Busan – wieder zurück in der Moderne

 

Kirche in Busan

moderne Kirche – zumindest der Bau

In Busan wirst Du schnell wieder in die moderne Wirklichkeit transportiert. Überall wurden Hochhäuser hochgezogen.Selbst die Kirchen sind z. T. moderne Glas-Hochhaus-Bauten. Die Reihe vor dem Expressbahnhof wartender Taxis zieht sich sehenswert über mehrere Blocks hinweg und Chinatown ist weniger traditionell als man erwarten könnte.

 

 

Zu meiner Überraschung – und ich konnte nicht rausfinden, was dahinter steckt – ist die Chinatown eigentlich Little Rossija. Denn hier konnte ich plötzlich wieder alles lesen. Zumindest war mein kyrillisch aus dem Anfang meiner Reise noch nicht ganz eingerostet. Hier ist wirklich fast alles auf Russisch beschriftet, dunkle und böse dreinblickende Russen kommen Dir entgegen und vor den Cafés sitzen recht korpulente russische Damen, die Dich mit einem freundlichen „Welcome“ begrüßen und hereinlotsen wollen. Durch einen Blick ins Innere kann man allerdings schnell feststellen, dass sich z. B.  hinter dem Namen „Café Sonja“ mehr Sonja als Kaffee verbirgt. In Chinatown scheinen alle Cafés Puffs zu sein.

Chinatown Busan

russische Vormachtstellung in Chinatown

Eine weitere Parallele zu Hamburg, wo der Kiez zumindest teilweise fest in russischer Hand ist.

Fischmarkt in Busan

Muschelschubser auf dem Fischmarkt

Und einen berühmten Fischmarkt haben sie auch, wobei es dort in der Hauptsache richtig Fisch und Meeresfrüchte gibt und kein Obst und sonstiges Gedöns. Wahrscheinlich weil Obst hier in Südkorea so teuer ist (siehe auch Eintrag Koreanische Köstlich- und Seltsamkeiten). Eine andere Parallele ist vielleicht nur durch Zufall der Hafen. Sehr groß und geschäftig, mit Hafenrundfahrten und antiken Booten, die malerisch vor einer durch Zufall wie die Köhlbrandbrücke aussehenden Brücke schippern.

Kopie der Köhlbrandbrücke in Busan

koreanische Köhlbrandbrücke – täuschend echt

Aber sie kupfern hier nicht nur Brücken ab, sondern kopieren ganz dreist auch andere ur-deutsche Produkte wie eine Ikone der 80er – die Adilette. Es gibt sie hier sogar reihenweise im Seven-Eleven. Es geht bergab mit deutschen Werten …

Plagiats-Adilette

Die deutsche Adilette als Opfer des Plagiats

Mein persönlicher Höhepunkt der Modernität in Busan war allerdings etwas anderes – das Klo in meinem Guest House. Man konnte sogar Wasserdruck und –temperatur wählen, mit der einem die Rosette gespült wird. Und beim Fön im Anschluss ebenfalls die Windstärke und die Temperatur. Nur spülen muss man noch selbst…

Luxusklo in Busan

Stuhlgang deluxe

Andong und Gyeongju – in der historischen Mitte des koreanischen Nirgendwo

Galerie

Diese Galerie enthält 12 Fotos.

Während ich mich bei Seoul noch über die wenigen Mülleimer gewundert habe, musste ich feststellen, dass es sogar Städte wie Gyeongju gänzlich ohne öffentliche Mülleimer gibt. Und trotzdem sind auch diese Städte wie alle anderen extrem sauber. Was übrigens für … Weiterlesen

Seoul – ganz schön (anders)

Fliegt man – wie ich gerade – aus einem Entwicklungsland, in dessen Hauptstadt die Straßen ständig unter Wasser stehen und die dunklen Gassen stinkend und leer vor sich hin gammeln, nach Seoul, erlebt man einen Kulturschock.

Regenbogen in Seoul

Ein schönes Kleid für den Life Ball in Wien

Einige merkwürdige Sachen gibt es in Seoul aber dann doch auch. Es ist z. B. die einzige über-20-Millionen-Einwohner-Metropole, die ich kenne, die nahezu ohne jeglichen öffentlichen Mülleimer auskommt. Selten habe ich meinen Müll so lange durch eine Stadt getragen, bis ich endlich nach 3 Stunden (!) einen Mülleimer gefunden habe. Und dennoch ist die Stadt extrem sauber. Die Disziplin der Südkoreaner ist schon beeindruckend.

Hier gibt es Screen-Golf wo man den Ball gegen eine Leinwand drischt, Oettinger-Bier im Seven-Eleven, jede Menge Fernseher in der Kathedrale auf denen hoffentlich nicht der spezielle TV-Kanal für eSports läuft, Riesen-Damenschlüpfer, künstliche Reisfelder mitten in der Stadt und Würstchen im Pommesmantel am Stiel.

