Über globurs

Eigentlich war dieser Blog gar nicht als solcher gedacht - ich wollte nur ein paar Reiseerlebnisse nachträglich digitalisieren. Und dann kam ich 2013 plötzlich auf die Idee, auf eine Weltreise zu gehen. Und da man da so allerhand erlebt, wurde doch ein richtiger Reiseblog draus. Leider ruhte die Reiserei dann ein wenig und es fehlte die Zeit, die verbliebenen Reisen nachzutragen. Aber die Corona-Pandemie und die Sehnsucht nach dem Reisen erweckt diesen Blog 2021 hoffentlich wieder zum Leben.

perfekter Verkehr in Japan

Natürlich soll es auch für dieses Land eine Rubrik „Reisen im Land“ geben. Allerdings ist es etwas einseitig, da ich einen Japan Rail Pass hatte, mit dem man quer durch’s Land und zum Teil auch übers Wasser düsen kann. Im Zug verbeugt sich der Schaffner jedes Mal beim Betreten und Verlassen des Waggons. „Alter Hut, kennen wir doch schon aus Südkorea“ mag jetzt manch einer sagen. Hier ist es allerdings noch eine Spur devoter und manchmal schwingen sie auch lange Dankesreden dabei.

Nicht „Alter Hut“ sondern schicken Hut und Kappe gibt es auch manchmal. So kommt es in manchen Zügen vor, dass sich die Hostessen nicht nur als Nummerngirl betätigen (s. Eintrag „Japan – ein Land mit guten und schlechten Erfindungen“), sondern sie kommen auch mit einem Körbchen mit Hut für die Dame bzw. Schaffnermütze für den Herrn vorbei. Das setzt man dann auf, nimmt das Erinnerungsschild mit dem jeweiligen Datum in die Hand und grinst freundlich für sein Erinnerungsfoto, das das Zugpersonal dann von jedem Gast macht, der das möchte.

Kindheitstraum Schaffner

perfekter Souvenirservice im Zug

Das passiert natürlich nicht im schnellsten Zug der Welt – dem Shinkansen. Der heißt nicht zu Unrecht Bullet-Train und da würden die Schaffner gar nicht nachkommen mit dem Fotografieren. Und hätten wahrscheinlich nachher auch wunde Finger. Denn zum einen sind die meisten Züge 16 Waggons lang und zudem fahren sie auf der Hauptstrecke auch alle paar Minuten. Die haben eine höhere Frequenz als die Hamburger U-Bahn – und immer pünktlich! Man stelle sich mal das Chaos bei den ICEs der Deutschen Bahn vor – speziell in heißen Sommern oder völlig überraschend kommenden Wintern…

Shinkansen-Takt

ICE-Anzeige ohne Verspätung – in Deutschland unvorstellbar

Es gibt aber auch langsame Züge, die manchmal als Comic-Züge hergerichtet, manchmal aber auch zu Sightseeing-Zügen umgerüstet sind.

Sightseeing-Zug am Mt. Fuji

gemütlich am Fujiyama vorbei

Letztere machen einen auf Oldtimer und fahren auf der ganz normalen Strecke, halten nur nicht an allen Punkten. Da man die Zeit zum normalen Zug dann ausgleichen muss, hält er eben an manchen Stationen länger und die Schaffnerin macht ein Gruppenfoto nach dem anderen mit dem Zug und dem Fujiyama im Hintergrund – wobei letzterer wegen Nebels hinzugedacht werden muss. Aber die Fotos werden trotzdem ausführlich mit fröhlichem Victory-Zeichen in allen Lagen gemacht.

Sehr dienstbeflissen ist man auch im Taxi. In den meisten Städten haben die Fahrer eine schicke Chauffeursmütze zum weißen Hemd mit Krawatte. Wenn Joschka Fischer das gehabt hätte, wäre er vielleicht früher Außenminister geworden. Vielleicht bettete aber auch er wie die japanischen Fahrer sein Haupt auf von der Oma selbstgeklöppelte weiße Spitzenbezüge, die in japanischen Taxen vorherrschen. Passend dazu stehen sie oft draußen mit einem Staubwedel und befreien ihr treues Gefährt von lästigem Staub.

Eine schweißtreibende Taxiart ist dagegen die traditionelle Laufrikscha. Diese armen drahtigen Kerle müssen manchmal ganz ordentliche Kaliber im Doppelpack ziehen oder bergab bremsen, was noch schwieriger zu sein scheint. Sie machen das mit einer Spezial-Sandale, wo der große Zeh in einem anderen Teil steckt als der Rest und die eine extrem dünne Sohle hat. Damit spüren sie jede Unebenheit der Fahrbahn – weswegen in Japan auch Blinde damit rumrennen. Da es keinen Müll, Hundedreck oder Scherben auf Japans Straßen gibt, ist das durchaus auch machbar.

Lauf-Rikscha

volle Bremskraft am Berg – hier zum Glück mit wenig Ladung

Auch für nicht-blinde Fußgänger ist eigentlich bestens gesorgt. Bei den Ampeln weisen verschiedene Zwitschertöne auf die Laufrichtung Ost-West (Nachtigall) oder Nord-Süd (Kuckuck) hin, damit man nicht verloren gehen kann. Das „eigentlich bestens gesorgt“ bezieht sich auf die Gefahr durch eine komplette Fahrrad-Anarchie. Denn hier kennen die sonst so disziplinierten Japaner keine Hemmungen mehr. Vollgas über den Bürgersteig – egal wie breit der ist. Fußgänger springen schon zur Seite… Vielleicht schieben sie daher ihre Hunde auch lieber in Buggies durch die Gegend…?

