Mindoro – abseits der Pfade zu Robinson Crusoe

Was ich im letzten Eintrag vergessen hatte, ist etwas, was einen vielleicht in den öffentlichen Transportmitteln stutzig machen sollte: Warum kommt eigentlich in jedem Bus vor Abfahrt ein Laienprediger und liest aus der Bibel vor? o.k., Antwort hier ist einfach: es ist einfach eine religiöse Form des Bettelns, denn anschließend verteilt er/sie kleine Umschläge, in denen man seine Dankbarkeit monetär ausdrücken kann. Aber als auf der Fähre von Mindoro nach Payan zum ersten und einzigen Mal der Fernseher anging, um ein Gebet vorzulesen, kam mir das doch angesichts des heruntergekommenen Zustands des Kahns und der beträchtlichen Anzahl an einzuladenden Laster ein bisschen komisch vor. Aber so lange die Mäuse noch fröhlich zwischen den Sitzreihen rumflitzten, musste ich mir wohl keine Gedanken machen. Denn sie sind ja ein bisschen wie Ratten und die verlassen ja bekanntlich ein sinkendes Schiff…

Nachdem ich dann endlich weggekommen war aus Coron, drohte mir ein ähnliches Gestrandet-Schicksal auf der verregneten Robinson-Crusoe-Insel Pandan vor Mindoro, wo ich nicht nur meinen Tauchkurs gemacht habe, sondern auch einiges interessantes zum Klimawandel gelernt habe: Nach den Kühen ist Reis der zweitgrößte Schuldige für den Methan-Ausstoß und somit ganz schön schädlich für unser Klima. Nur gut, dass das International Rice Research Institute mit insgesamt über 1.500 Leuten auf den Philippinen forscht… Genug zu forschen haben sie auf Mindoro, das scheint eine der Reiskammern des Landes zu sein. Reisfelder, soweit das Auge reicht und in jedem steckt fein säuberlich ein Täfelchen, welcher Pharma-Gigant mit welchem Mittelchen für prächtigen Reis sorgt.

Von meinem Freund, der in der Rolling Clinic über die Insel fährt und die Stämme in den Bergen der Insel besucht, erfuhr ich, dass die Philippinen tatsächlich lange nicht so entwickelt sind wie andere Staaten in Südostasien. Er behandelt Patienten aus dem Volk der Mangyan, die auch heutzutage barfuß und mit Lendenschurz durchs Leben wandeln.

Die Pfade auf Mindoro sind im allgemeinen eher weniger touristisch. In allen meinen Fahrten mit Bussen und Fähren war ich der einzige Ausländer und wurde mit ebenso großen Augen angeschaut, wie wir unter Wasser die riesigen Green Back Schildkröten und sonstiges Unterwassergetier angestarrt haben.

Wer also absolute Ruhe in einem kleinen Naturparadies nur mit ein bisschen Solarstrom und einer Süß-Salzwasser-Gemisch-Dusche genießen möchte, ist auf Pandan Island Resort ganz prima aufgehoben. Schlüssel gibt’s keine, aber jeder vertraut jedem – und die Affen bleiben weit genug weg im Wald. Also klaut keiner was, denn die riesigen Spinnen in unserem offenen Bambus-Bungalow hatten zwar acht bemerkenswert große Beine, aber eben keine Arme, um irgendwas wegzutransportieren.

Leider habe ich hier vor lauter Tauchen und ein bisschen viel Regen kaum Fotos gemacht. Aber Ihr könnt zumindest hier sehen, wo Mindoro und Pandan liegen.

Und damit wenigstens ein Foto hier zu sehen ist, gibt’s den Punk-Papagei Clyde, der sich wenig eitel die gesamten Federn von der Brust rupft, wenn die Billiard-Partien zu schlecht sind.

Punk Papagei auf Pandan Island

Pandan Punk Papagei

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Reisen auf den Philippinen

Ich hätte nicht gedacht, dass die Transportmittel der jeweiligen Länder zu einem festen Bestandteil des Blogs werden. Aber es ist z. T. einfach zu schön, um es nicht aufzuschreiben.