Damenwäsche XXL

nicht gerade Copacabana-Style

Würstchen mit Pommes am Stiel

Würstchen mit Pommes am Stiel

Beim Essen gibt’s sowieso merkwürdige Dinge: Die Ess-Stäbchen sind aus Metall, was anfangs eine etwas flutschige Umstellung ist. Zu jedem Essen kommt Kimchi, dieser durch Milchsäure vergorene Kohl mit Chillipulver sowie dutzende anderer kleiner Schälchen mit getrockneten Fischlein, fermentiertem Irgendwas und Seetang.

leider etwas unscharf, aber nicht wegen Zensur - draufklicken und es wird groß :)

leider etwas unscharf, aber nicht wegen Zensur – draufklicken und es wird groß 🙂

Man findet in den Aquarien Lebewesen, die aussehen wie lebendige Penisse. Es gibt sie auch als hochrot angelaufene und angeschwollene Variante.

 

 

Beim Korean Barbecue schneidet man das Fleisch, das direkt vor einem auf einer heißen Metallplatte mit Geruchsstaubsauger oben drüber gebraten wird – mit einer handelsüblichen Schere.

Korean BBQ

schnipp-schnapp, fertig ist das Fleisch

Danach kommt es öfter vor, dass einen der Kellner noch mit Febreze besprüht (hiermit einen schönen Gruß an die Düsseldorfer Karnevalsgesellschaft). Und es gibt unzählige Cafés, die leider recht unerschwinglichen Kaffee anbieten – teurer als in Deutschland.

Go in Seoul

Go for Gold(en Agers)

 

Die alten Männer, die sich – scheinbar zu Hunderten – in einer Reihe zusammensetzen und das chinesische Brettspiel Go spielen, trinken dazu alle diese kleinen Yakult-Fläschchen. Die größeren Flaschen, die im Leben der Südkoreaner eine wichtige Rolle spielen, sind mit Soju gefüllt. Das ist ein Schnaps, der sich zwischen 20 und 40 Prozent bewegt und bei jedem Essen und Beisammensein in rauen Mengen getrunken wird. Vor allem nach Feierabend sieht man dann einige Businessleute sich nebeneinander an einer Wand abstützend, wie sie sich die Sache mit dem Soju noch mal durch den Kopf gehen lassen. Streng nach dem Motto: „Vorbeugen ist besser als auf die Schuhe kotzen“.

Wie sonst eigentlich fast nur in Entwicklungsländern zu sehen, findet man in Seoul auch noch ganze Straßen mit ein und demselben Produkt. Also z. B. eine Bäckereienstraße, eine Stoffstraße oder eine Straße, in der es ausschließlich Kabel und Stecker bzw. Steckdosen zu kaufen gibt. Diese Straße mündet dann praktischerweise in der Lampenstraße. Letztere scheint das Gebiet der Badezimmereinrichtungen feindlich übernehmen zu wollen und drängt von der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen die Kloschüsseln und Kacheln. Wenn das mal gut geht…

Arschkriecher

Das Bild macht hier keinen Sinn, aber ich find’s klasse

Das Komischste an der Wachablösung vor dem Palast Deoksugung sind nicht die vielen bunten Uniformen der Wachen oder die Muschel-Trompeter, sondern dass die Stadt Seoul seit 1. Mai 2013 ausländischen Besuchern die Möglichkeit bietet, dort selber mitzumachen. Und ich hatte mich sehr gewundert, was unter all diesen grimmig dreinguckenden Koreanern, die dicke amerikanische Frau und Mann machen…

bunte Wachablösung in Seoul

Mundmuschel statt Ohrmuschel

Sich zurecht zu finden wird einem leicht gemacht. Fast alle Ortsangaben beinhalten den jeweiligen Ausgang der entsprechenden U-Bahnstation. Nur dann lassen sie Dich leider manchmal im Stich. Und dann wird’s kompliziert: Die Nummer, die Du in Deiner Adressangabe hast, ist nämlich keine Hausnummer, sondern irgendeine Nummer eines Komplexes und dann vielleicht noch die Büronummer. Also musst Du die Leute nach dem Gebäude fragen und das ist leider nicht ganz so einfach, denn sogar in Seoul sprechen – für ein Industrieland erschreckend – nur sehr wenige Menschen englisch. Bleibt also nur die Hand-und-Fuß-Kommunikation und einige sinnlos mehr gelaufene Meter, da Dich die Menschen auch bei kompletter Ahnungslosigkeit einfach in irgendeine Richtung schicken. Da sind sie also ganz asiatisch…

Und eine sonderbare Sache durfte ich – nachdem sich Seoul überwiegend regnerisch zeigte – in Aktion sehen. Sonst hätte ich vielleicht nie erraten, für was diese Vorrichtung ist: Ein Regenschirm-Schließfach…

Regenschirm-Schließfach

Regenschirm-Knast

Trip nach Brunei – Grüße aus Absurdistan

Der Trip ist eine wahre Freude für Stempelsammler. Wer noch ein paar Seiten in seinem Pass frei hat, kann einen Trip über Land nach Brunei wagen. Wer kaum noch Platz hat, sollte lieber mit dem Boot oder Flieger kommen, um eines der reichsten Länder der Welt zu besuchen – reich im finanziellen Sinne wie auch reich an Widersprüchen und seltsamen Dingen.