Sogar für das öffentliche Klo haben sie einen Lageplan mit Blindenschrift, damit sich da drin keiner verlaufen kann. Was bei einem solch kleinen Klo eh‘ schwierig ist.

Blindes Pinkeln in japanischen Toiletten

Blindes Pinkeln in japanischen Toiletten

Zum Schluss noch ein Tipp für Neu-Japan-Reisende: In Bussen und Straßenbahnen steigt man hinten ein, zieht ein Ticket und zahlt das dann später vorne beim Fahrer, wenn man wieder aussteigt.

Kyoto – ich bin dann mal ausgetempelt

Fragt man alle möglichen Leute nach Tipps für Japan, kommt als erstes immer „Kyoto“. Und das zu Recht! Ist schon eine coole Stadt, die ausnahmsweise mal nicht nur aus Beton besteht, sondern auch aus ganz viel Holz. Nämlich aus gaaaanz vielen Tempeln und Schreinen. Habe ich in Seoul noch nach Kultur gelechtzt, bin ich jetzt „ausgetempelt“. Viele lasse ich nur noch links liegen. Denn nicht nur in Kyoto findet man sie überall, auch in Nara, in Himeji oder in allen anderen Städten. Trotzdem hier mal ein Bild von einem schönen großen Eingangstor – nicht dem Tempel an sich.

Tempeltor

Ein Einstieg in die Welt der Tempel

Kyoto hat allerdings auch anderes zu bieten – und meistens dann von dem auch ganz viel. Man denkt bei dem Namen der Stadt natürlich gleich an das berühmte Protokoll und somit an die Umwelt. Paradoxerweise bekommt man ausgerechnet in Kyoto noch mehr Plastiktüten als im Rest von Japan. Wenn man beim Einkaufen nur eine Sekunde nicht aufpasst, hat man schon wieder mindestens eine mit einem freundlichen Lächeln überreicht bekommen. Meistens ist es sogar nach dem guten alten russischen Matrjoschka-Holzpuppen-Prinzip: man öffnet eine nach der anderen bis man endlich zum Kern kommt.

Eine nach der anderen öffnet man übrigens auch Türen von Bars in Kyoto oder Hiroshima. Bars sind nicht nur im Erdgeschoss oder Keller zu finden, sondern auf jedem Stockwerk. Einfach die Treppen hochgehen, alle Türen mal aufmachen und reinschauen – man kann faszinierende Bars entdecken. In Kyoto sind sie in der Straße am Fluss aber auch ebenerdig nebeneinander in einer solchen Menge zu finden, wie ich es bislang auf dieser Länge in noch keiner Stadt gesehen habe. Immer wieder mischt sich dann ein Laden dazwischen, wo freizügige Fotos auf andere Dienste als Alkoholausschank in den verschiedenen Stockwerken hindeuten. In den Gassen sieht man dann auch echte Geishas – die nach ihrer fünfjährigen Ausbildung mitnichten irgendwas mit Prostitution am Hut haben – zu ihren Terminen huschen. Nicht zu verwechseln mit irgendwelchen Damen im Kimono und Holzschlappen.

Damen im Kimono

traditionell gekleidet bei den traditionellen Waschungen

Kimono und Holzschlappen scheinen aber beim Sightseeing verdammt „in“ zu sein. In den Tempeln tummeln sich jede Menge Japanerinnen und auch mancher Mann im Kimono.

Junior-Sumo-Ringer

Junior-Sumo-Ringer

Um aber wieder zu dem Begriff „viel“ zurückzukommen: Viele Buchstaben reihen sie auch hier aneinander, was fremden Autofahrern in der Stadt das Lesen der Straßenschilder auf die Schnelle etwas schwieriger macht.

Straßenschild in Kyoto

da soll sich nochmal einer über lange deutsche Namen beschweren…

Wenigstens helfen dann die vielen Parkhaus-Laserschwert-Winker den Verkehr zu regeln. Man bemerke, dass vor einer Parkhaus-Ausfahrt gerne auch sechs dieser japanischen ABM-Kräfte (s. auch der Baustellen-Polizist im vorherigen Eintrag) in perfekter Harmonie zusammenwirken können.

Parkhauswächter

Parkhausdirigenten bei der aufwändigen Arbeit

Und zu Kyoter Letzt noch ein Foto mit vielen Sachen drauf. Was auf den ersten Blick wie New York von oben ausschaut, ist bei genauem Hinschauen allerdings ein japanischer Friedhof…

japanischer Friedhof

The Big Grabple

Die ehemalige Hauptstadt Nara ist ganz in der Nähe von Kyoto und hat vor allem viele Hirsche und viele Tempel zu bieten. Und viele Schulklassen in den Tempeln, so dass es vor kleinen gelb-, blau- oder rotbehüteten kleinen geschwätzigen Schülern nur so wimmelt.

Hirsch vor Schülern

Die Gelbkappen bringen mich nicht aus der Ruhe…

 

 

Was allerdings weder den sehenswerten riesigen Buddha noch die Hirsche kratzt.

 

 

 

Was wiederum die Figur einer Symbiose aus Großmutter, Rotkäppchen und dem bösen Wolf davon hält, weiß ich nicht…

Rotkäppchen und Co

Die 3in1-Märchenfigur vor dem Tempel

Japan – ein Land mit guten und schlechten Erfindungen

Japan ist schon abgefahren. Man findet hier alles, was Korea mühsam aber nicht optimal kopiert, in Perfektion.

