Auf Schusters Rappen zum Inle-See

Nachdem wir auch die Dritte im Bunde überzeugt hatten, dass sie doch mehr als nur die Wanderung um Kalaw machen sollte, zogen wir als schottisch-spanisch-deutsches Dreigestirn mit James los in Richtung Inle-See. Durch Reisterrassen, über sehr matschige rote Erde, auf Bahngleisen und immer rechtzeitig vor dem großen Regen im trockenen Übernachtungsplatz.

Luxusherberge in den Bergen von Kalaw

Luxusherberge in den Bergen von Kalaw

Das war in der ersten Nacht der Fußboden einer Familie und in der zweiten Nacht der Fußboden einer Herberge, in der man abends eine Menge nette Leute und Millionen von großflügeligen Insekten traf.

Vorher gab’s aber einige Impressionen auf einem wuseligen Markt der besonderen Art – in einem Bahnhof bzw. einem Bahnsteig, denn größer war der Bahnhof nicht.

der Zug wird randvoll mit Blumenkohl gemacht

der Zug wird randvoll mit Blumenkohl gemacht

In einem Dörfchen, das getrost als Epizentrum des Blumenkohlanbaus gezählt werden kann, steigt auf dem Bahnsteig die große Verkaufssause. Alle Blumenkohlköpfe, die herangeschafft werden können, müssen irgendwie in dem Zug gen Süden des Landes verstaut werden. Nach einem nicht zu durchschauenden Muster werden alle Passagiere zu Zwischenhändlern und verkaufen die dann in allen Gängen gestapelten und unter allen Sitzbänken verstauten Blumenkohlmassen am Ende ihrer Reise mit fast 100% Marge ( = 40 Cent Gewinn pro drei Blumenkohlköpfen) an Händler in der Gegend von Yangon.

Unterwegs trifft man dann weiterhin fröhliche einheimische Kinder, Ochsenkarren, Wasserbüffel-Jockeys und gelegentlich auch Schlangen und Skorpione – allerdings von fleißigen Vorwanderern schon dahingerafft. Das nenne ich mal Service am Touristen…

Der Schumi von Manmar

Der Schumi von Manmar

Die birmanische Version vom Baby-Björn

Die birmanische Version vom Baby-Björn

Büffel-Jockey

Büffel-Jockey

vielfüßiger, aber kopfloser Skorpion

vielfüßiger, aber kopfloser Skorpion

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Bagan – Pagoden so weit das Auge reicht

Galerie

Diese Galerie enthält 14 Fotos.

Bagan war quasi touristenlos. Ja, so manchem, der in der Hochsaison dort war und verzweifelt ein heruntergekommenes Zimmer für 40,- US$ nehmen musste, kommt dieser Satz komisch vor. Aber dies ist einfach einer der Vorzüge der Regenzeit. Gerade mal drei … Weiterlesen

Road to Mandalay

Nach der Fahrt mit dem Luxusbus, war ich sehr entspannt. Auch wenn sie eine knappe Stunde länger dauerte als gedacht. Zehn Minuten vor Erreichen des Busbahnhofs bogen wir nämlich plötzlich in die Prärie ab und luden in einem kleinen Dörfchen die 80 Styropor-Kisten aus, die sie in Yangon sieben Stunden zuvor verladen hatten. Als ich dann sah, dass es Kühlkisten mit Krebsen waren, war ich doch sehr froh, dass im Laderaum kein Platz mehr für meinen Rucksack war, dafür aber auf den hinteren Sitzbänken sehr wohl noch. Ich wäre wohl für einige Woche vom Geruch her als Fischer auf Landgang durchgegangen.