Kommt man mit dem Bus vom malaysischen Staat Sarawak im Süden bemerkt man schnell, wenn man genau hinschaut, recht bald ein paar Rohre oder Anschlüsse, die aus dem Boden der ansonsten unberührten Natur ragen.

auch Naughty Donkey genannt

Nodding Donkey im Vorgarten

Und dann einen Nodding Donkey (hier auch „Naughty Donkey“ genannten), diese Ölförderpumpen wie man sie aus Texas kennt. Nur hier stehen sie überall – im Grünen, auf Rastplätzen und sogar in Vorgärten von Einfamilienhaus-Siedlungen.

Alles hängt vom Öl ab, weshalb wohl auch Shell ein ganzes Städtchen mitsamt Flughafen rund um seine Raffinerien betreibt – und die Kassen des Sultans füllt. Immerhin musste er ja seinen hochmodernen Palast mit über 1.700 Zimmern bauen und das Museum Royal Regalia, in dem er alle Geschenke von Staatsbesuchen, seine Prachtsänften und ausschließlich Bilder aus seiner Blütezeit ausstellt. Alles, was er so bekommen hat – So hängt neben der Original APEC-Konferenz-Urkunde mit den Unterschriften der Teilnehmenden Präsidenten (u.a. mit einer recht zittrigen von Boris Jelzin) die Urkunde von Tripadvisor als Auszeichnung für ein außergewöhnliches Museum. Seltsamer Kurator am Werk…

mit kalten Füßen durchs Museum

Schuhe müssen auch beim Museum draußen bleiben

Leider hat es anscheinend nicht mehr für einen Busterminal gereicht. Oder es lohnt einfach nicht für die insgesamt zwei Busse, die einmal täglich nach Kita Kinabalu oder in die andere Richtung nach Miri fahren. Es ist wohl die am wenigsten befahrene Straße der Welt, die durch ein zweiteiliges Land in die Hauptstadt Bandar Seri Begawan führt – von der man auch nicht gerade bemerkt, dass es die Hauptstadt eines der reichsten Länder der Welt ist. Bauruinen und Riesen-Gehweg-Löcher wie in der dritten Welt. Immerhin gibt es ein (!) einziges Hostel in der Stadt – und zwar im Jugendzentrum, in dem es zwar einen Pool, eine Turnhalle und Yoga-Kurse gibt, aber keinen Rezeptionisten. Er kommt zwei Mal am Tag recht willkürlich vorbei und gibt Dir erst ein langes Formular und dann ein Bett. Wenn Du Pech hast, wartest Du eben ein paar Stunden, bis er kommt.

Die Stadtbusse stellen ihren Verkehr um 18:00 ein, danach nimmt man ein Taxi, von denen ich allerdings auch kein einziges gesehen habe. Und während des Ramadans fahren auch die Busse selbst zur Hauptmoschee nur gelegentlich –  die dann trotz gegenteiliger Aussage sowieso für Ungläubige geschlossen ist. Aussagen sind eh’ Glückssache: Hätte ich auf den Bus-Abfahrtsort mit den meisten Stimmen gesetzt, wäre ich noch immer in Brunei. Denn man bekommt vom chinesischen Museum über eine Tiefgarage bis hin zum Museumsvorplatz (da fährt er tatsächlich los, falls jemand diese Info braucht!) die verschiedensten Orte genannt, wo man nach einem Bus Ausschau halten soll. Es gibt noch nicht mal eine Haltestelle…

Wahrscheinlich hätte ich dann auch Zeit gehabt, meine Fischerei-Kenntnisse etwas zu verbessern.

Netzfischer in Brunei

Profi-Fischer im Stelzen-Häuser-Meer

Nachdem uns ein Junge eindrucksvoll gezeigt hatte, wie man das Netz zwischen den Häusern in das seichte Salzwasser wirft (um dann doch nur ein paar knallrote Quallen zu fangen), meinte er, dass wir es auch mal probieren sollten. Also vorbei am verdutzten Vater im Wohnzimmer, die gerade aufgewachte Oma im Gästezimmer links liegen gelassen, durch die Küche und ab auf den Steg. Um mich dann mit dem von der Drecksbrühe durchtränkten Netz so einzusauen, dass ich wie auf dem Fischmarkt gestunken habe. Aber viel gelacht haben wir ob meiner stümperhaften Versuche.

