Von vor Christus über die Kolonialzeit ins moderne Indien: Ajanta & Ellora – Mumbai – Ahmedabad

In Indien braucht man keine Zeitmaschine – es ist eine selbige. In kürzester Zeit kann man vom vorchristlichen Leben in religiösen Höhlen durchs tiefste Mittelalter und die britische Kolonialzeit in das moderne Indien reisen.

Wenn man dies in Touren des Indischen Tourismusbüros tut, reist man während der Diwali-Ferien ausschließlich mit indischen Touristen im Bus. Die schauen erstmal skeptisch, was denn der weiße Mann in dem Bus zu suchen hat. Nachdem sich dann einer getraut hat, mit ihm zu sprechen, wollen das alle tun. Natürlich fängt das mit der für Inder wichtigsten – und oftmals einzigen – Frage an: „Which country?“. O.k., manchmal bekommt man die Langform „Which country are you from?“ und eine Bonusfrage wie „Where is your wife?“ oder „What profession?“, aber in der Regel beschränkt sich das auf die zwei Worte „Welches Land“.

Ellora Höhle Nr. 10

Ellora – drei Religionen friedlich vereint

In den faszinierenden – in der Zeit um Christi Geburt nur mit Hammer und Meißel sowie der sprengenden Kraft eines mit Wasser begossenen und von der Sonne beschienenen Holzkeils aus dem Fels „gesprengten“ – Höhlen von Ajanta und Ellora kam ich kaum dazu, die Wandmalereien und –schnitzereien anzuschauen, weil ständig jemand irgendwas wissen wollte, weil er gerade Mut geschöpft hatte, mich anzusprechen. Dabei sind die Überreste der Malereien in Ajanta und vor allem die spektakulären z. T. dreistöckigen Höhlen von Ellora, die nacheinander von Buddhisten, Hinduisten und Jainisten als Klöster und Tempel genutzt wurden, wirklich wert, in Ruhe und mit ein bisschen mehr Tiefgang angeschaut zu werden. Aber immer freundlich bleiben und brav antworten. Immerhin kam ich auf der Rückfahrt so zu einem zwölfjährigen WhatsApp-Freund, der mich auch im nächsten Land noch fragt „Where are you now?“. Mal schauen, wie lang sein Atem ist.

Ellora - ganze Arbeit

alles aus einem Felsen rausgehauen…

Mittelalter findest Du eigentlich überall in Indien – noch heute leben viele Menschen in Lehmhütten mit Palm- oder Strohdächern mit dem Vieh davor oder auch in der Hütte. Erinnert einen an die Mittelalter-Romane wie Tod und Teufel in Köln oder Säulen der Erde. In Aurangabad hat man das dann auch in faszinierender Technik. Eine Wasserfontäne, die komplett ohne Strom oder sonstigen Pumpenantrieb nur mit Wasserkraft auf verschiedenen Druck-Ebenen auskommt.

Mumbai CST

Ticketschalter im Kathedralen-Bahnhof

Von da aus bin ich dann ins British Empire gereist. Überall in Mumbai findest Du tolle Viktorianische Gebäude – sogar im Hauptbahnhof sieht’s aus als ob Du in einer Kathedrale wärst.

Stretch-Schubkarre in Mumbai

Stretch-Schubkarre

Würden nicht gelegentlich Männer mit ewig langen (Mittelalter-)Schubkarren vorbeikommen oder wieder mal eine Kuh im Weg stehen, könnte man teilweise meinen, man wäre in London. Wobei dort auch eine Menge Frauen in bunten Saris rumlaufen… Alles in allem – und da erklären mich manche hier für verrückt – war Mumbai aber sogar recht entspannt. Vielleicht liegt’s dran, dass sie die ewig hupenden Auto-Rikshaws aus dem Stadtzentrum verbannt haben und sich außer Kühen und Hunden keine weiteren Vierbeiner auf den Straßen rumtreiben.