High-Tech-Klo in Japan

Furzgeräuschabsorberknopf

Ob es das zuletzt erwähnte Klo ist, das in Japan neben Waschen und Föhnen auch noch einen Knopf für Spülgeräusche bietet, um die Töne des Outputs auf der Schüssel zu übertönen. Oder die immense Auswahl an Snacks in der noch größeren Vielfalt an 24/7-Supermärkten.

Nudel-Hot-Dog

Hot-Dog-Spaghetti-Bolognese?

Hat Südkorea keine öffentlichen Mülleimer, so bietet Japan zumindest tausende von PET-Flaschen- und Dosenmülleimern. Denn die stehen neben jedem Automaten und die lieben sie hier. Alle 50 Meter steht ein Getränkeautomat rum. Und die ganz abgefahrenen Automaten mit allerlei Absurdem habe ich noch nicht entdeckt – das kommt wohl noch in Tokyo.

Gift-Wasser

ob dieses Mineralwasser in deutschen Automaten reißenden Absatz finden würde…?

Selbst die devote Körperhaltung beim Bedanken erreicht für Südkorea unvorstellbare Tiefen – und das nicht nur bei den Bahnbediensteten, die sich auch hier jedes Mal beim Betreten oder Verlassen vor den Fahrgästen verneigen oder die Namen von Sehenswürdigkeiten wie Wasserfällen draußen vor den Fenstern wie Nummerngirls durch den Waggon tragen.

Nummerngirl im Zug

sehen Sie nun draußen….

Auch die Höhen sind hier unerreicht, leider vorzugsweise bei den Preisen. Alles eine Spur teurer als beim koreanischen Nachbarn. Vor allem beim Übernachten und beim Essen. Gemeinsamkeit ist allerdings, dass man auch hier lustige Überraschungen erlebt. Vor allem bei lokalen Spezialitäten in Fukuoka, wo gerne das Innerste nach Außen gekehrt wird – wie z.B. Schweinefett in Schweinemagen eingerollt und auf Nudeln gebettet oder in Suppe ertränkt. Aber alles, selbst so abgefahrene Sachen, schmecken hier besser als drüben. Auch das Fleisch vom japanischen BBQ ist besser als drüben – aber man schneidet es nicht mit der Schere.

japanische Tankstelle

Zapfsäulen würden nur im Weg stehen…

Sehr cool sind auch japanische Tankstellen, wo das Benzin praktisch in der Luft hängt. So wie manchmal auch Fahrräder, die in kostenpflichtigen Fahrradparkplätzen abgestellt und dann ein Stockwerk höher gelagert werden. Damit man auch beim Radeln vor der Blässe-feindlichen Sonne geschützt ist, haben sie auch eine tolle Lenkerkonstruktion für den Sonnen- bzw. Regenschirm erfunden.

Regenschirmhalter auf Fahrrad

sie lassen keinen im Regen stehen

Erfunden hatten dann leider die Amerikaner etwas, worauf sie nicht stolz sein können – die Atombombe. Sowohl in Nagasaki als auch in Hiroshima – die beide inzwischen moderne beton-betonte Großstädte sind – kann man die Folgen und das Leid der Bevökerung im Museum und in den Gedenkstätten nachverfolgen. Das geht unter die Haut und ist ein extremer Kontrast zu den fröhlichen und freundlichen Japanern draußen auf der Straße. Denn das sind sie hier. Sehr freundlich und das ganze Gegenteil von den Koreanern, die auf der Straße nie lächeln oder grüßen.

Affen im Onsen

einer hört nix, der andere kratzt sich am Sack und der Dritte lässt sich nichts wegschauen

Noch nicht einmal im Onsen – dem traditionellen japanischen Bad, wo man sich nackig in den heißen Quellen tummelt – schauen die Japaner verschämt zur Seite, sondern mustern den westlichen Schnäpper mit gründlicher Genauigkeit. Vielleicht arbeiten sie ja daran, auch die menschliche Anatomie vom Westen abzukupfern.

Ob das Halstuch dieses verwöhnten Hundes tatsächlich von Yves Saint Laurent oder eine billige Kopie ist, weiß ich nicht.

Hund in Kinderwagen

verwöhnter Nobelhund

Aber man sieht hier tatsächlich öfter Hunde in Kinderwagen. Lustig wird’s dann, wenn der Kläffer Angst vor den Hirschen bekommt, die die Comics aus dem Kinderwagen fressen wollen. Die bevölkern nämlich sowohl in Miyajima als auch in Nara die Straßen und Spielplätze wie die Seelöwen auf Galapagos oder die Affen in weiten Teilen Asiens. Recht gewöhnungsbedürftig, wenn man als gewöhnlicher Deutscher nur mit viel Glück im Wald auf eine scheues Reh trifft.

Hirsch mit Comic

sie hat Comics zum Fressen gern

Übrigens habe ich in einer der entwickeltsten Wirtschaft der Welt tatsächlich noch einen seltsamen Widerspruch gefunden. Fast wie in der DDR scheint man nach Vollbeschäftigung zu streben.