Und nun noch mal zum Ausgangspunkt: Die Stempel-Safari. Das ist das Abgefahrenste an dem ganzen Trip. Man muss insgesamt zehn Mal irgendwo aus- und wieder einreisen. Man fährt in Miri in Sarawak (Malaysia) los und reist bei den freundlichen Damen der Brunei-Immigration (es sitzen dort nur Damen in blütenreinen weißen Kopftüchern am Schalter) ein. Dann wieder aus, dann wieder ein nach Sarawak, gleich wieder da raus aus Malaysia und rein nach Brunei. Zwischenzeitlich hatte ich dann den Überblick verloren, wo ich gerade war. Glücklicherweise hingen überall wegen Hari Raya (das wichtigste islamische Fest, so wie für uns Weihnachten) Brunei-Flaggen rum, so dass ich schnell wusste, dass ich meine Ausreisekarte vorlegen musste, um den siebten Stempel zu bekommen. Jetzt war ich dann nach ein paar Metern weiter – jedes Mal rein und raus aus dem Bus – wieder in Sarawak. Nach dem Mittagessen kam dann der absurdeste Teil: Man reist aus Malaysia (Sarawak) aus und reist wieder nach Malaysia (Sabah) ein. Hier darf man dann aber sogar zu Fuß zum nächsten Grenzposten gehen. Da hat man sich am Ende eines wechselhaften Tags durchaus ein Bier verdient, das man in Brunei aufgrund strikten Alkoholverbots auch nirgends bekommt. Ein seltsames Land…

Hier liegen Sarawak, Brunei und Sabah auf Borneo.

Viel Stadt und doch nix los – Malaysias Festland

Viel erlebt habe ich auf Malaysias Festland nicht. Liegt wahrscheinlich dran, dass ich im Dezember mit meiner Mutter noch mal hier vorbeischaue und somit alles im Schnelldurchlauf gemacht habe. Aber es war jetzt auch nicht so umwerfend viel zu sehen, so dass ich die geplanten Aufenthalte alle ein bisschen kürzer gehalten habe.

In der Hauptsache ging’s um Essen. Malaysia gilt als eines der kulinarisch wertvollsten Länder Südostasiens und somit teste ich das ausgiebig.

In Malakka, der holländisch geprägten Stadt, gibt’s jede Menge Schokoladen-Läden mit hunderten von Geschmacksichtungen – inklusive Durian. Alles aber recht teuer. Im Gegensatz zu den lustig farbigen einheimischen Limonaden, die ich grundsätzlich in jedem Land probiere und immer wieder feststelle, dass alles vor Zucker eigentlich stehen müsste. Und sehr coole Läden mit coolen T-Shirts. Leider hat keins so recht gepasst – was wiederum nicht mit dem Essen zuammenhängt. Denn immerhin laufe ich durch die Städte – auch wenn die Rikschas hier wirklich einladend aussehen und sehr, sehr viele Geräusche von Opernarien über bellende Hunde bis hin zu Formel-1-Wagen machen.

Rikscha in Malakka

Malakka-Rikschas – bunt und laut

In Kuala Lumpur mögen sie dagegen gute Werbung recht gerne. Ob der Rücken zwickt oder ein Mini fliegt, Platz haben sie vor riesigen Wolkenkratzern genug, um die 3-D-Plakate aufzuhängen.

wenn's mal zwickt

da ist der Tiger nicht im Tank

umweltfreundliches Gefährt

… und der hier braucht gar keinen Tiger im Tank

Wuselig wird’s dagegen in Little India, wo der Basar auch höllisch heiß werden kann. Am überforderndsten ist allerdings diese riesige Fressmeile im Viertel von Bukit Bintang. Hier stehen abends hunderte Tische auf der Straße und die Fänger mit den Speisekarten locken mit allerlei chinesischen Köstlichkeiten. Von undefinierbaren Innereien bis zu Bullfrog im Tontöpfchen ist alles dabei.

In Penang – einer weiteren angeblichen Gourmet-Hochburg – gibt’s auch wieder eine Menge Food-Courts, wo man sich an den diversen Ständen etwas bestellen kann und einfach die Nummer seines Tisches sagt. Westliche Hygiene-Fanatiker werden hier nicht unbedingt glücklich, aber meistens ist es lecker. Und berühmt ist es – an jedem zweten Gericht steht „Famous Penang Dingsbums“ dran. Das weltberühmte Penang-Laksa hatte allerdings bei mir an anderer Stelle durchschlagenden Erfolg. Auch das Hauptstädtchen Georgetown hat natürlich ein altes Fort und sonst gar nicht mal soviel zu bieten. Immerhin eine Touri-Info, in der die Dame sagt, es gäbe auf Borneo keinen Bus von Kuching nach Kota Kinabalu. Woraufhin der ältere Tourist, der auch dort saß, mir dann in allen Einzelheiten erzählte, von wo die Busse fahren, wie viel es kostet, mit welchem Bus man für wie viel Geld zum Terminal kommt und wie der Fahrer gefahren ist. Mit dem Dienstleistungsgedanken haben’s die Malaysier nicht so…

Wem das hier jetzt zuviel Essen und zuviel Gelaber war, der kann sich dann auf die Bilder von Borneo im nächsten Eintrag freuen. Wer wissen will, wo das alles liegt, findet Malakka, Kuala Lumpur und Penang hier.