Achtung Elefant auf der Fahrbahn

Elefant bei Bergungsarbeiten auf der linken Spur

Das sieht in Ahmedabad schon ganz anders aus. In der modernen Großstadt – wo ich nur war, um meine webseiten-erstellenden Ex-Kollegen besucht habe – begegnest Du im Straßenverkehr schon mal einem Arbeitselefanten, der sich selbst Äste auflädt, oder schnell von links kommende Kamel-Kutschen. Das ist schon ein gewöhnungsbedürftiges Bild in einer Stadt, die die viertgrößte Stadt des Landes ist, sieben Universitäten hat und als eines der kommenden Zentren für IT-Entwicklung gilt. Hätte sich Gandhi wahrscheinlich auch nicht träumen lassen, als er damals seinen berühmten Salzmarsch von seinem Ashram hier startete. Der Ashram ist eine wunderbare Oase der Ruhe in einer doch recht hektischen Stadt.

Sabarmati-Ashram

Gandhi bringt nichts aus der Ruhe

Modern ist auch der Tempel-Komplex Akshardham der Swaminarayan-Sekte in Ahmedabads Nachbarstädtchen Gandhinagar. Hier haben sie eine gerade mal 20 Jahre alte Tempel-Anlage hingestellt – mitsamt Haaren und Fingernägelchen des Lord Swaminarayan, der mit elf Jahren auszog, um Erleuchtung zu finden. Das mit der Erleuchtung haben sie dann modern interpretiert und bieten jeden Abend eine auf Wasserfontänen und –vorhänge projizierte Laser- und Videoshow zu zeigen.

Um hier die Zukunft auch noch abzudecken, ein Nachtrag zu Aurangabad: Dort war ein Kino neben meinem Hotel und da dachte ich mir „Auch wenn ich nix verstehe, gehe ich doch mal ins Kino“. Der einzige Film, der lief und zudem brandneu in die Kinos kam (auch wenn ich ihn nur eine Woche später im Bus noch mal gesehen habe), war ein Superhelden-Film namens Krrish 3. Die 3 stand für den dritten Film, hätte aber auch für die Rollen des Hauptdarstellers stehen können. Denn er hat nicht nur sich (Krish), sondern auch sein Alter Ego (Krishna) und dessen Vater (Papa) gespielt. Fantastisch, diese Inder: In einen Film wie Superman – so mit zivilem Menschen, der sich in einen Helden verwandelt, um abstürzende Flugzeuge zu retten usw. – schaffen sie es tatsächlich, zwei Bollywood-Massentanz-Szenen reinzubauen, während ein Bösewicht erst Namibia und dann Mumbai mit einem tödlichen Virus auslöscht. Superman trifft Grease!

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Kulturschock in Varanasi – herzlich willkommen in Indien!

Nachdem ich in einem sinnlos langen dreistufigen Prozess nach einer guten Woche und drei Besuchen bei der Visumsstelle in Kathmandu endlich das Visum in den Händen hielt, konnte ich mich auf den Weg machen. Dass sie dann an der Grenze auch noch einmal richtig lange brauchen, um einen Stempel reinzuhauen, liegt wahrscheinlich daran, dass in Indien jeder irgendwem zuarbeitet. In diesem Fall wahrscheinlich die Grenzer den Jungs, die Dir draußen einen privaten Jeep von der Grenze nach Varanasi oder Gorakhpur verkaufen wollen.

Was in der Tat eine gute Idee ist, wenn man die staatlichen Busse sieht, die sich auf eine angeblich zehnstündige Reise nach Varanasi machen und vielleicht sogar ankommen. Da ich das nicht überprüfen wollte, habe ich mit einem Deutsch-Mexikaner und einigen Israelis einen Jeep gemietet. Die versprochenen sechs Stunden wurden leicht zu zehn Stunden – nicht auszudenken, was aus den versprochenen zehn Stunden im staatlichen Bus wurde… Um wach zu bleiben zogen sich der Fahrer und sein Adjutant, der die meiste Zeit zwischen dem Fahrer und mir auf einem auf die Handbremse gelegten Schlafsack saß, Bethelnuss-Tabak-Gemisch rein. Da war es wieder – das Paan. Und hier futtern sie das Zeug fast noch mehr als in Myanmar.