Baustellen-Polizist

hey, Du kommst hier nicht rein…

Hier gibt’s für jeden Menschen zumindest einen Posten als Parkhausausfahrts-Regulator oder Baustellen-Polizist. Die stehen den ganzen Tag vor den jeweiligen Gebäuden rum und winken mit einem Laserschwert. Und irgendwer muss auch die ferngesteuerten Modellbau-Hubschrauber über die Reisfelder steuern, was auch immer die dort machen. Kein Wunder, dass es gerade mit der japanischen Wirtschaft abwärts geht…

Busan – wieder zurück in der Moderne

 

Kirche in Busan

moderne Kirche – zumindest der Bau

In Busan wirst Du schnell wieder in die moderne Wirklichkeit transportiert. Überall wurden Hochhäuser hochgezogen.Selbst die Kirchen sind z. T. moderne Glas-Hochhaus-Bauten. Die Reihe vor dem Expressbahnhof wartender Taxis zieht sich sehenswert über mehrere Blocks hinweg und Chinatown ist weniger traditionell als man erwarten könnte.

 

 

Zu meiner Überraschung – und ich konnte nicht rausfinden, was dahinter steckt – ist die Chinatown eigentlich Little Rossija. Denn hier konnte ich plötzlich wieder alles lesen. Zumindest war mein kyrillisch aus dem Anfang meiner Reise noch nicht ganz eingerostet. Hier ist wirklich fast alles auf Russisch beschriftet, dunkle und böse dreinblickende Russen kommen Dir entgegen und vor den Cafés sitzen recht korpulente russische Damen, die Dich mit einem freundlichen „Welcome“ begrüßen und hereinlotsen wollen. Durch einen Blick ins Innere kann man allerdings schnell feststellen, dass sich z. B.  hinter dem Namen „Café Sonja“ mehr Sonja als Kaffee verbirgt. In Chinatown scheinen alle Cafés Puffs zu sein.

Chinatown Busan

russische Vormachtstellung in Chinatown

Eine weitere Parallele zu Hamburg, wo der Kiez zumindest teilweise fest in russischer Hand ist.

Fischmarkt in Busan

Muschelschubser auf dem Fischmarkt

Und einen berühmten Fischmarkt haben sie auch, wobei es dort in der Hauptsache richtig Fisch und Meeresfrüchte gibt und kein Obst und sonstiges Gedöns. Wahrscheinlich weil Obst hier in Südkorea so teuer ist (siehe auch Eintrag Koreanische Köstlich- und Seltsamkeiten). Eine andere Parallele ist vielleicht nur durch Zufall der Hafen. Sehr groß und geschäftig, mit Hafenrundfahrten und antiken Booten, die malerisch vor einer durch Zufall wie die Köhlbrandbrücke aussehenden Brücke schippern.

Kopie der Köhlbrandbrücke in Busan

koreanische Köhlbrandbrücke – täuschend echt

Aber sie kupfern hier nicht nur Brücken ab, sondern kopieren ganz dreist auch andere ur-deutsche Produkte wie eine Ikone der 80er – die Adilette. Es gibt sie hier sogar reihenweise im Seven-Eleven. Es geht bergab mit deutschen Werten …

Plagiats-Adilette

Die deutsche Adilette als Opfer des Plagiats

Mein persönlicher Höhepunkt der Modernität in Busan war allerdings etwas anderes – das Klo in meinem Guest House. Man konnte sogar Wasserdruck und –temperatur wählen, mit der einem die Rosette gespült wird. Und beim Fön im Anschluss ebenfalls die Windstärke und die Temperatur. Nur spülen muss man noch selbst…

Luxusklo in Busan

Stuhlgang deluxe

Koreanische Köstlich- und Seltsamkeiten

Von den Philippinen kommend war das Essen in Korea erst einmal mit einer paradiesischen Vielfalt gesegnet. Daher gibt es diesmal – trotz bereits etwas ausführlicherem Vorstellen von Würstchen im Pommesmantel & Co im Eintrag von Seoul – hier noch ein extra Kapitel „Essen wie Buddha in Korea“.

Plattfisch-Sashimi

gerade noch geschwommen – jetzt roh auf den Tisch

Doch auch hier ist nicht alles Gold was glänzt – besonders, wenn man des Koreanischen nicht mächtig ist. Das führt zu vielen kleinen Überraschungen. So kann man durchaus entgegen seinen Erwartungen eine kalte Suppe erwischen, wenn man einfach auf das Gericht des Nachbarn zeigt. Das Gleiche kann aber auch vorkommen, wenn man an der Wandtafel auf englisch lesen kann, dass man sich Spicy Buchweizen-Nudeln bestellt. In beiden Fällen handelte es sich um kalte Nudeln mit Gurken und Rettich mit einem halben hartgekochten Ei drauf und in dieses kalte Nudelwasser kippt man dann noch Senf. Senf könnte auch dieser Delikatessen-Selektion nicht schaden, denn nicht nur die Farbe der Würstchen ist etwas gewöhnungsbedürftig für einen Menschen aus dem Heimatland der Wurst.

Wurst in Korea

hier geht’s um die Wurst

Bei dieser kalten Nudelschüssel kommt natürlich auch das wichtigste Bestandteil eines koreanischen Bestecks zum Einsatz – die Schere: Als ich versuchte, die Nudeln so gut wie möglich in meinen Mund zu manövrieren, kam mitleidig schauend die Dame vom Nachbartisch und zerschnitt mit vier gekonnten Schnipplern meine Portion. Aha, Lektion gelernt… also nicht nur das Fleisch auf dem Barbecue wird mit der Schere zerlegt.