Singapur – zwischen Verboten, Luxus und Traumstränden

Galerie

Diese Galerie enthält 8 Fotos.

Singapur Da hat man eigentlich mal richtig Zeit und Muße, da man bei Freunden wohnen und an einem Hauch vom Luxus Anteil haben darf, und dann entdeckt man, dass auch die zweite Kreditkarte flöten geht. Beide wurden aus Sicherheitsgründen gesperrt, … Weiterlesen

Road to Mandalay

Nach der Fahrt mit dem Luxusbus, war ich sehr entspannt. Auch wenn sie eine knappe Stunde länger dauerte als gedacht. Zehn Minuten vor Erreichen des Busbahnhofs bogen wir nämlich plötzlich in die Prärie ab und luden in einem kleinen Dörfchen die 80 Styropor-Kisten aus, die sie in Yangon sieben Stunden zuvor verladen hatten. Als ich dann sah, dass es Kühlkisten mit Krebsen waren, war ich doch sehr froh, dass im Laderaum kein Platz mehr für meinen Rucksack war, dafür aber auf den hinteren Sitzbänken sehr wohl noch. Ich wäre wohl für einige Woche vom Geruch her als Fischer auf Landgang durchgegangen.

Nach der Fahrt mit dem Mopedtaxi in die Stadt war ich nicht mehr so arg entspannt. Sein Versuch, meinen großen Rucksack zwischen seinen Beinen zu transportieren endete erstmal im nächsten Kleinlaster. Also den kleinen zwischen seine Füße, meinen Großen auf meinen Rücken und dann ab ins Straßen-Chaos. Zum Glück gab’s wenigstens stadteinwärts ein paar Ampeln. Denn ansonsten funktioniert der Verkehr im Zentrum ohne Ampeln, dafür gemäß Recht des Stärkeren. Fahren mehrere Fahrzeuge auf eine Kreuzung zu, funktioniert das recht gut wie folgt: Laut hupen und der Größte darf als erster durch.

gut beschützt auf dem Mopedtaxi

gut beschützt auf dem Mopedtaxi

Ein Mönch als Sozius auf dem Mopedtaxi bringt selbst in einem buddhistischen Land keinerlei Bonuspunkte. Ochsenkarren kommen in der Regel noch vor Rikschafahrern.

da geht schon noch was drauf

da geht schon noch was drauf

Auch massive Überladung trotz mangelhafter Bremsen bringt nur bedingt was, man muss nur öfter hupen. Vier Leute auf der Vespa sind gleichberechtigt mit einem Fahrer, auch wenn letzteres nur sehr selten vorkommt. Zuletzt in der Reihenfolge kommt einer, der sonst nur in deutschen Führerscheinprüfungen vorkommt – der Mann mit Handkarren. Ich als kleiner Fußgänger muss gut aufpassen und durch kleine Schlupflöcher aller anderen Verkehrteilnehmer durchhuschen. Und das sogar, als ich einen blinden, gebrechlichen Mann im Dunkeln über die Straße führte.

Mandalay überfordert einen, wenn man aus „untouristischeren“ Ecken wie Yangon oder Ngwe Saung kommt. Überall bieten Dir Fahrer und Führer ihre Dienste an. Auch bei den Hotels merkt man, dass sie sich nicht sonderlich um Kundschaft und deren Zufriedenheit kümmern müssen. Aber auch hier sind sie ansonsten überaus freundlich – und arbeitsam in der Stadt des Kunsthandwerks.

mit viel Schweiß zu Gold – nicht nur bei Spitzensportlern

In einem höchst aufwändigen Prozess stellen sie z. B. Blattgold her. En kleiner Barren Gold wird zunächst mit einem drei kg schweren Hammer eine halbe tunde breit geklopft. Im zweiten Durchgang wird es – zwischen extremst aufwändig hergestelltem Bambuspapier und Hirschleder eingeklemmt – eine weitere Stunde geschlagen. In einem dritten Prozess wird es während fünf Stunden platt geklopft bis es zum Schluss nur noch einen tausendstel Millimeter dick ist und zu ca. 2.400 Blättchen Gold zurecht geschnitten wird. Die Zeit wird mit einer Kokosnuss gemessen, die ein kleines Loch hat. Nach exakt drei Minuten ist sie voll gelaufen und wird ausgeleert. Die Hämmerer klopfen im Schichtbetrieb jeweils eine Stunde, dann 15 Minuten Pause, dann wieder eine Stunde hämmern. Das Endprodukt kann man dann entweder auf sein Essen tun (in Berlin gibt’s ja sogar eine Curry-Wurst mit Blattgold und Champagner) oder aber auf den Buddha in der Mahamuni-Pagode ein paar Straßen weiter kleben.