Kohlebügeleisen

Mit heißen Kohlen gebügelt

Mit einer Slalomfahrt durch auf Deiner Spur entgegenkommende Laster und Busse, vorbei an Unmengen von Straßenkühen und überfahrenen Hunden und eingehüllt in Staub und gebeutelt von Schlaglöchern kommst Du nach einer Fahrt durch z. T. mittelalterliche Szenerien in ärmsten Gegenden dann in Varanasi an und kriegst die volle Dröhnung Indien ab. Totales Verkehrschaos, die untergehende Sonne im Smog kaum zu sehen, keine Ahnung von der Stadt habende Fahrer und unglaublicher Gestank mit einer Mischung aus Müll und Kuhscheiße erwarten den Neuankömmling in dieser Stadt.

Wenigstens mischt sich kein Verwesungs- oder Leichenverbrennungsgeruch darunter, obwohl Varanasi die Stadt ist, in die die Sterbenden kommen, um hier aus dem Leben zu scheiden. Wer es nicht ganz geschafft hat, wird von seinen Angehörigen hierher gebracht. Denn als Hindu möchtest Du Deines Seelenfriedens zuliebe als Asche im Ganges landen. Und so sieht die Stadt auch aus. Viele Menschen siechen dahin und fast im Minutentakt werden nachmittags Leichen durch die Straße zu den Verbrennungsstätten am Fluss getragen. Insgesamt 400 Verbrennungen gibt es pro Tag.

Verbrennungs-Ghat in Varanasi

genug Holz – und natürlich Kühe – gibts am Verbrennungs-Ghat

Die Bahren mit den Leichen werden erst einmal im Ganges gewaschen, dann auf den Treppen – den Ghats – zum Trocknen abgelegt und anschließend auf die zwischenzeitlich aufgeschichteten Scheiterhaufen gelegt. Nachdem eines der männlichen Familienmitglieder – Frauen sind bei den Verbrennungen nicht zugelassen – das Feuer an einem 3.500 Jahre alten nie verlöschenden heiligen Feuer geholt hat und die Leiche angezündet hat, werden den Männern als Zeichen der Trauer die Haare bis auf ein kleines Büschelchen abrasiert.
In der Zwischenzeit verbrennen die Leichen – leider nicht immer vollständig. Vor allem männliche Brustkörbe und gebärfreudige weibliche Becken nicht. Die Reste davon werden dann einfach in den Ganges geworfen. Gänzlich unverbrannt werden mit einem Stein die Körper von Kindern, Schwangeren, Priestern, Leprakranken und von durch Kobrabisse getöteten Menschen im Ganges versenkt. In dieser ganzen Brühe machen die Menschen dann ihre rituellen Waschungen und jetzt kommt das Absurde: Ich habe eine Deutsche in wallenden Gewändern getroffen, die wie manch anderer Tourist auch, durch den Fluss geschwommen ist!
Freiwillig und nicht so wie die besondere Berufsgruppe der Goldwäscher, die direkt nachdem die Asche in den Fluss gefegt wird, mit großen Schürfschüsseln nach Ohr-, Nasen- und sonstigen Ringen schürfen.
Die Bootsfahrt, bei der es Dir passieren kann, dass dir einige Leichenteile oder gleich ganze Leichen – deren Seile in der Mitte des Flusses gerissen sind – entgegen kommen, habe ich mir dann gespart.

Die Menschen werden entsprechend Ihrer Kasten auf verschiedenen Terrassen verbrannt. Lustig wiederum ist, dass egal auf welcher Ebene die Scheiterhaufen liegen, stehen überall dazwischen Kühe rum.