Jeepny in Manila

Jeepnys in allen Größen

Da sind zum einen die Jeepnys. Früher aus der Not heraus einfach zur „Stretchlimousine“ umgebaute Ami-Jeeps, in denen man auf zwei sich gegenüberliegenden Bänken sitzt und ganz ordentlich mit Musik beschallt wird. Heute werden sie extra und ausschließlich auf den Philippinen hergestellt. Sie ersetzen in Manila die Stadtbusse und es gibt sie in allen Aufmotzformen und -farben. Und ganz wichtig: mit Platz zum draußen dranhängen oder oben drauf sitzen.

In den verschiedensten Aufmachungen gibt’s auch die Tricycles. Mal als Ferrari aufgemotzt, mal als Familienkutsche, als rollende bunte Disko oder auch als „Smart“-Tricycle – es bleiben einfach Mopeds mit einem Fahrgasthäuschen. Fährt man zu dritt mit Gepäck sitzt der Dritte im Damensitz hinten beim Fahrer drauf und wenn es draußen schüttet, hat man anschließend eine schicke zweifarbige Hose. Ab dem Knie abwärts entsprechend dunkler.

Tricycle

Tricycle in Ferrari-roter Rennausführung

Tricycle in Schieflage

Tricycle in Schieflage

Getankt wird wie so oft in Südost-Asien an einem willkürlichen Stand, an dem es in Deutschland Früchte vor dem Bauernhof gäbe.

Flaschentankstelle

rote Pepsi bringt Dich auf Touren

Hier steht das Benzin in allen möglichen Farben, aber immer in Flaschen von den beiden großen Cola-Giganten dieser Welt, zur spontanen Entnahme bereit. Denn Tricycles werden aus irgendeinem Grund fast immer betankt, wenn der Gast schon drin sitzt. Das machen sie auch gerne bei den großen Überlandbussen, die schon zwei Stunden vor der Abfahrt mit sinnlos laufendem Motor rumstehen. Da wäre doch eigentlich ein Tankstopp VOR der Abfahrt recht sinnvoll.

Bei der Fahrt im Einheimischen-Bus auf Palawan hätten wir eigentlich ein Restaurant aufmachen können: Das Lager befand sich im Gang, in der Tür transportierte irgendjemand Yukka-Palmen im Topf für das gemütliche Ambiente. Die Gäste, die noch keinen Platz ergattern konnten, fuhren oben auf dem Dach mit, bis im Restaurant was frei wurde. Im Bus gab es von vornherein Hühner, nach dem ersten Stopp auch Seegras und Fisch. Als Beilage wurde Reis in 50kg Säcken gelagert. Oben drauf die Kisten mit den Kuchen. Nur über die Fluchtwege-Situation hätte man sich noch ein paar Gedanken machen können. Erst als der Gang ausgeladen war, konnten die Gäste raus. Glücklicherweise sind die Mägen stabiler als die der Myanmarer, allerdings pennen sie sowieso hier alle sobald der Bus rollt.

vollbeladener Bus auf Palawan

Ich bette meinen Kopf auf Reis

Vielleicht können sie auch beruhigt schlafen, da Jesus immer mitfährt. Das gibt einem ein sicheres Gefühl, falls die Genehmigung des Busses nur für das letzte Jahr gilt und die auf dem Schild neben Jesus angepriesenen und anzulegenden Sicherheitsgurte natürlich nicht vorhanden sind.