Schere als Messer

zwei Lieblinge der Koreaner: Schweinefleisch und Scheren

Die Vorliebe für Scheren geht so weit, dass ich in einem Hostel gar kein Messer vorfand, um meine Kiwi zu halbieren. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesehen hatte, dass man auch Rettiche mit Scheren schälen kann und somit wohl eine Schere auch zum Kiwi-Halbieren taugt, nahm ich meinen Löffel.

Vielleicht wissen sie auch nicht, wie man mit Obst in deutschen Augen umzugehen hat. Denn Obst ist enorm teuer. Für eine (!) dieser großen Birnen, die wie Äpfel aussehen, zahlt man zwischen 3,10 und 4,70 Euro. Spottbillig im Vergleich zur Wassermelone im Wert von sage und schreibe 13 Euro.

Pilze scheinen dagegen recht günstig zu sein. Deswegen kommen sie mit auf die heiße Platte.

Korean BBQ

… und dann kommt die Schere

Selbstverständlich muss man auch die nach dem Anbraten zerschneiden. Köstlich wird alles beim koreanischen BBQ durch das Sesamblatt, in das man das Fleisch und die anderen kleinen Sauereien wie Knoblauch, Kimchi, Zwiebeln und sauer eingelegten Rettich packt, alles zusammenwickelt und sich dann in den Mund schiebt. Eigentlich sollten auch noch jede Menge getrocknete Fischlein oder kleine eingelegte Schrimps rein, aber das gehört zwar noch zu den harmloseren Sachen, die ich weglasse.

Shrimps zum Würzen

Shrimps – ein eigenartiges Gewürz

Weggelassen habe ich auch die in der Rubrik Seoul erwähnten Penisse, die Seeigel, die bei lebendigem Leibe gehäuteten und dann noch zappelnden Mini-Aaale oder diesen undefinierbaren in schwabbeligen Blöcken verkauften braunen Glibber.

In den Restaurants zieht man die Schuhe vor der Tür aus und hockt meistens auf dem Boden an niedrigen Tischlein. Servietten findet man in der Regel gar nicht, dafür gibt’s überall gratis Wasser. Auf der Straße sollte man fast alles vom Street-Food mal probieren.

Nudelwurst am Stick

die etwas andere Nudel…

Ob Nudeln im Würstchenteig am Stick, Fleischspieße mit schwer definierbarem Fleisch, durch die Mangel gedrehter Tintenfisch bis hin zu diesen süßen Pfannkuchen mit Sonnenblumenkern-Ahornsirup-Füllung oder zuckerbestreute Krapfen mit Rote-Bohnen-Füllung.

 

Wer’s herzhafter mag, ist beim koreanischen Frühstück recht gut aufgehoben. Suppe mit Ei und Maultaschen, Reis mit Schweinegeschnetzeltem, Tofu in Chilli und natürlich getrocknete Fischlein und Tintenfisch.

koreanisches Frühstück

Suppe, Reis und getrockneter Tintenfisch – kein Katerfrühstück in Korea

Letztere beiden sind übrigens auch typische Snacks, um den Tag bei einem Bierchen – das wahrscheinlich durch den amerikanischen Einfluss auf Südkorea leider extrem dünn ist – ausklingen zu lassen. Für die gemischte Party mit Westlern ist dann wohl diese Snackbox hier.

koreanischer Snack zum Bier

die etwas anderen Erdnuss-Flips

Und wer sich Gedanken über zu viele Kalorien macht: Beim Wandern sind die Koreaner mit ihrer Genauigkeit und Disziplin vorbildlich. Auf den Schildern bei den Wanderwegen sagen sie Dir genau, wie viele Kalorien Du auf den jeweiligen Teilstücken verbrauchst.

Wegweiser mit Kalorienverbrauch

Koreaner folgen der schlanken Linie

Andong und Gyeongju – in der historischen Mitte des koreanischen Nirgendwo

Galerie

Diese Galerie enthält 12 Fotos.

Während ich mich bei Seoul noch über die wenigen Mülleimer gewundert habe, musste ich feststellen, dass es sogar Städte wie Gyeongju gänzlich ohne öffentliche Mülleimer gibt. Und trotzdem sind auch diese Städte wie alle anderen extrem sauber. Was übrigens für … Weiterlesen

Reisen in Südkorea

Dieses Kapitel ist für Südkorea weniger von Rostlauben, außergewöhnlichen Fahrzeugen oder überfüllten Gefährten geprägt, sondern vielmehr von den kleinen Dingen des täglichen Transport-Lebens.

Bus- und Zugfahren in Südkorea ist ungefähr so als wenn man in Deutschland die A7 entlang fährt – die gleiche Qualität der Fahrbahn, ähnliche Raststätten und vergleichbare  Landschaften, die an einem vorbeiziehen. Kleine Abweichungen gibt’s dann aber doch: statt Weizen- und Rapsfeldern gibt’s Reisfelder,

Kiefernknospen-Drink

erfrischender Saunaaufguss auf dem Weg nach Andong (der Ort in der Mitte)

auf den Raststätten gibt’s lustige nach eisgekühltem Sauna-Aufguss schmeckende Kiefernknospen-Erfrischungsgetränke und ständig sieht man mit Alufolie unterlegte Apfelbäume sowie Grabhügel. Es scheint, als gäbe es in Südkorea gar keine Friedhöfe, sondern dass man seine Verstorbenen genau da bettet, wo man sie gerne hätte – z. B. inmitten eines Maisfeldes oder neben dem Kuhstall.