Müll-Kuh in Varanasi

zwischen Kuh und Wand passt immer noch ein Mensch … und viel Müll

Das Klischee von Indien verfolgt die Inder also auch bis in den Tod. Und davor erleben die meisten Inder die Kühe hautnah – entweder sich in den engen Gassen dran vorbeiquetschend oder barfuß durch die Hinterlassenschaften wandelnd. Der viele Müll und Mist in den Straßen ist unglaublich – und gibt eine Duftnote, die man so schnell nicht vergisst. Ebenso wenig wie die Armut der Menschen, die ich niemals zuvor so krass gesehen habe. Demnächst wird es hier auch wieder heiterer, aber die „Totenstadt“ Varanasi lässt für die anderen Absurditäten des Reisens keinen Platz.

Pokhara – Erholung am Fuße des Annapurna

Baggerjungs

In Pokhara kann man überall entspannen

Da ich in Pokhara – zum Erstaunen vieler anderer Touristen hier – keinen Trek zum Annapurna Base Camp gemacht habe, sondern eigentlich nur entspannt im Garten meines Guest Houses gesessen und sonst viel gegessen habe, gibt’s hierüber auch nicht viel zu erzählen. Außer dass Pokhara wirklich ein sehr relaxtes und empfehlenswertes Städtchen ist.

Aber immerhin weiß ich jetzt, dass Schach durchaus eine lebendige Sportart sein kann, bei der man jeden Zug begeistert kommentieren oder bejubeln kann – wenn man nur voll genug ist, wie die Jungs gegenüber in der kleinen Nepalipinte.

Und ich habe herausgefunden, dass es in Polizeikasernen durchaus doch Bullen gibt – und da stellen die sich bei uns so an, wenn sie so genannt werden…

Bullenkaserne

Willkommen zu Hause, Bulle!

Außerdem konnte ich meine Kenntnisse im Kreiseldrehen mit ein paar Kindern auf der Straße ausbauen, was für die geneigten Leser wahrscheinlich genauso spannend ist wie für diesen Hund. Daher Schluss mit weiteren Erzählungen über Banalitäten und ab nach Indien.

Hundekreisel

gelangweilter Hund hinter Kreisel

 

Jungs mit Kreisel

Der Kreisel dreht sich weiter … auf nach Indien

Chitwan: Nepalesische Nashörner und Krokodile im Himalaja-Staat

Ja, es gibt sie. Jagten sie vor über zwanzig Jahren noch einen Freund von mir auf einen Baum, so konnte ich beruhigt feststellen, dass es sie immer noch im Chitwan Nationalpark gibt – und dass sie immer noch gefährlich sind. Am Anfang unseres Dschungelmarsches hatte unser Führer noch genau erklärt, wie man sich verhalten muss, wenn einem ein Nashorn, ein Elefant, ein Tiger oder ein Bär begegnet. Die Theorie zu den Nashörner besagt: Zick-Zack wegrennen, ein Kleidungsstück wegwerfen (weil die Viecher elendiglich schlecht sehen, aber umso besser riechen können) und auf den nächsten Baum klettern. Das ist leichter gesagt als getan. Die sind verdammt hoch und haben unten kaum Äste, an denen man sich hochhangeln könnte. So hatten wir einiges Glück – wohl mehr als der eine Park-Guide, den ein Nashorn einen Monat zuvor getötet hatte – dass wir gerade auf einem kleinen Plateau standen, als Mama Nashorn mit Baby vorbeikam und ein bisschen böse in unsere Richtung schaute. Da wurden die Führer richtig nervös und schauten sich nach passenden Bäumen für uns um. Wie man sich beim Krokodil verhalten soll, sagten sie nicht. Wahrscheinlich mit dem Ruder aufs Maul hauen, wobei man nur bei einer der beiden Arten zuschlagen sollte. Die mit den langen spitzen Mäulern würden zu Unrecht verdroschen werden, da sie nur Fische und Frösche fressen.

Krokodil im Chitwan

Crocodile Groove statt Crocodile Rock

Ich war ganz froh, dass wir dann vom Tiger lediglich einen Tatzenabdruck gesehen hatten. Aus vermeintlich sicherer Höhe eines Elefantenrückens. Vermeintlich, da anscheinend bei YouTube auch Videos kursieren, wo ein Tiger sich mühelos auf einen Elefantenrücken schwingt, um sich einen kleinen Human-Snack zu gönnen.