SONY DSC

Fußball-Rastellis im Ring

Das tun die Gläubigen so ausführlich, dass die Figur immer dicker wird und seine Form verliert. In Kürze wird er an manchen Stellen schon einen halben Meter dicker sein als ursprünglich. Frauen dürfen allerdings kein Gold anheften sondern nur zugucken. Zuschauen dürften sie nebenan, wo die Männer im Kreis laufen und den Rattanball möglichst artistisch in der Luft halten müssen – tun sie aber nicht. Dafür sind jede Menge Mönche unter den begeisterten Zuschauern dieses von einer Jury bewerteten und von einer Trommel- und Gong-Band begleiteten Sportspektakels.

Spektakel der anderen Art bieten die Myanmarer generell bei ihren Heiligtümern. Die überdachten Aufgänge zu den Pagoden auf dem Mandalay Hill sind genauso wie die Gänge zu anderen religiösen Stätten mit unzähligen Nippes-Ständen und Cola aus Kühltruhen verkaufenden Marktfrauen gesäumt. Das wäre ungefähr so, wie wenn man vom Rhein her mehrere lange Zugänge zum Kölner Dom bauen würde, wo man neben Kölsch, auch noch ein paar FC-Fan-Utensilien, ein paar schlaue Sprüche, T-Shirts, Blumenvasen und Angry-Birds-Figürchen kaufen kann. Halt alles, was man in einer Kirche so braucht.

Yangon – der klassische Fall von Denkste

Die Leute sind so freundlich hier in Myanmar und auch in der größten Stadt Yangon ist alles noch natürlich. Kinder winken, Frauen winken, Männer winken und die Touristen müssen in Myanmar mit großen Dollarscheinen winken. Alle Flüge, Bahnfahrten und Hotels in diesem Land müssen weiterhin mit nagelneuen und bloß nicht verknickten Dollarscheinen gezahlt werden. Aber das Land entwickelt sich schnell. Erst vor vier Monaten wurden die ersten Geldautomaten des Landes aufgestellt und schon finden sich sogar fast zehn Stück davon alleine im größten Heiligtum Yangons – der Shwedagon-Pagode.

Geldautomaten im Heiligtum

Geldautomaten im Heiligtum

Auf dem Bild wischen die Frauen nur den Regen weg, nicht die roten Flatscher, die die nonstop auf Bethelnuss-Gewürz-Mischungsblättern rumkauenden Männer (und manchmal auch Frauen) nonstop in die Gegend spucken. Man muss schon gut aufpassen, nicht getroffen zu werden. Aber wenn’s mal knapp wird, lächeln sie Dich mit Ihren übriggebliebenen rostroten Zähnen freundlich an.

Thanaka für alle Lebenslagen

Thanaka für alle Lebenslagen

Besonders lustig ist die Kombination mit Thanaka, der Paste aus Sandelholz, die sich die Frauen (und manchmal auch die Männer) großflächig, partiell oder in feinen Mustern ins Gesicht schmieren. Ist Sonnencreme, Tagescreme, Antifalten- und Antipickel-Mittel in einem. Und sieht bei kahlgeschorenen Kindern mit rundem Gesicht noch lustiger aus.

 

 

Etwas gewöhnungsbedürftig für Westler ist auch, wie sie mit ihrem Heiligtümern umgehen. Die Geldautomaten sind nicht die einzige moderne Technik, die in der Shwedagon-Pagode im Einsatz sind. Rolltreppen, die allerdings an den Unmengen von Shops im Aufgang zur Pagode vorbeiführen, und die scheinbar größte Errungenschaft sind blinkende LED-Lichter in allen Farben.

Die andere Art der Erleuchtung

Die andere Art der Erleuchtung

Die werden bevorzugt über den Köpfen der Buddha-Figuren eingesetzt. In unsere Breitengrade übersetzt wäre es wohl ein Jesus am Kreuz mit einer durch rote LED-Leuchtketten erzeugten tropfenden Wunde. Manches verwundert hier noch mehr als Geldautomaten im Heiligtum.

 

 

 

Yangon oder auch als Rangoon oder Rangun bekannt: wahrscheinlich denken 98% aller Leser, es wäre die Hauptstadt. Denkste! Wurde flugs mal verlegt und ist jetzt eine Stadt im Niemandsland die vor 2005 noch ein kleines Dorf war. Nay Pyi Taw hat inzwischen eine gigantische Ausdehnung – die ihr zugeteilte Fläche ist fünfmal größer als Berlin! Aber die Regierung wollte es halt einfach so aus Aberglaube und Prestige. Genauso wie sie in den letzten Jahren flugs mal eine Menge Geldscheine (so lustige Werte wie 45 oder 90 Kyats) von der Regierung vom Markt genommen haben und so viele Menschen ihr Erspartes über Nacht verloren. Oder genauso wie einfach mal die Flagge geändert haben oder den Straßenverkehr trotz rechts gesteuerter Autos per Dekret über Nacht mal schnell von Linksverkehr in Rechtsverkehr umstellten. Die Nachteile beim Überholen hatten wir schon in verschiedenen vorherigen Kapiteln.