Sowohl in den Bussen als auch den Zügen war ich grundsätzlich der einzige westliche Tourist, was aber keinerlei Vorteile mit sich brachte. Im Gegenteil musste ich mich erst einmal dran gewöhnen, dass vor allem die alten Männer – auch ohne zu essen – die ganze Zeit laut schmatzen und rülpsen. Die Furzerei haben sie zum Glück auf die Straße an der frischen Luft verlagert. Meistens schlafen sie allerdings, was auch am TV-Programm liegen könnte, welches nämlich wirklich das Fernsehprogramm ist. Da das meistens auf einen Dokumentationskanal eingestellt ist oder die Nachrichten zeigt, aber durch Funklöcher das Bild immer wieder einfriert, ist es nicht sonderlich spannend, das Programm auch zu verfolgen.

In Zügen haben sie’s nicht so mit dem Kontrollieren. Eigentlich ein Schwarzfahrer-Paradies, aber dafür sind sie zu diszipliniert. Vielleicht ist es deshalb ein Zeichen des Dankes an die ehrlichen Fahrgäste, dass sich der Schaffner jedes Mal bei Betreten oder Verlassen des Waggons umdreht und sich verneigt. Leider haben sie’s auch bei der Kontrolle des Ticketkaufs im Internet nicht so mit dem Kontrollieren. Hier wird nirgends der Sicherheitscode abgefragt. Gewöhnungsbedürftig, aber immerhin gibt’s die Seite der Bahn sogar auf englisch, was man von der Seite des zentralen Busbahnhofs von Seoul nicht gerade behaupten kann. Sie ist ausschließlich auf koreanisch, was dann für eine Hauptstadt doch etwas seltsam ist.

Bahnhofstreppe in Gyeongju

Vorsicht! Auf dieser Treppe ist mit Stufen zu rechnen…

Lustig ist auch in den U-Bahnhöfen und normalen Bahnhöfen, dass einfahrende Züge mit Fanfaren oder der Mozart’schen Kleinen Nachtmusik angekündigt werden. Passend zu dieser feierlichen Sitte, fahren auch Busfahrer grundsätzlich – bis auf einige grünbehandschuhte Revoluzzer – mit weißen Seidenhandschuhen. Die kommen besonders gut zur Geltung, wenn er einen entgegenkommenden Busfahrer grüßt. Denn das macht er nicht wie in unseren Breitengraden mit einem banalen Kopfnicken, Handheben oder Victoryzeichen, sondern er salutiert ordentlich. Was in Städten mit vielen Stadtbussen dazu führt, dass er die Hand mehr an der Schläfe, als am Schaltknüppel hat.

Autofahrer hegen und pflegen ihr Mobil auch gerne. Man sieht extrem viele Autos mit kleinen blauen Schaumstoffklötzchen an den Türen, damit man beim Aussteigen ja kein anderes Auto beschädigt.

koreanische Türschützer

blaue Verhüterli gegen zu aufdringliche Nachbarn

Und zum Schluss noch eine Überlegung zum Thema Verkehr: Bringt dieser Pizzabote nur was zum Essen oder widmet er sich auch dem Thema Verkehr mit Damen?

Mista Lover Lover

Pizza Speciale???

Seoraksan – ein Sonntag unter Profi-Wanderern

Seoraksan ist einer der bekanntesten Nationalparks Südkoreas und wie es scheint, kommen die Leute nicht nur wie ich in 15 Minuten mit dem Stadtbus aus dem Küstenstädtchen Sokcho hierher, sondern mit den unglaublich vielen Touristenbussen aus dem ganzen Land. Der Bus- und der Autoparkplatz waren zumindest prall gefüllt, als ich wieder gen Hafen fuhr.

Wenn man in Südkorea wandern geht, ist das eine ernstzunehmende und generalstabsmäßig zu planende Aktion – wenn man es richtig machen möchte. Wenn der Südkoreaner auf den Berg geht, hat er…

–          … seelischen Beistand

seelischer Beistand für Wanderer

mit Buddha gut auf den Berg

–          … eine Menge Bekannte dabei

Wanderermassen in Korea

das Wandern ist des Koreaners Lust

–          … und eine Ausrüstung, die ihn auch für den Mt. Everest qualifizieren könnte.

Profi-Wander-Ausrüstung

da freut sich der Outdoor-Laden

Damit behindern sie sich dann leider auf dem Weg nach oben mehr, als dass sie die Wanderstöcke auf den nahezu ausschließlich künstlich angelegten Wegen und Treppen gebrauchen könnten.

Stau beim Wandern

naturnahes Wandern mit Profis

Der Weg – obwohl es auf einen wirklich respektablen Felsen raufgeht – ist so naturnah wie die Brüste von Dolly Buster. Man könnte ihn sogar in Flip-Flops hochlaufen.

Leider mag der Koreaner sein Samsung auch recht gerne und so penetriert ca. jeder zwanzigste Wanderer – was bei diesen Pilgermassen sehr schnell erreicht ist – die herrliche alpine Ruhe mit entweder den Berichten an die Daheimgebliebenen oder noch lieber mit Musik aus den Lautsprechern. Zum Gipfel hin wird es dann noch etwas lauter. Denn oben steht ein Mann, der mit diesen ganzen Smartphones alle glücklichen Gipfelbezwinger vor der koreanischen Fahne ablichtet und mit Kampfgebrüll zu einer martialischen Pose auffordert.

müde Wander-Kriegerinnen

Da hat die Kampfschrei-Animation noch nicht gewirkt – da capo!