Elefantendungpapier

Einmal ein ganz anderes Scheißpapier

Nicht des Tigers Ausscheidung, sondern des Tragetiers Hinter(n)lassenschaften werden hier angeblich verwendet, um kleine Schachteln und Ordnerrücken aus Papier herzustellen. Sieht gar nicht mal so beschissen aus…

Traditional Stick Dance

ein sehr menschlicher männlicher Pfau

Auch kleinere Tiere sorgen hier für Erheiterung oder schlaflose Nächte. Beim traditionellen Stocktanz für die Touristen kommt irgendwann ein – hervorragend – als Pfau verkleideter Mensch auf die Bühne und schwingt das Tanzbein. Die Tanzbeine hatten in der Nacht dann auch die Ratten im Zimmer meiner spanischen Reisegenossen geschwungen und sich zudem am mitgebrachten Chorizo vergangen – echte Feinschmecker, diese nepalesischen Ratten.

Und weil’s so schön ist, gibt’s hier noch ein paar Elefantenbilder.

Baby-Elefant

fast so verspielt wie Dumbo – nur mit kleineren Ohren

Graselefant

Du hast die Haare schön, Du hast die Haare schön…

tätowierter Elefant

Tattoos sind nicht nur für Menschen

trötender Elefant

tööörööö

Chaos und Abgründe – Verkehr in Nepal

Wenn das erste und einzige Lied, das Du nach einiger Fahrzeit aus den maroden Boxen des Touristenbusses –

lokaler Bus in Nepal

alle Mann an Deck des Local Bus!

der immerhin nur so viele Menschen mitnimmt wie es Sitze gibt und keiner auf dem Dach mitfährt wie bei den lokalen Bussen – „Highway to Hell“ ist, machst Du Dir noch keine Gedanken. Auch wenn die Straße sich vorher spektakulär den Hang von Kathmandu runtergewunden hat oder Dir ein Bus ohne Windschutzscheibe entgegenkommt – noch kein Grund zur Beunruhigung. Wenn dann aber 3 Minuten später passend zum Lied einer dieser fahrenden LKW-Schrotthaufen umgekippt am Straßenrand kurz vor dem Abgrund liegt, kannst Du beim nächsten Halt schnell noch ein Nervositätspipi in die in den steilen Hang reingezimmerte Pinkelrinne machen. Frauen hatten leider Pech, da kein richtiges Klo in den Abhang gebaut werden konnte. 

Trotz der Serpentinen gab’s nicht wie in Myanmar regelrechte Reiherorgien. Noch nicht einmal die fehlenden Stoßdämpfer – die einen bis zu 30cm vom Sitz abheben lassen, wenn man wie ich auf der hintersten Bank saß – vollbrachten Magenumstülpungen. Vielleicht liegts ja an der guten Luft durch modernste Klimaanlagen-Technik im guten Touristen-Air-Condition-Bus.

AC-Bus

modernste Technik im (versprochenen) Air-Condition-Touristenbus

Auf die große Straße wagen sie sich zum Glück nicht mit den dreirädrigen Bussen aus dem Stadtverkehr. Die können – wie die lokalen Busse auch – eine gute Schräglage fahren, weswegen ich auf auf Langstrecken auf beide verzichtet habe und stattdessen etwas mehr in die ein klein wenig mehr vorhandene Sicherheit der Touristenbusse investiert habe.

Ein großes Problem ist, dass liegengebliebene Laster oder Busse einfach so auf der Straße stehen bleiben. Es wird nur hinten und vorne ein frisch vom Strauch gerupfter Ast dran gesteckt – quasi als Ersatz für Warnblinker und Pannen-Dreieck. Manchmal sind sie aber auch gar nicht kaputt, sondern machen nur ein Päuschen – z. B. um die Eier quasi schon vor dem Legen abzuschrecken: Ein LKW legte mitten auf der Strecke eine Pause ein, damit der Fahrer auf den Laster steigen konnte und die Tausenden von Hühnern im Gitteraufbau von oben mit Wasser übergießen konnte, damit sie vor Hitze und Staub nicht draufgehen.