Jesus fährt mit

wenn TÜV und Gurte nicht mehr helfen, gibt’s nur noch den Einen…

Fliegen ist auch schön, wenn man denn fliegen kann und nicht auf kleinen Pseudo-Flughäfen wie in Coron auf Busuanga festsitzt. Es kann nämlich auch vorkommen, dass man sich morgens am Flughafen ein Ticket kauft und sie vergessen, Dir zu sagen, dass eigentlich schon seit gestern die Flüge nach Manila ausfallen, da dort alles – mitsamt den Landebahnen – unter Wasser steht. Muss einen ja nicht abhalten, es gibt halt Verzögerungen – was sie einem dann freundlicherweise in der einzigen Durchsage während eines ganzen Arbeitstages (8:00 bis 17:30) doch mal durchgeben. Mal abgesehen von der Ansage, dass man sich jetzt eine Instant-Nudelsuppe holen kann. Hätte nicht gedacht, dass ich mich schon so bald nach der Transsibirischen Eisenbahn wieder auf eine solche Delikatesse freuen würde.

Gerüchteweise wurden dann alle Flüge gecancelt – aber bis zu dem Zeitpunkt meines Verlassens des flughafen-ähnlichen Gebäudes wurde es nicht kommuniziert. Wenigstens die Minibus-Fahrer vor der Tür schienen Bescheid zu wissen, denn so ziemlich alle Vans der Gegend standen bereit, um die Passagiere aller sechs gestrandeter Flüge wieder in die Stadt zurückzubefördern.

Wenn man dann mal in der Luft ist, wird’s sogar unterhaltsam. So ruft die Besatzung von Cebu Pacific plötzlich drei kleine lustige Mitmachspiele aus, bei denen man eine Kleinigkeit gewinnen kann. Drei kleine Cebu-Pacific-Nähsets … natürlich mit Schere, die man ja bekanntlich bei der Security abgeben muss. Äußerst praktisch und weitsichtig also diese Cebu-Leute. Man stelle sich vor, man verliert ausgerechnet beim Einsteigen einen Knopf…

Fähre nach Coron

doch, doch, das ist die offizielle Fähre nach Coron

Die Fähren sind – sofern sie nicht tragischerweise von einem Frachter gerammt und versenkt werden – für ihre Größe und ihr Alter erstaunlich sicher. Und im Gegensatz zu Indonesischen Touri-Booten sogar mit ausreichend Rettungswesten ausgestattet.

Fähre Palawan

Reserviert für unsere „Sinioren“

Sogar für Plätze für ältere Mitbürger ist gesorgt. In der Theorie zumindest, denn in der Praxis liegen die Passagiere auf den beiden durchgehenden langen Sitzbänken an jeder Seite des Bootes Kopf-an-Fuß – wobei sich sogar fast jeder an den Hinweis hält, dass die Rettungswesten nicht als Kopfkissen benutzt werden dürfen.

Bei kleinen Ausflugsbooten auf den Touren kommt es erstaunlicherweise ohne Komplikationen zu erstaunlichen Tankvorgängen – wenn ich den rauchenden Matrosen, den Schlauch in seiner Hand, die abgesägte Wasserflasche als Filter und die nach Diesel riechende Flüssigkeit richtig gedeutet habe. Diese Kombination fand nämlich ihre Anwendung bei laufendem Motor auf See. Und in Europa müssen Flugpassagiere aus dem Flugzeug raus, während die Maschine betankt wird oder müssen ihre Handys ausschalten… Das Leben kann doch so viel einfacher sein.

Palawan und Busuanga – entspannte Paradiese

„Ich kenne den Mann nicht.“ „Kannst Du ihn trotzdem anrufen, um nach unserem versprochenen Bus zu fragen? Hier ist seine Nummer…“ “Ah, nicht nötig, ich habe seine Nummer hier in meinem Handy…“. Solche widersprüchlichen Dialoge sind hier ganz normal. Genauso wie auf dem Bootstrip, wo Du am Tag vorher sagen musst, was Du zu essen haben willst: Wenn Du Fisch sagst, kommt es durchaus vor, dass sie am nächsten Morgen lächelnd erzählen, dass sie in den Boxen gerade das Schwein und das Hühnchen aufs Boot tragen. Wenn Du dann sagst „Aber eigentlich hatten wir doch Fisch bestellt…“  erwidern sie fröhlich „Oh, kein Problem, dann ist da jetzt Fisch drin.“