Zu den größten Verkehrsteilnehmern gehören die sehr laut hupenden Busse – und weil in Yangon vieles anders ist, gibt’s hier nicht nur mehrere Busbahnhöfe, sondern es ist auch der größte der drei Große kein normaler Busbahnhof, sondern eine ganze Busbahnhofsstadt mit vielen einzelnen Straßen. Da muss Dein Taxifahrer schon genau wissen, in welche Straße er Dich zu Deinem Bus bringen darf.

Auf dem Busbahnhof gibt’s dann auch „Call Center“, falls man sein Transportunternehmen doch nicht findet. Man nehme eine junge Dame, einen Tisch und zwei Telefone und setze diese dann einfach zwischen zwei Busse. Keine Mietkosten und sehr diskret.

Auf diesem Busbahnhof gibt's jede Menge gute Verbindungen

Auf diesem Busbahnhof gibt’s jede Menge gute Verbindungen

Europäische Fußspuren im neuen großen China

Wenn man in Macau am Flughafen ankommt überrascht einen weniger die zu erwatende Schwüle mit Temperaturen jenseits der 30 Grad und Luftfeuchtigkeit von 97%, sondern vor allem auch, dass anscheinend Taxen Mangelware sind. Denn nur vereinzelt kommt mal ein Taxi vorgefahren, dass dann von Geisterhand die entsprechende Fahrgasttür und den Kofferraum öffnet. Selbst die Fahrer wollen bei diesem Klima nicht vor die Autotür.

Das Klima hinterlässt dann auch deutliche (Schimmel)Spuren an den Gebäuden, selbst an den schönsten und rausgeputztesten Casinos. Und davon gibt’s eine Menge.

Nicht jeder findet moderne Casinos in alten Kolonialstädten super

Nicht jeder findet moderne Casinos in alten Kolonialstädten super

Die Zockerhauptstadt Asiens, die früher mal eine beschauliche kleine portugiesische Kolonie mit kleinen beschaulichen portugiesischen Ortsteilen war, lässt jetzt ein modernes Casino neben dem anderen aus dem Boden schießen. Angeblich hat es jetzt schon Las Vegas überholt, was die Summen beim Zocken angeht. Und drumherum lassen sie sich auch nicht lumpen. Im Casino Lisboa sammeln sie eindrucksvolle Kunst in der Lobby (z. B. eine 6 Jahre lang von 10 Künstlern aus Mammutzähnen geschnitztes Teilstück der Großen Mauer samt Alltagsszenen der Menschen dort) und im The Venetian schippern ausgebildete Sänger die Fahrgäste in Gondeln durch das Gebäude – durch den künstlichen Canale Grande unter der Rialto-Brücke hindurch. Zumindest diejenigen, die nicht gerade ein Vertu-Handy für 42.000,-€ oder einen Jade-Armreif für 1,9 Millionen Euro (!) kaufen oder ein Stockwerk tiefer wahrscheinlich die gleichen Summen verzocken.

Da schaut es draußen in den Gassen und den Außenbezirken der ehemaligen portugiesischen Kolonie doch ganz anders aus. Krasser kann der Gegensatz kaum ausfallen. Die einen gönnen sich Fitness-Studios vom letzten Schrei samt den teuersten Trainern, die anderen machen das halt einfach auf dem verratzten Häuserdach.

Freiluft-Fitnessstudio auf der Schattenseite des Luxus

Freiluft-Fitnessstudio auf der Schattenseite des Luxus

Ebenso krass ist der Kontrast in Hongkong, wo sich das Leben aber stark vermischt. So stöckeln die schicken Expat-Damen durch die übel riechenden und mit Kakerlaken reichlich gesegneten Marktgassen, die sich den Berg zwischen den endlosen Wolkenkratzern hochziehen. Tagsüber sieht man dann auch, was es dort so alles gibt.

Tintenfisch - getrocknet so platt wie eine Flunder

Tintenfisch – getrocknet so platt wie eine Flunder

Zwar nicht wie in Peking in der Touri-Fressgasse Seesterne, lebende Skorpione oder Seepferdchen am Spieß, aber alles, was einen ungewöhnten westlichen Magen doch ein wenig in Wallung bringen kann. Heftigere Bilder hierzu gibt’s gerne auf Anfrage – im Angebot sind blasse Hühnerfüße, aufgedunsene Fischinnereien oder gut abgehangene Schweineköpfe.

pelziger Rindermagen und glibbriger Rest vom Vieh

pelziger Rindermagen und glibbriger Rest vom Vieh

Auch in Macau bekommt man leckere Suppen, die man sich frei zusammenstellen kann. Unsere Kombi mit Nudeln Fischbällchen, ein bisschen Gemüse und Rindfleisch war gut, auch wenn sich das Rindfleisch als Magen und irgendetwas mit einer sehr ungewohnten rindlichen Konsistenz herausstellte. Da sind die fettigen Fleischplatten, die an jeder Ecke angeboten werden, noch richtig appetitlich.