Ziege auf Motorrad

hier ist blöde Ziege im Straßenverkehr keine Verkehrswidrigkeit

Motorräder – mal mit Ziege auf dem motorisierten Bock und auch gerne mal mit fünf Leuten drauf – quetschen sich auf Landstraßen genau zwischen zwei sich entgegenkommenden Lastern durch und im Stadtverkehr geben sie mächtig Gas, um die in den verstopften Gassen wandelnden Fußgänger verschreckt zur Seite springen zu lassen. Fahrräder bleiben dabei manchmal auch auf der Strecke, obwohl sie sowieso eigentlich eher als Transportmittel denn als Fortbewegungsmittel genutzt werden. So werden damit z. B. ca. 1000 Eier in Eierkartons, Milch oder auch gute 120 Liter Wasser in Eimern und Kanistern transportiert. Manchmal werden die Fahrräder aber auch als Verkaufsstände – so wie bei diesem „Metzgereifachgeschäft“ – genutzt.

Schwein auf Fahrrad

Schweine – diesmal nicht im Weltall

Manchmal verstopfen sie die Straßen dann recht mutwillig noch mehr. Entweder durch die Prozessionen wie im Kapitel Kathmandu erwähnt oder durch den derzeit stattfindenden Wahlkampf, wo sie mit allen fahrbaren Untersätzen die Symbole ihrer Partei durch die Gegend fahren. Symbole für diejenigen, die nicht lesen können, werden auf unzähligen Fahnen abgebildet und an allen auffindbaren fahrbaren Untersätzen befestigt. So kann auf der gesamten Strecke jeder sehen, wo er sein Kreuzchen – z. B. bei der Partei mit dem Baum oder der mit dem Regenschirm – machen soll.

Völlig unbeeindruckt von all dem Chaos im Straßenverkehr bleiben lediglich die Elefanten mit ihren Reitern. Im Chitwan National Park und den umliegenden Dörfern begegnen einem fast mehr Dickhäuter als Fahrräder im Straßenverkehr. Ein doch recht überraschendes Bild, das sich einem da bietet.

Elefanten im Straßenverkehr

Achtung – es kommt Ihnen ein Elefant entgegen

Kathmandu-Valley – die Oase der Ruhe

Galerie

Diese Galerie enthält 11 Fotos.

Möchte man der Hektik Kathmandus entfliehen, muss man gar nicht weit fahren. In der Umgebung der Hauptstadt gibt’s zahlreiche schöne Treks durch einsame Bergdörfer und Wege mit herrlichen Blicken auf den Himalaja wie z. B. die Langtang-Range. Manchmal wird man … Weiterlesen

Kathmandu – das Wusel-Zentrum Nepals

Kommt man aus dem wohlorganisierten Japan, bekommt man am Flughafen Kathmandu erst einmal die volle Ladung asiatischer Gelassenheit und Ineffizienz ins Gesicht. O.K., beim Aussteigen aus dem Flieger kann man noch mal ein Auge zudrücken, dass der Bus erst 20 Minuten später auftaucht und einen dann dorthin um die Ecke des nächsten Gebäudes bringt, wohin man in ca. 3 Minuten gelaufen wäre. Aber sie achten hier doch noch auf geordnetes Aus- und Einsteigen – nicht so wie am Low Cost Carrier Terminal in Kuala Lumpur, wo man einfach die Fluggäste mehrerer „Gates“ auf einmal auf das Vorfeld strömen lässt und sich die Menschen aller verschiedenen Maschinen mixen. Da muss man genau nachfragen, in welche man denn gerade einsteigt…