Improvisation und Erzählkunst zählen eindeutig zu den Stärken ihrer unbekümmerten Art, auf Situationen zu reagieren.

improvisiertes Dach

dann ist halt der Regenschirm jetzt ein Dach…

Als Tourist darfst Du Dich dann auch keinesfalls drauf verlassen, dass Du bekommst, was Du wolltest und entsprechend relaxt reagieren,

scharfe Beifahrerin

scharfe Leggings!

wenn Du Dich zusammengepfercht in einem Jeepny und dann in einem überfüllten Minibus wieder findest, statt im privat organisierten Minibus. Lächeln und trotzdem genießen. Gehört alles zum Gesamterlebnis, genauso wie die auf dem Trittbrett mitfahrenden Damen mit sehr großer Machete.

Erzählkunst in Fragmenten genießt man auch in angeblich einem der neuen Sieben Weltwundern – dem Underground River in Sabang. Eine riesige Höhle, durch deren ersten Teil Du von einem fröhlich vor sich hin plappernden Boots-Ranger geschippert wirst. Der hat natürlich ein paar Worte jeder Sprache aufgeschnappt und warnt somit mit halblustigen Späßen in deutsch vor „Fledermausscheiße“ oder eher frankophil-britisch, dass sie hier ihren eigenen Eiffel bzw. Eyefill-Tower haben – nämlich das Wasser und die Fledermausscheiße die von der Decke in die Augen tropfen, wenn man nvorsichtigerweise nach oben schaut. Dazu kommen noch ein paar Stalagtiten-Formationen in Form eines Krokodils, eins Adlers oder auch Sharon Stone von hinten. Draußen warten dann Affen darauf, dicken japanischen Touristinnen den sowieso im Nationalpark nicht erlaubten Schokoriegel aus der Hand zu reißen und ihn dann frech grinsend zu verspeisen – während die immer noch hysterisch schreit. Hier wird einem echt was geboten für’s Geld.

Auch in El Nido finden sie für viele Inseln aufgrund ihrer Form einen „lustigen“ Namen wie z. B.  Helikopter-Insel. Die ist aber nicht so spannend, dafür ist das blau bzw. grün und türkis des Wassers in den Lagunen, Höhlen und an den weißen Stränden schon atemberaubend.

Fish 'n' Shirts

noch ist es der Fisch und nicht das T-Shirt, was hier streng riecht

Und auch im doch recht touristischen Örtchen gibt es einige Besonderheiten. Eigentlich bekommst Du in jedem Laden fast alles. Der Crêpe-Stand verleiht Dir Motorräder und im T-Shirt-Stand mit den Mangos gibt es auch Flugtickets.

Ein Erlebnis ist es auch, die tägliche Polizeiarbeit mal zu erleben. Ich konnte nun doch nicht in Deutschland Anzeige erstatten lassen wegen des Kreditkartenbetrugs (s. Singapur-Eintrag) und musste es höchstpersönlich machen. Also nix wie hin zum philippinischen Polizeiposten in Coron auf Busuanga. Lustig, wie antiquiert man das machen kann. Erst lange warten, dann zur Rezeption, wo ein freundlicher junger Mann viele Fragen stellt, die völlig unwichtig sind. Wie z. B. ob ich verheiratet bin oder wohin ich denn nach Myanmar alles gereist bin (mit der entsprechenden Suche der jeweiligen Stempel, bis er bei meinen 10 Stempeln vom Brunei-Trip aufgegeben hat). Eigentlich wollte ich ihm nur anhand der Stempel zeigen, dass ich zum fraglichen Zeitpunkt des Kartenbetrugs in Myanmar und eben nicht in Bangkok war…

Dann alles auf einen Zettel notiert, das Ganze dann fein säuberlich in ein dickes Buch geschrieben, wo ich es dann unterschreiben musste. Das wurde dann irgendwann in meiner Abwesenheit in eine Schreibstube gegeben und um 14:00 konnte ich dann das offiziell per Computer geschriebene Schreiben (was man natürlich von Anfang an hätte machen können) abholen. Damit sie eine Kopie machen durften, musste ich allerdings vorher noch einen persönlichen Brief an den Polizeichef des Standorts schreiben, in dem ich ihn förmlichst darum bitte, mir eine eben solche zu gewähren. Sehr lustig das Ganze.