Oben auf dem Berg kann man auch eine Medaille kaufen, um zu beweisen und zu ehren, dass man oben war. Komischerweise trinkt aber niemand einen Gipfelschnaps, obwohl es den auf einem Drittel der Strecke in Literflaschen zu kaufen gibt. Sonst gibt es den Soju eigentlich nur in 0,33l Flaschen, aber hier ist man ja auch in größeren Gruppen unterwegs. Glücklicherweise sieht man nirgendwo die Folgen dieses Soju-Konsums wie in Seoul. Auf einem Viertel der Strecke kann man übrigens noch schnell ein wenig Schmuck kaufen. Ob das Geschäft angesichts der oben beschriebenen Profiausrüstungs-Vorliebe allerdings gut läuft, wage ich zu bezweifeln.

Auf jeden Fall war ich froh, nachher wieder am Hafenbecken von Daepohang neben Sokcho zu sitzen und in völliger Stille meinen gefüllten Tintenfisch zu verspeisen.

zum Bersten gestopfter Tintenfisch

Calamar Calzone

Sokcho Hafen Daepohang

himmlische Ruhe am Hafenbecken

Seoul – ganz schön (anders)

Fliegt man – wie ich gerade – aus einem Entwicklungsland, in dessen Hauptstadt die Straßen ständig unter Wasser stehen und die dunklen Gassen stinkend und leer vor sich hin gammeln, nach Seoul, erlebt man einen Kulturschock.

Regenbogen in Seoul

Ein schönes Kleid für den Life Ball in Wien

Einige merkwürdige Sachen gibt es in Seoul aber dann doch auch. Es ist z. B. die einzige über-20-Millionen-Einwohner-Metropole, die ich kenne, die nahezu ohne jeglichen öffentlichen Mülleimer auskommt. Selten habe ich meinen Müll so lange durch eine Stadt getragen, bis ich endlich nach 3 Stunden (!) einen Mülleimer gefunden habe. Und dennoch ist die Stadt extrem sauber. Die Disziplin der Südkoreaner ist schon beeindruckend.

Hier gibt es Screen-Golf wo man den Ball gegen eine Leinwand drischt, Oettinger-Bier im Seven-Eleven, jede Menge Fernseher in der Kathedrale auf denen hoffentlich nicht der spezielle TV-Kanal für eSports läuft, Riesen-Damenschlüpfer, künstliche Reisfelder mitten in der Stadt und Würstchen im Pommesmantel am Stiel.

Damenwäsche XXL

nicht gerade Copacabana-Style

Würstchen mit Pommes am Stiel

Würstchen mit Pommes am Stiel

Beim Essen gibt’s sowieso merkwürdige Dinge: Die Ess-Stäbchen sind aus Metall, was anfangs eine etwas flutschige Umstellung ist. Zu jedem Essen kommt Kimchi, dieser durch Milchsäure vergorene Kohl mit Chillipulver sowie dutzende anderer kleiner Schälchen mit getrockneten Fischlein, fermentiertem Irgendwas und Seetang.

leider etwas unscharf, aber nicht wegen Zensur - draufklicken und es wird groß :)

leider etwas unscharf, aber nicht wegen Zensur – draufklicken und es wird groß 🙂

Man findet in den Aquarien Lebewesen, die aussehen wie lebendige Penisse. Es gibt sie auch als hochrot angelaufene und angeschwollene Variante.

 

 

Beim Korean Barbecue schneidet man das Fleisch, das direkt vor einem auf einer heißen Metallplatte mit Geruchsstaubsauger oben drüber gebraten wird – mit einer handelsüblichen Schere.

Korean BBQ

schnipp-schnapp, fertig ist das Fleisch

Danach kommt es öfter vor, dass einen der Kellner noch mit Febreze besprüht (hiermit einen schönen Gruß an die Düsseldorfer Karnevalsgesellschaft). Und es gibt unzählige Cafés, die leider recht unerschwinglichen Kaffee anbieten – teurer als in Deutschland.

Go in Seoul

Go for Gold(en Agers)

 

Die alten Männer, die sich – scheinbar zu Hunderten – in einer Reihe zusammensetzen und das chinesische Brettspiel Go spielen, trinken dazu alle diese kleinen Yakult-Fläschchen. Die größeren Flaschen, die im Leben der Südkoreaner eine wichtige Rolle spielen, sind mit Soju gefüllt. Das ist ein Schnaps, der sich zwischen 20 und 40 Prozent bewegt und bei jedem Essen und Beisammensein in rauen Mengen getrunken wird. Vor allem nach Feierabend sieht man dann einige Businessleute sich nebeneinander an einer Wand abstützend, wie sie sich die Sache mit dem Soju noch mal durch den Kopf gehen lassen. Streng nach dem Motto: „Vorbeugen ist besser als auf die Schuhe kotzen“.

