Trip nach Brunei – Grüße aus Absurdistan

Der Trip ist eine wahre Freude für Stempelsammler. Wer noch ein paar Seiten in seinem Pass frei hat, kann einen Trip über Land nach Brunei wagen. Wer kaum noch Platz hat, sollte lieber mit dem Boot oder Flieger kommen, um eines der reichsten Länder der Welt zu besuchen – reich im finanziellen Sinne wie auch reich an Widersprüchen und seltsamen Dingen.

Kommt man mit dem Bus vom malaysischen Staat Sarawak im Süden bemerkt man schnell, wenn man genau hinschaut, recht bald ein paar Rohre oder Anschlüsse, die aus dem Boden der ansonsten unberührten Natur ragen.

auch Naughty Donkey genannt

Nodding Donkey im Vorgarten

Und dann einen Nodding Donkey (hier auch „Naughty Donkey“ genannten), diese Ölförderpumpen wie man sie aus Texas kennt. Nur hier stehen sie überall – im Grünen, auf Rastplätzen und sogar in Vorgärten von Einfamilienhaus-Siedlungen.

Alles hängt vom Öl ab, weshalb wohl auch Shell ein ganzes Städtchen mitsamt Flughafen rund um seine Raffinerien betreibt – und die Kassen des Sultans füllt. Immerhin musste er ja seinen hochmodernen Palast mit über 1.700 Zimmern bauen und das Museum Royal Regalia, in dem er alle Geschenke von Staatsbesuchen, seine Prachtsänften und ausschließlich Bilder aus seiner Blütezeit ausstellt. Alles, was er so bekommen hat – So hängt neben der Original APEC-Konferenz-Urkunde mit den Unterschriften der Teilnehmenden Präsidenten (u.a. mit einer recht zittrigen von Boris Jelzin) die Urkunde von Tripadvisor als Auszeichnung für ein außergewöhnliches Museum. Seltsamer Kurator am Werk…

mit kalten Füßen durchs Museum

Schuhe müssen auch beim Museum draußen bleiben

Leider hat es anscheinend nicht mehr für einen Busterminal gereicht. Oder es lohnt einfach nicht für die insgesamt zwei Busse, die einmal täglich nach Kita Kinabalu oder in die andere Richtung nach Miri fahren. Es ist wohl die am wenigsten befahrene Straße der Welt, die durch ein zweiteiliges Land in die Hauptstadt Bandar Seri Begawan führt – von der man auch nicht gerade bemerkt, dass es die Hauptstadt eines der reichsten Länder der Welt ist. Bauruinen und Riesen-Gehweg-Löcher wie in der dritten Welt. Immerhin gibt es ein (!) einziges Hostel in der Stadt – und zwar im Jugendzentrum, in dem es zwar einen Pool, eine Turnhalle und Yoga-Kurse gibt, aber keinen Rezeptionisten. Er kommt zwei Mal am Tag recht willkürlich vorbei und gibt Dir erst ein langes Formular und dann ein Bett. Wenn Du Pech hast, wartest Du eben ein paar Stunden, bis er kommt.

Die Stadtbusse stellen ihren Verkehr um 18:00 ein, danach nimmt man ein Taxi, von denen ich allerdings auch kein einziges gesehen habe. Und während des Ramadans fahren auch die Busse selbst zur Hauptmoschee nur gelegentlich –  die dann trotz gegenteiliger Aussage sowieso für Ungläubige geschlossen ist. Aussagen sind eh’ Glückssache: Hätte ich auf den Bus-Abfahrtsort mit den meisten Stimmen gesetzt, wäre ich noch immer in Brunei. Denn man bekommt vom chinesischen Museum über eine Tiefgarage bis hin zum Museumsvorplatz (da fährt er tatsächlich los, falls jemand diese Info braucht!) die verschiedensten Orte genannt, wo man nach einem Bus Ausschau halten soll. Es gibt noch nicht mal eine Haltestelle…

Wahrscheinlich hätte ich dann auch Zeit gehabt, meine Fischerei-Kenntnisse etwas zu verbessern.

Netzfischer in Brunei

Profi-Fischer im Stelzen-Häuser-Meer

Nachdem uns ein Junge eindrucksvoll gezeigt hatte, wie man das Netz zwischen den Häusern in das seichte Salzwasser wirft (um dann doch nur ein paar knallrote Quallen zu fangen), meinte er, dass wir es auch mal probieren sollten. Also vorbei am verdutzten Vater im Wohnzimmer, die gerade aufgewachte Oma im Gästezimmer links liegen gelassen, durch die Küche und ab auf den Steg. Um mich dann mit dem von der Drecksbrühe durchtränkten Netz so einzusauen, dass ich wie auf dem Fischmarkt gestunken habe. Aber viel gelacht haben wir ob meiner stümperhaften Versuche.

Und nun noch mal zum Ausgangspunkt: Die Stempel-Safari. Das ist das Abgefahrenste an dem ganzen Trip. Man muss insgesamt zehn Mal irgendwo aus- und wieder einreisen. Man fährt in Miri in Sarawak (Malaysia) los und reist bei den freundlichen Damen der Brunei-Immigration (es sitzen dort nur Damen in blütenreinen weißen Kopftüchern am Schalter) ein. Dann wieder aus, dann wieder ein nach Sarawak, gleich wieder da raus aus Malaysia und rein nach Brunei. Zwischenzeitlich hatte ich dann den Überblick verloren, wo ich gerade war. Glücklicherweise hingen überall wegen Hari Raya (das wichtigste islamische Fest, so wie für uns Weihnachten) Brunei-Flaggen rum, so dass ich schnell wusste, dass ich meine Ausreisekarte vorlegen musste, um den siebten Stempel zu bekommen. Jetzt war ich dann nach ein paar Metern weiter – jedes Mal rein und raus aus dem Bus – wieder in Sarawak. Nach dem Mittagessen kam dann der absurdeste Teil: Man reist aus Malaysia (Sarawak) aus und reist wieder nach Malaysia (Sabah) ein. Hier darf man dann aber sogar zu Fuß zum nächsten Grenzposten gehen. Da hat man sich am Ende eines wechselhaften Tags durchaus ein Bier verdient, das man in Brunei aufgrund strikten Alkoholverbots auch nirgends bekommt. Ein seltsames Land…

Hier liegen Sarawak, Brunei und Sabah auf Borneo.

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