Damit Ihr mir glaubt, dass ich tatsächlich auch die paradiesischen Seiten per Boot entdeckt habe, unten noch ein paar Bilder und hier die Links, wo sich Palawan und Busuanga eigentlich versteckten.

auf einer der Inseln vor El Nido

auf einer der Inseln vor El Nido

Sabang

künftige Bootsmänner in Sabang

Sabang

die Schieflage kommt von drei Red Horse Bieren – wirklich stark das Zeug

Trip nach Brunei – Grüße aus Absurdistan

Der Trip ist eine wahre Freude für Stempelsammler. Wer noch ein paar Seiten in seinem Pass frei hat, kann einen Trip über Land nach Brunei wagen. Wer kaum noch Platz hat, sollte lieber mit dem Boot oder Flieger kommen, um eines der reichsten Länder der Welt zu besuchen – reich im finanziellen Sinne wie auch reich an Widersprüchen und seltsamen Dingen.

Kommt man mit dem Bus vom malaysischen Staat Sarawak im Süden bemerkt man schnell, wenn man genau hinschaut, recht bald ein paar Rohre oder Anschlüsse, die aus dem Boden der ansonsten unberührten Natur ragen.

auch Naughty Donkey genannt

Nodding Donkey im Vorgarten

Und dann einen Nodding Donkey (hier auch „Naughty Donkey“ genannten), diese Ölförderpumpen wie man sie aus Texas kennt. Nur hier stehen sie überall – im Grünen, auf Rastplätzen und sogar in Vorgärten von Einfamilienhaus-Siedlungen.

Alles hängt vom Öl ab, weshalb wohl auch Shell ein ganzes Städtchen mitsamt Flughafen rund um seine Raffinerien betreibt – und die Kassen des Sultans füllt. Immerhin musste er ja seinen hochmodernen Palast mit über 1.700 Zimmern bauen und das Museum Royal Regalia, in dem er alle Geschenke von Staatsbesuchen, seine Prachtsänften und ausschließlich Bilder aus seiner Blütezeit ausstellt. Alles, was er so bekommen hat – So hängt neben der Original APEC-Konferenz-Urkunde mit den Unterschriften der Teilnehmenden Präsidenten (u.a. mit einer recht zittrigen von Boris Jelzin) die Urkunde von Tripadvisor als Auszeichnung für ein außergewöhnliches Museum. Seltsamer Kurator am Werk…

mit kalten Füßen durchs Museum

Schuhe müssen auch beim Museum draußen bleiben

Leider hat es anscheinend nicht mehr für einen Busterminal gereicht. Oder es lohnt einfach nicht für die insgesamt zwei Busse, die einmal täglich nach Kita Kinabalu oder in die andere Richtung nach Miri fahren. Es ist wohl die am wenigsten befahrene Straße der Welt, die durch ein zweiteiliges Land in die Hauptstadt Bandar Seri Begawan führt – von der man auch nicht gerade bemerkt, dass es die Hauptstadt eines der reichsten Länder der Welt ist. Bauruinen und Riesen-Gehweg-Löcher wie in der dritten Welt. Immerhin gibt es ein (!) einziges Hostel in der Stadt – und zwar im Jugendzentrum, in dem es zwar einen Pool, eine Turnhalle und Yoga-Kurse gibt, aber keinen Rezeptionisten. Er kommt zwei Mal am Tag recht willkürlich vorbei und gibt Dir erst ein langes Formular und dann ein Bett. Wenn Du Pech hast, wartest Du eben ein paar Stunden, bis er kommt.