Aber zurück nach Kathmandu, wo man nach einer kleinen Rundfahrt um den Flieger dann zum Immigrations-Gebäude kommt. Dort heißt es erstmal Schlange stehen. Dann bemerkst Du, dass sich was vor und zurück bewegt. Das sind die Leute, die kapiert haben, dass man seine Visums-Gebühr bei dem Mann am ersten Schalter bezahlten muss. Der schreibt bis zum Unterarmkrampf Quittungen aus und schickt die Leute zurück in die Schlange. Wer nun denkt „so, das Nadelöhr mit nur einem Mann habe ich jetzt hinter mir“, sieht sich getäuscht. Denn auch wenn drei Mann am nächsten Schalter sitzen, bedeutet das nicht, dass drei Passagiere auf einmal abgefertigt werden und somit alles schneller geht.

Nein, nicht wie in anderen Ländern, wo Dein Pass gescannt wird und der gleiche Beamte einen Stempel reinhaut, weil Du Deine Gebühr ja schon bezahlt hast… Hier legt der erste Mann den Pass sorgfältig auf den Scanner und gibt ihn dann nach ein paar Minuten weiter an seinen Nachbarn. Der schaut sich ALLE freien Seiten Deines Passes von vorne nach hinten genau an, um dann das Gleiche noch mal von hinten nach vorne zu machen. Dann landet er praktischerweise wieder bei der ersten freien Seite und klebt sorgfältig das Visum ein. Anschließend gibt er den Pass an seinen Nachbarn – und wenn nicht gerade eine Chai-Tee-Pause ist – schreibt der dann noch mal die Passnummer des Passes, in dem das Visum jetzt klebt, auf das Visum. Dann darf man endlich raus zu seinem Gepäck, was neben irgendeinem – schon lange abgestellten – Gepäckband liegt. Das liegt leider schon so lange rum, dass auch keine Anzeige mehr anzeigt, welches Band ursprünglich mal Deins war. Also heißt es suchen. Herrlich, nach zwei Stunden ist man schon durch und kann ins Gewusel der schreienden Taxifahrer.

Einer dieser Taxifahrer bringt den Durchschnittstouristen dann meistens in den Stadtteil Thamel, der hauptsächlich aus Outdoor-Ausrüstungs-Läden, Restaurants, Souvenirshops und Trekking-Reiseagenturen besteht. Mit entsprechenden Aufreißer-Typen vor der Tür. Generell bietet Dir eigentlich jeder auf der Straße was an: Wenn’s nichts zum Rauchen ist, wollen sie Dir Trekkings in den Himalaya verticken. Manchmal auch beides – und das, wo die Cannabispflanzen in den Bergdörfern doch sowieso am Straßenrand stehen…

Die Polizei interessiert das recht wenig, obwohl Marihuana, außer an einem Tag im Jahr wo sie sich aus medizinischen Gründen – dafür ist es nämlich erlaubt – alle zusammen die Rübe weghauen, vor ein paar Jahren als illegal erklärt wurde. Aber die Polizisten haben auch so genug zu tun. Verkehr beobachten und Umarmungen geben. Es ist mir nämlich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben passiert, dass mich ein Polizist einfach aus Interesse ausgefragt hat, mir ungefragt von seinen Dienstjahren bei der Polizei erzählt hatte – und mich dann zum Abschied umarmt hat! Das nenne ich mal einen starken Arm des Gesetzes…!

Hätte er mal lieber, wie vorgesehen, den Verkehr geregelt. Denn der ist in der Regel ziemlich chaotisch, weil jeder fährt wie er will und die Motorräder zusätzlich alles verstopfen. Manchmal kommt man nicht durch das Gewühl, aber ausnahmsweise nicht wegen der Autos und Motorräder, die wild hupend Platz schaffen wollen, sondern wegen plötzlichen Menschenmassen. Nämlich, wenn die Newar-Bevölkerung zusätzlich zum allgemeinen Straßenchaos wieder eine Prozession durch ihr Stadtviertel macht.

