, die zu einem birmanischen Curry gereicht werden und schwupps sehnt man sich nach einem ordentlichen Stück Fleisch, dem man von Anfang ansieht, wie es schmecken sollte.

Myanmar Tapas

jede Menge gute Töpfchen

Hpa-An ist ebenfalls ein äußerst verschlafenes Nest, wo einem abends aufgrund mangelnden Entertainments schnell mal die Augen zufallen. Aber immer noch besser einem fallen die Augen zu, als dass einem das Ganze Gesicht abfällt.

Gesichtsloser Buddha

Göttlicher Gesichtsverlust

Wahrscheinlich konnte dieser Buddha einfach nicht mehr länger mit ansehen, wie sich manche Amerikaner – wie der mit dem ich die Höhlentour rund um Hpa-An gemacht habe – in heiligen Stätten benehmen. O.k., es war durch Algen und Regen schon sehr glitschig, barfuß in den Höhlen zu wandeln, aber deswegen sollte nicht jedes dritte Wort Sh… oder F*** sein. Und man muss als eigentlich gebildet-sein-sollender 60-jähriger Geografie-Lehrer auch nicht das Echo in den Höhlen austesten oder den Mönchen während ihres Gebets Fragen stellen… Andere Länder… andere Sitten!

Was für ein eleganter Übergang zu einer neuen Seite in diesem Blog! Was ich schon vor einiger Zeit mal angefangen hatte, habe ich jetzt wachgeküsst. Die Seite soll einen augenzwinkernden Blick auf die kleinen Marotten, Gewohnheiten und Besonderheiten eines Landes bzw. seiner Bewohner werfen. Und es werden hoffentlich noch viele Länder folgen.

Aber zurück in den Süden Myanmars. Von Hpa-An ging die Reise noch zum Golden Rock. Eine Besonderheit des Buswesens lernte ich hier kennen: Die Fahrt mit dem Bus nach Yangon kostet nur umgerechnet vier Euro. Steigt man in der Hälfte des Wegs nach 3,5 Stunden aus, bedeutet das aber nicht, dass man auch die Hälfte zahlt. Schließlich ist es ja der Bus nach Yangon – und der kostet nun mal vier Euro?!? Genau die Hälfte davon kostet es, über eine Rampe in einen der Pilger-Lastwagen zu klettern und zum – angeblich von einem Haar Buddhas in seiner doch recht luftigen Position gehaltenen – goldenen Felsen hoch zu fahren. Ein Erlebnis der besonderen Art. Alle – egal ob gut zu Fuß oder schon gebrechlich – steigen über die Brüstung auf die Ladefläche eines Kleinlasters. Wenn keine Waren mitgenommen werden, wird gewartet, bis 42 Leute reingepfercht sind.

Pilgerlaster am Golden Rock

vollbeladen zum Goldenen Felsen

Wenn Waren mitgenommen werden, bleiben maximal zehn Leute draußen, obwohl drei Sitzbankreihen fehlen. Sitzbank ist etwas übertrieben. Es ist ungefähr die Breite eines Schulturn-Schwebebalkens, nur ohne Polsterung. Dann geht die Fahrt rasant und steil los und entgegen meiner Befürchtung aufgrund meiner Busreiseerfahrungen musste sich trotz rasanter Fahrt und heftigen Steigungen und Windungen niemand übergeben. Das wäre ein Heidenspaß geworden. Mein Gesicht war ca. 10 cm vom Hinterkopf meines Vordermanns entfernt, während das Gemächt meines Hintermannes auf wenige Zentimeter an meinen Hintern rankam. Festhalten gibt’s nicht. Man muss alles mit dem Körper ausgleichen – ein fahrender Pilates-Kurs, der mir noch Tage danach einen respektablen Muskelkater in Bauch und Rücken einbrachte. Der Felsen bzw. natürlich eine Pagode auf selbigem ist das dritte große Heiligtum des Landes und verschwindet gerne mal in sekundenschnelle im Nebel. Wahrscheinlich, damit es das Gemetzel der „Ninja Assasin“-DVD im Restaurant neben der Abfahrtsstelle des Pilgerlasters anschauen musste. Ich habe in meinem Leben noch keinen Film mit so vielen Getöteten gesehen. Den Kindern schien das Blutspritzen neben dem Heiligtum aber gefallen zu haben. Im Achterbahnlaster nach unten schlummerten sie selig.

Mawlamyaing liegt am Meer, Hpa-An am Rande der Berge und Kinpun bei Kyaikhto im Niemandsland dazwischen.

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