Die Stadtbusse stellen ihren Verkehr um 18:00 ein, danach nimmt man ein Taxi, von denen ich allerdings auch kein einziges gesehen habe. Und während des Ramadans fahren auch die Busse selbst zur Hauptmoschee nur gelegentlich –  die dann trotz gegenteiliger Aussage sowieso für Ungläubige geschlossen ist. Aussagen sind eh’ Glückssache: Hätte ich auf den Bus-Abfahrtsort mit den meisten Stimmen gesetzt, wäre ich noch immer in Brunei. Denn man bekommt vom chinesischen Museum über eine Tiefgarage bis hin zum Museumsvorplatz (da fährt er tatsächlich los, falls jemand diese Info braucht!) die verschiedensten Orte genannt, wo man nach einem Bus Ausschau halten soll. Es gibt noch nicht mal eine Haltestelle…

Wahrscheinlich hätte ich dann auch Zeit gehabt, meine Fischerei-Kenntnisse etwas zu verbessern.

Netzfischer in Brunei

Profi-Fischer im Stelzen-Häuser-Meer

Nachdem uns ein Junge eindrucksvoll gezeigt hatte, wie man das Netz zwischen den Häusern in das seichte Salzwasser wirft (um dann doch nur ein paar knallrote Quallen zu fangen), meinte er, dass wir es auch mal probieren sollten. Also vorbei am verdutzten Vater im Wohnzimmer, die gerade aufgewachte Oma im Gästezimmer links liegen gelassen, durch die Küche und ab auf den Steg. Um mich dann mit dem von der Drecksbrühe durchtränkten Netz so einzusauen, dass ich wie auf dem Fischmarkt gestunken habe. Aber viel gelacht haben wir ob meiner stümperhaften Versuche.

Und nun noch mal zum Ausgangspunkt: Die Stempel-Safari. Das ist das Abgefahrenste an dem ganzen Trip. Man muss insgesamt zehn Mal irgendwo aus- und wieder einreisen. Man fährt in Miri in Sarawak (Malaysia) los und reist bei den freundlichen Damen der Brunei-Immigration (es sitzen dort nur Damen in blütenreinen weißen Kopftüchern am Schalter) ein. Dann wieder aus, dann wieder ein nach Sarawak, gleich wieder da raus aus Malaysia und rein nach Brunei. Zwischenzeitlich hatte ich dann den Überblick verloren, wo ich gerade war. Glücklicherweise hingen überall wegen Hari Raya (das wichtigste islamische Fest, so wie für uns Weihnachten) Brunei-Flaggen rum, so dass ich schnell wusste, dass ich meine Ausreisekarte vorlegen musste, um den siebten Stempel zu bekommen. Jetzt war ich dann nach ein paar Metern weiter – jedes Mal rein und raus aus dem Bus – wieder in Sarawak. Nach dem Mittagessen kam dann der absurdeste Teil: Man reist aus Malaysia (Sarawak) aus und reist wieder nach Malaysia (Sabah) ein. Hier darf man dann aber sogar zu Fuß zum nächsten Grenzposten gehen. Da hat man sich am Ende eines wechselhaften Tags durchaus ein Bier verdient, das man in Brunei aufgrund strikten Alkoholverbots auch nirgends bekommt. Ein seltsames Land…

Hier liegen Sarawak, Brunei und Sabah auf Borneo.

Borneo – heiß und tierisch gut

Galerie

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Wem das Malaysische Festland nicht genug bietet, der kann sich auf Borneo austoben. Sowohl kulinarisch, als auch sportlich, bergsteigend, Party machend oder sich der Fauna und Flora hingebend. In Sarawak und Sabah gibt es von allem genug. Vor allem Affen … Weiterlesen

Viel Stadt und doch nix los – Malaysias Festland

Viel erlebt habe ich auf Malaysias Festland nicht. Liegt wahrscheinlich dran, dass ich im Dezember mit meiner Mutter noch mal hier vorbeischaue und somit alles im Schnelldurchlauf gemacht habe. Aber es war jetzt auch nicht so umwerfend viel zu sehen, so dass ich die geplanten Aufenthalte alle ein bisschen kürzer gehalten habe.