Fußkühlung in Kathmandu

Füße on the rocks

Da laufen sie – unterstützt durch Verpflegungsstationen mit Wasser und Säften sowie Ständen mit Obst und Keksen – ALLE Straßen ihres Stadtteils ab. Bei der Vollmondprozession, die ich erleben durfte, liefen 175.000 Menschen sogar die ganze Nacht durch. Und das, wo doch die Füße schon am Nachmittag glühten. Da half auch die Rast im Affentempel nichts, wo das ganze Areal feinsäuberlich in kleine Pausenparzellen aufgeteilt war und jeder Haushalt eine Ruhezone zugeteilt bekam.

Gebetsmühle mit Frau

gebetsmühlenartig wiederholter Gang um die Stupa in Boudha

Dass es in einem buddhistischen Tempel auch ruhiger zugehen kann, hatte ich beim Samstags-Gespräch eines Abts erlebt, zu dem ich freundlicherweise von einer Freundin einer Freundin eingeladen war. Viel moderner als man denkt, geht’s da zu. Irgendwann hat er sich ein iPad reichen lassen und in Facebook die Bilder seines wiederaufgebauten Kindheits-Klosters in Tibet angeschaut. Da lächelte er dann noch ein bisschen versonnener. Etwas ungewöhnlicher Anblick, so ein Mönch in weinrot-orangener Robe und kahlgeschorenem Kopf, der über den Rand seiner Dalai-Lama-Brille schaut und auf einem iPad rumwischt…

Deutlich traditioneller geht’s da beim Abendessen bei einer Nepalesischen Familie zu, bei der ich eingeladen war. Im Wohnzimmer saß dann auch die 93-jährige Oma und mümmelte ein paar Chips. Auf die Frage, ob sie mich denn nichts fragen wolle, sagte sie „warum denn, ich kenne den doch gar nicht“… Die Männer des Hauses – Vater und Opa, ein ehemaliger Gurkha-Krieger, – schauten auch kurz vorbei und verschwanden gleich wieder. Denn hier arbeiten nur die Frauen.
Nach ein paar kleinen Snacks und getrocknetem Büffelfleisch gab’s schon den ersten Hirseschnaps. Die machen hier wirklich aus allem Schnaps und Wein. Beim Wandern mit den beiden Jungs hatten wir z. B. Weizenwein getrunken. Danach gab’s den Hirseschnaps erhitzt, was den Geschmack noch ein bisschen hervorhob und auch ordentlich reinknallte. Drin waren in Honig geröstete Reiskörner, die den scharfen Geschmack wenigstens etwas abmildern sollen.
Dann gab’s Hühnchenstückchen und anschließend ein Tellerchen mit Spinatblättern. Als ich meinte, dass ich dann bald schon satt sei vor lauter Snacks, meinten sie, das ginge nicht, denn gleich gäbe es das Ganze noch mal komplett auf einem Teller mit Reis und Kartoffeln. Und der Gast müsse zuerst seinen Teller aufessen, bevor dann die kochende Mutter und ihre Schwiegertochter essen dürften. Puuh, da habe ich ganz schön reingehauen, damit die Armen dann auch was essen konnten. Ich hatte letztlich auch Löffel und Gabel zur Hilfe genommen, nachdem ich es auf Anregung der Jungs erst traditionell wie sie mit den Fingern versucht hatte, mich aber anscheinend zu dämlich angestellt hatte und sie meinten, ich solle doch Besteck nehmen… Und ganz froh, war ich, dass es keine Ziege zum Abendessen gab, auch wenn sie noch so „hygienisch“ verkauft wird…

Ziegenkopf

… und ihre Brüder und Schwestern standen noch lebendig daneben…

Ganz langsam und mühsam ist es in Nepal auch mit dem Internet. Daher kommt hier jetzt eine Galerie, die ich nach und nach mit Bildern bestücke. Es dauert ewig sie hochzuladen, weil in Nepal ständig das Internet wegbricht, der Strom ausfällt oder alles gleichzeitig passiert. Daher kommen alle Berichte aus Nepal erst jetzt aus Indien.