Nach der Fahrt mit dem Mopedtaxi in die Stadt war ich nicht mehr so arg entspannt. Sein Versuch, meinen großen Rucksack zwischen seinen Beinen zu transportieren endete erstmal im nächsten Kleinlaster. Also den kleinen zwischen seine Füße, meinen Großen auf meinen Rücken und dann ab ins Straßen-Chaos. Zum Glück gab’s wenigstens stadteinwärts ein paar Ampeln. Denn ansonsten funktioniert der Verkehr im Zentrum ohne Ampeln, dafür gemäß Recht des Stärkeren. Fahren mehrere Fahrzeuge auf eine Kreuzung zu, funktioniert das recht gut wie folgt: Laut hupen und der Größte darf als erster durch.

gut beschützt auf dem Mopedtaxi

gut beschützt auf dem Mopedtaxi

Ein Mönch als Sozius auf dem Mopedtaxi bringt selbst in einem buddhistischen Land keinerlei Bonuspunkte. Ochsenkarren kommen in der Regel noch vor Rikschafahrern.

da geht schon noch was drauf

da geht schon noch was drauf

Auch massive Überladung trotz mangelhafter Bremsen bringt nur bedingt was, man muss nur öfter hupen. Vier Leute auf der Vespa sind gleichberechtigt mit einem Fahrer, auch wenn letzteres nur sehr selten vorkommt. Zuletzt in der Reihenfolge kommt einer, der sonst nur in deutschen Führerscheinprüfungen vorkommt – der Mann mit Handkarren. Ich als kleiner Fußgänger muss gut aufpassen und durch kleine Schlupflöcher aller anderen Verkehrteilnehmer durchhuschen. Und das sogar, als ich einen blinden, gebrechlichen Mann im Dunkeln über die Straße führte.

Mandalay überfordert einen, wenn man aus „untouristischeren“ Ecken wie Yangon oder Ngwe Saung kommt. Überall bieten Dir Fahrer und Führer ihre Dienste an. Auch bei den Hotels merkt man, dass sie sich nicht sonderlich um Kundschaft und deren Zufriedenheit kümmern müssen. Aber auch hier sind sie ansonsten überaus freundlich – und arbeitsam in der Stadt des Kunsthandwerks.

mit viel Schweiß zu Gold – nicht nur bei Spitzensportlern

In einem höchst aufwändigen Prozess stellen sie z. B. Blattgold her. En kleiner Barren Gold wird zunächst mit einem drei kg schweren Hammer eine halbe tunde breit geklopft. Im zweiten Durchgang wird es – zwischen extremst aufwändig hergestelltem Bambuspapier und Hirschleder eingeklemmt – eine weitere Stunde geschlagen. In einem dritten Prozess wird es während fünf Stunden platt geklopft bis es zum Schluss nur noch einen tausendstel Millimeter dick ist und zu ca. 2.400 Blättchen Gold zurecht geschnitten wird. Die Zeit wird mit einer Kokosnuss gemessen, die ein kleines Loch hat. Nach exakt drei Minuten ist sie voll gelaufen und wird ausgeleert. Die Hämmerer klopfen im Schichtbetrieb jeweils eine Stunde, dann 15 Minuten Pause, dann wieder eine Stunde hämmern. Das Endprodukt kann man dann entweder auf sein Essen tun (in Berlin gibt’s ja sogar eine Curry-Wurst mit Blattgold und Champagner) oder aber auf den Buddha in der Mahamuni-Pagode ein paar Straßen weiter kleben.

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Fußball-Rastellis im Ring

Das tun die Gläubigen so ausführlich, dass die Figur immer dicker wird und seine Form verliert. In Kürze wird er an manchen Stellen schon einen halben Meter dicker sein als ursprünglich. Frauen dürfen allerdings kein Gold anheften sondern nur zugucken. Zuschauen dürften sie nebenan, wo die Männer im Kreis laufen und den Rattanball möglichst artistisch in der Luft halten müssen – tun sie aber nicht. Dafür sind jede Menge Mönche unter den begeisterten Zuschauern dieses von einer Jury bewerteten und von einer Trommel- und Gong-Band begleiteten Sportspektakels.

Spektakel der anderen Art bieten die Myanmarer generell bei ihren Heiligtümern. Die überdachten Aufgänge zu den Pagoden auf dem Mandalay Hill sind genauso wie die Gänge zu anderen religiösen Stätten mit unzähligen Nippes-Ständen und Cola aus Kühltruhen verkaufenden Marktfrauen gesäumt. Das wäre ungefähr so, wie wenn man vom Rhein her mehrere lange Zugänge zum Kölner Dom bauen würde, wo man neben Kölsch, auch noch ein paar FC-Fan-Utensilien, ein paar schlaue Sprüche, T-Shirts, Blumenvasen und Angry-Birds-Figürchen kaufen kann. Halt alles, was man in einer Kirche so braucht.