In der Hauptsache ging’s um Essen. Malaysia gilt als eines der kulinarisch wertvollsten Länder Südostasiens und somit teste ich das ausgiebig.

In Malakka, der holländisch geprägten Stadt, gibt’s jede Menge Schokoladen-Läden mit hunderten von Geschmacksichtungen – inklusive Durian. Alles aber recht teuer. Im Gegensatz zu den lustig farbigen einheimischen Limonaden, die ich grundsätzlich in jedem Land probiere und immer wieder feststelle, dass alles vor Zucker eigentlich stehen müsste. Und sehr coole Läden mit coolen T-Shirts. Leider hat keins so recht gepasst – was wiederum nicht mit dem Essen zuammenhängt. Denn immerhin laufe ich durch die Städte – auch wenn die Rikschas hier wirklich einladend aussehen und sehr, sehr viele Geräusche von Opernarien über bellende Hunde bis hin zu Formel-1-Wagen machen.

Rikscha in Malakka

Malakka-Rikschas – bunt und laut

In Kuala Lumpur mögen sie dagegen gute Werbung recht gerne. Ob der Rücken zwickt oder ein Mini fliegt, Platz haben sie vor riesigen Wolkenkratzern genug, um die 3-D-Plakate aufzuhängen.

wenn's mal zwickt

da ist der Tiger nicht im Tank

umweltfreundliches Gefährt

… und der hier braucht gar keinen Tiger im Tank

Wuselig wird’s dagegen in Little India, wo der Basar auch höllisch heiß werden kann. Am überforderndsten ist allerdings diese riesige Fressmeile im Viertel von Bukit Bintang. Hier stehen abends hunderte Tische auf der Straße und die Fänger mit den Speisekarten locken mit allerlei chinesischen Köstlichkeiten. Von undefinierbaren Innereien bis zu Bullfrog im Tontöpfchen ist alles dabei.

In Penang – einer weiteren angeblichen Gourmet-Hochburg – gibt’s auch wieder eine Menge Food-Courts, wo man sich an den diversen Ständen etwas bestellen kann und einfach die Nummer seines Tisches sagt. Westliche Hygiene-Fanatiker werden hier nicht unbedingt glücklich, aber meistens ist es lecker. Und berühmt ist es – an jedem zweten Gericht steht „Famous Penang Dingsbums“ dran. Das weltberühmte Penang-Laksa hatte allerdings bei mir an anderer Stelle durchschlagenden Erfolg. Auch das Hauptstädtchen Georgetown hat natürlich ein altes Fort und sonst gar nicht mal soviel zu bieten. Immerhin eine Touri-Info, in der die Dame sagt, es gäbe auf Borneo keinen Bus von Kuching nach Kota Kinabalu. Woraufhin der ältere Tourist, der auch dort saß, mir dann in allen Einzelheiten erzählte, von wo die Busse fahren, wie viel es kostet, mit welchem Bus man für wie viel Geld zum Terminal kommt und wie der Fahrer gefahren ist. Mit dem Dienstleistungsgedanken haben’s die Malaysier nicht so…

Wem das hier jetzt zuviel Essen und zuviel Gelaber war, der kann sich dann auf die Bilder von Borneo im nächsten Eintrag freuen. Wer wissen will, wo das alles liegt, findet Malakka, Kuala Lumpur und Penang hier.

Singapur – zwischen Verboten, Luxus und Traumstränden

Galerie

Diese Galerie enthält 8 Fotos.

Singapur Da hat man eigentlich mal richtig Zeit und Muße, da man bei Freunden wohnen und an einem Hauch vom Luxus Anteil haben darf, und dann entdeckt man, dass auch die zweite Kreditkarte flöten geht. Beide wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt, … Weiterlesen