Wie sonst eigentlich fast nur in Entwicklungsländern zu sehen, findet man in Seoul auch noch ganze Straßen mit ein und demselben Produkt. Also z. B. eine Bäckereienstraße, eine Stoffstraße oder eine Straße, in der es ausschließlich Kabel und Stecker bzw. Steckdosen zu kaufen gibt. Diese Straße mündet dann praktischerweise in der Lampenstraße. Letztere scheint das Gebiet der Badezimmereinrichtungen feindlich übernehmen zu wollen und drängt von der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen die Kloschüsseln und Kacheln. Wenn das mal gut geht…

Arschkriecher

Das Bild macht hier keinen Sinn, aber ich find’s klasse

Das Komischste an der Wachablösung vor dem Palast Deoksugung sind nicht die vielen bunten Uniformen der Wachen oder die Muschel-Trompeter, sondern dass die Stadt Seoul seit 1. Mai 2013 ausländischen Besuchern die Möglichkeit bietet, dort selber mitzumachen. Und ich hatte mich sehr gewundert, was unter all diesen grimmig dreinguckenden Koreanern, die dicke amerikanische Frau und Mann machen…

bunte Wachablösung in Seoul

Mundmuschel statt Ohrmuschel

Sich zurecht zu finden wird einem leicht gemacht. Fast alle Ortsangaben beinhalten den jeweiligen Ausgang der entsprechenden U-Bahnstation. Nur dann lassen sie Dich leider manchmal im Stich. Und dann wird’s kompliziert: Die Nummer, die Du in Deiner Adressangabe hast, ist nämlich keine Hausnummer, sondern irgendeine Nummer eines Komplexes und dann vielleicht noch die Büronummer. Also musst Du die Leute nach dem Gebäude fragen und das ist leider nicht ganz so einfach, denn sogar in Seoul sprechen – für ein Industrieland erschreckend – nur sehr wenige Menschen englisch. Bleibt also nur die Hand-und-Fuß-Kommunikation und einige sinnlos mehr gelaufene Meter, da Dich die Menschen auch bei kompletter Ahnungslosigkeit einfach in irgendeine Richtung schicken. Da sind sie also ganz asiatisch…

Und eine sonderbare Sache durfte ich – nachdem sich Seoul überwiegend regnerisch zeigte – in Aktion sehen. Sonst hätte ich vielleicht nie erraten, für was diese Vorrichtung ist: Ein Regenschirm-Schließfach…

Regenschirm-Schließfach

Regenschirm-Knast

Die Visayas – Schokoladenhügel, kleine Viecher, große Augen und Riesenmäuler

Bei diesen Inseln und Tauchrevieren geht Tauchern das Herz – und leider auch der Geldbeutel – auf. Apo Island (Negros), Balicasag (Bohol) und Malapascua (Cebu) sind wahre Tauchparadiese mit riesigen Schildkröten, großen Haien und kleinen Fischen sowie sonstigem Miniatur-Getier. Man muss schon genau hinschauen, um die kleinen Nudibranches (Nacktkiemer bzw. Nacktschnecken) oder die hervorragend getarnten Skorpion- und Frog-Fische zu sehen. Oder die Unmengen von Feuerfischen, die meist nur versteckt unterm Felsen liegen, aber manchmal dann doch in voller „Federpracht“ an Dir vorbeigleiten.

Aber auch an Land muss man genau hinschauen, wenn man auf Bohol die winzigsten Primaten auf diesem Erdball sehen möchte. Die Koboldmakis oder Tarsier wiegen nur um die 100 Gramm, haben riesige Augen und Fingerchen wie ein Gecko.

Tarsier oder Koboltmaki

wenn nur alles so riesig wäre, wie meine Augen….

Tagsüber pennen sie nur, aber nachts springen sie wild herum und schnappen sich alles fleischliche, was sie so in einer für sie mundgerechten Größe finden. Fleisch ist ihr Gemüse. Und in Gefangenschaft begehen einige von ihnen Suizid. Da bemerkt man doch eine recht große Ähnlichkeit zu manchen von uns Primaten.

Angeblich Tränen haben hingegen Riesen vergossen – und daraus sind dann die Chocolate Hills entstanden. Die waren allerdings zu meiner Regenzeit gar nicht braun, sondern grün. Also weit entfernt von Schoko-Riesen. Mit Schokolade haben sie’s hier aber. Etwas gewöhnungsbedürftig ist es beim Frühstück schon, wenn man Klebreis mit Schokolade übergossen bekommt und die ganz Süßen dann noch Kokos-Marmelade drüber gießen. Kulinarisch kann man eh‘ nicht so viel von einem Volk erwarten, das in der Teeküchendeko weißmachen will, dass Äpfel und Birnen an Weinreben wachsen…

Äpfel und Birnen Deko

so wächst also Apfelwein…

Wenigstens gibt’s keinen Shrimps-Brei. Das bekommen im Walhai-Sanctuary in Oslob auf Cebu nämlich die sanften Riesen. Das ist ein unglaubliches – anfangs sogar etwas beunruhigendes – Gefühl inmitten dieser riesigen Haie zu schnorcheln. Aber dann gewöhnt man sich dran, dass so ein bis zu neun Meter langer Koloss auf Dich zu hält und dann nur wenige Zentimeter an Dir vorbeigleitet. Manchmal berühren sie Dich sogar mit ihrer Flosse.

Fantastisch sieht’s dann aus, wenn sie ihr riesiges Maul – in das ich locker hätte reinschwimmen können – öffnen und enorme Wassermassen mitsamt den armen kleinen Shrimps in sich reinlaufen lassen. Lustig ist auch, wie bei manchen dieser Riesen ein winziger nur ca. 2 cm großer gelb-schwarz-getreifter Mini-Fisch direkt vor dem Maul schwimmt. Dagegen ist so ein Follow-Me-Auto vor einem Airbus 380 schon ein Riesenauto. Manchmal erschrecken kleine Fische auch, wenn man als Schnorchler zu nahe kommt und verschwinden dann im Ohr des Walhais. Interessanterweise habe ich keinen wieder rauskommen sehen. Vielleicht versteht man darunter „ungehört verhallt“ oder „Lost in translation“…?