Mit dem Bus durch Myanmar

Anfangs sitzt Du mutterseelenalleine in einer stinkenden Wartezone, von der Du nicht weißt, ob’s die richtige ist. Denn die birmanische Schrift ist sehr kringelig und für nur sehr wenige Langnasen lesbar.

mit Buddhas Segen auf die Reise

mit Buddhas Segen auf die Reise

In der Zone gibt’s wenigstens Unterhaltung morgens um 6:30. Dort für die Kinder, die gebannt auf das Gemetzel der The Expandables-DVD starren und im Bus dann die buddhistischen Lesungen als Kontrastprogramm für die Erwachsenen. Die beliebtesten Programme während der Fahrt sind Comedy-Shows, die in keinster Weise lustig sind (noch nicht mal die Birmaner lachen), dafür aber sehr laut sind – weil die Hauptdarsteller spätestens ca. alle 5 Minuten aus irgendeinem Grund laut kreischen, schreien, schluchzen oder krähen.

Wenn dieses Programm vorbei ist, kommt gerne einfach der Videokamera-Mitschnitt eines Comedy-Festivals, wo auch wieder zwei Comedians kreischen und falsch singen.

Da bist Du richtig froh, wenn das Programm wieder zu den herzzerreißenden Musikvideos zurückkehrt, in denen ein Pärchen sich trennt und der oder die Verlassene in Erinnerung schönster Romantikzeiten schwelgt. Die Musik liegt irgendwo zwischen Enrique Iglesias bzw. Alejandro Sanz, Roland Kaiser und den Scorpions. Lustig ist, dass es für ein und dasselbe Lied bis zu 10 verschiedene Versionen der Schmacht-Trennung gibt. Ist aber ein bisschen wie Rosamunde Pilcher – kennst Du einen kennst Du alle. Manchmal passt auch die Tonspur so gar nicht zum Film. Dann läuft die Schmachtmusik und im Bild spritzt das Blut beim Karatefilm.

Fragen, wie lange der Bus braucht, bringt übrigens Unglück durch die Nats – die Geister. Deswegen weisen sogar Schilder daraufhin, dass man den Busfahrer nicht darauf ansprechen darf. Wenigstens sagt er Dir, wie lange die Essenspause ist, bei denen Du einfach in die Töpfe der einfachen Massen-Restaurants schaust, etwas auswählst und dann noch diverse andere Köstlichkeiten oder auch Scheußlichkeiten in Schälchen dazu bekommst. Und dann heißt es hoffen, dass alles so gut gekocht war, dass Du nicht alle zwanzig Minuten den Fahrer bitten musst, Dich gaaanz schnell aufs Feld rauszulassen, um dringendsten Geschäften nachzugehen.

Wenn der Bus dann losfährt, muss er – obwohl hier kein hinduistisches Land ist – gerne auch Kühe umkurven. Aber die Belegschaft kümmert sich auch rührend um Straßenbauer. Die Teerarbeiter, die bei sengender Hitze die Straße richten und dafür gerade mal 2 US$ pro Tag verdienen (Frauen nur 1,50 US$), bekommen Wasser gereicht. Tolle Geste.

Wahrscheinlich sind es die Gratis-Wasserflaschen, die die Hälfte der Passagiere eh’ nicht nutzt. Entweder weil sie damit beschäftigt sind, ihre Plastiktütchen mit dem bethelnuss-bedingten roten Speichel vollzumachen oder eben diese Tüten mit weiter tieferliegenden Magensäften zu füllen. Sobald es ein wenig kurvig und bergig wird, fängt einer an zu reihern und alle umliegenden stimmen fröhlich ins Würg-Konzert ein. Da brauchst Du einen stabilen Magen, um nicht auch Teil des Orchesters zu werden.

Yangon – der klassische Fall von Denkste

Die Leute sind so freundlich hier in Myanmar und auch in der größten Stadt Yangon ist alles noch natürlich. Kinder winken, Frauen winken, Männer winken und die Touristen müssen in Myanmar mit großen Dollarscheinen winken. Alle Flüge, Bahnfahrten und Hotels in diesem Land müssen weiterhin mit nagelneuen und bloß nicht verknickten Dollarscheinen gezahlt werden. Aber das Land entwickelt sich schnell. Erst vor vier Monaten wurden die ersten Geldautomaten des Landes aufgestellt und schon finden sich sogar fast zehn Stück davon alleine im größten Heiligtum Yangons – der Shwedagon-Pagode.

Geldautomaten im Heiligtum

Geldautomaten im Heiligtum

Auf dem Bild wischen die Frauen nur den Regen weg, nicht die roten Flatscher, die die nonstop auf Bethelnuss-Gewürz-Mischungsblättern rumkauenden Männer (und manchmal auch Frauen) nonstop in die Gegend spucken. Man muss schon gut aufpassen, nicht getroffen zu werden. Aber wenn’s mal knapp wird, lächeln sie Dich mit Ihren übriggebliebenen rostroten Zähnen freundlich an.

Thanaka für alle Lebenslagen

Thanaka für alle Lebenslagen

Besonders lustig ist die Kombination mit Thanaka, der Paste aus Sandelholz, die sich die Frauen (und manchmal auch die Männer) großflächig, partiell oder in feinen Mustern ins Gesicht schmieren. Ist Sonnencreme, Tagescreme, Antifalten- und Antipickel-Mittel in einem. Und sieht bei kahlgeschorenen Kindern mit rundem Gesicht noch lustiger aus.

 

 

Etwas gewöhnungsbedürftig für Westler ist auch, wie sie mit ihrem Heiligtümern umgehen. Die Geldautomaten sind nicht die einzige moderne Technik, die in der Shwedagon-Pagode im Einsatz sind. Rolltreppen, die allerdings an den Unmengen von Shops im Aufgang zur Pagode vorbeiführen, und die scheinbar größte Errungenschaft sind blinkende LED-Lichter in allen Farben.

Die andere Art der Erleuchtung

Die andere Art der Erleuchtung

Die werden bevorzugt über den Köpfen der Buddha-Figuren eingesetzt. In unsere Breitengrade übersetzt wäre es wohl ein Jesus am Kreuz mit einer durch rote LED-Leuchtketten erzeugten tropfenden Wunde. Manches verwundert hier noch mehr als Geldautomaten im Heiligtum.

 

 

 

Yangon oder auch als Rangoon oder Rangun bekannt: wahrscheinlich denken 98% aller Leser, es wäre die Hauptstadt. Denkste! Wurde flugs mal verlegt und ist jetzt eine Stadt im Niemandsland die vor 2005 noch ein kleines Dorf war. Nay Pyi Taw hat inzwischen eine gigantische Ausdehnung – die ihr zugeteilte Fläche ist fünfmal größer als Berlin! Aber die Regierung wollte es halt einfach so aus Aberglaube und Prestige. Genauso wie sie in den letzten Jahren flugs mal eine Menge Geldscheine (so lustige Werte wie 45 oder 90 Kyats) von der Regierung vom Markt genommen haben und so viele Menschen ihr Erspartes über Nacht verloren. Oder genauso wie einfach mal die Flagge geändert haben oder den Straßenverkehr trotz rechts gesteuerter Autos per Dekret über Nacht mal schnell von Linksverkehr in Rechtsverkehr umstellten. Die Nachteile beim Überholen hatten wir schon in verschiedenen vorherigen Kapiteln.

Zu den größten Verkehrsteilnehmern gehören die sehr laut hupenden Busse – und weil in Yangon vieles anders ist, gibt’s hier nicht nur mehrere Busbahnhöfe, sondern es ist auch der größte der drei Große kein normaler Busbahnhof, sondern eine ganze Busbahnhofsstadt mit vielen einzelnen Straßen. Da muss Dein Taxifahrer schon genau wissen, in welche Straße er Dich zu Deinem Bus bringen darf.

Auf dem Busbahnhof gibt’s dann auch „Call Center“, falls man sein Transportunternehmen doch nicht findet. Man nehme eine junge Dame, einen Tisch und zwei Telefone und setze diese dann einfach zwischen zwei Busse. Keine Mietkosten und sehr diskret.

Auf diesem Busbahnhof gibt's jede Menge gute Verbindungen

Auf diesem Busbahnhof gibt’s jede Menge gute Verbindungen