Eierpudding mal anders serviert

Eierpudding mal in der Ursprungsverpackung serviert

Ein Traum sind auf jeden Fall die aus portugiesischen Zeiten übrig gebliebenen Eiertörtchen. Ein für das deutsche Hygieneamt wahrscheinlich Präsentations-Albtraum ist dagegen der Eierpudding, der hier in einer recht originellen – da originalen – Verpackung daher kommt.

 

Auch Hongkong hat noch recht viel Anlehnung an das Vorbild aus dem kolonialen Mutterland zu bieten. Überall Doppeldeckerbusse und eine einzige spezielle Taxi-Form. Man fühlt sich fast nach London versetzt, samt anständigem Schlangestehen, coolen Jazz-Clubs und Millionen von Seven Eleven Läden. Nur der Klimaanlagenschock (von 33 Grad in 17 Grad kalte Kneipen) und ausschließlich kaltes Wasser in der Dusche meines überteuerten Hostels (das 9-Bett-Zimmer hatte die gleiche Größe wie das Badezimmer zuvor im von Joe’s AMEX-Punkten gesponserten Ressort in Macau) sowie der irre, in den Berg zementierte Straßenverkehr beamen einen schnell wieder in die Hongkonger Realität. Aber wenigstens bekommt man hier ganz ohne Anstehen und Warterei innerhalb von nur 30 Stunden das Visum für Myanmar.

Hongkonger Straßendschungel

Hongkonger Straßendschungel

Peking überrascht…

…nicht nur weil bei unserer Ankunft kaum Smog war, sondern weil die Stadt auch viel grüner und viel weniger wuselig, ist als ich dachte. In den Hutongs (den kleinen Gassen in den von der Wolkenkratzer-Bauwut arg bedrohten alten Viertel) bekommt man sogar von dem Verkehrslärm nichts mit. Dort muss man eher aufpassen, nicht vom „leisen Tod“, den schon seit Jahrzehnten rumfahrenden Elektro-Vespas und -Mofas, von hinten über den Haufen gefahren zu werden. Die Autos, die in hier zu sperrig und daher oft einfach nur in den Gassen geparkt sind, sehen aufgrund der Luftverschmutzung aus, als würden sie schon seit Jahren abgemeldet hier rumstehen. Dabei reicht in Peking manchmal schon ein Tag für eine respektable Staubschicht aus.

Lautlos bewegt sich manchmal auch die Polizei. Nämlich mit Polizei-Segways z. B. auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Da fahren sie dann Slalom um die ganzen uniformierten und Zivil-Polizisten, die den Platz zusätzlich zu den – geschätzt – 4.000 Überwachungskameras allein auf diesem Areal im Auge behalten. Seltsam, wenn man auf den Platz geht und die Chinesen ihre Taschen zum Durchleuchten in das Röntgengerät legen müssen und z.T. der Pass kontrolliert wird, während Ausländer unbehelligt drauf können. Hier wie auch bei der Verbotenen Stadt stehen wahrscheinlich aus Furcht, mit den mitgebrachten Benzin-Kanistern würden sich Mönche oder sonstige Demonstranten selbst verbrennen, unzählige Feuerlöscher direkt in der Nähe der unter Sonnenschirmen wartenden Zivilpolizisten. Was den wachsamen Augen aber wohlwollend entgangen ist, war der kleine Junge, der auf den Platz gekackt hat.

das nicht ganz so stille Örtchen im Hutong

das nicht ganz so stille Örtchen im Hutong

Und das obwohl die Chinesen bei ihren Klos durchaus erfinderisch sind. Eine Häuserecke im Hutong reicht aus. Wahrscheinlich für diejenigen, die aufgrund nicht vorhandener Türen auf das Auge-in-Auge-Geschäft mit dem gegenüber Hockenden verzichten wollen. Dabei sind sie auch hier eh’ nur mit dem iPhone beschäftigt. Wahrscheinlich für die meisten im wahrsten Sinne des Wortes ein Scheißspiel…

Die Smartphone-Sucht sorgt sowohl hier als auch in Macau oder Hongkong dafür, dass wirklich jeder in die kleine Kiste starrt – was man als Langnase in der U-Bahn recht gut beobachten kann, da man prima über alle Köpfe hinweg schauen kann. Wenn man dann rausschaut, entdeckt man die riesigen Dimensionen der Stadt. Stundenlang kann man mit der U-Bahn fahren und jedes Mal, wenn sie ans Tageslicht kommt, sieht man monströse Trabantenstädte. Erschreckend dabei ist, dass selbst diese Wohnungen für die meisten normalen Angestellten unerreichbarer Luxus sind. Die Realität ist oft ein 30m² Zimmer für die ganze Familie ohne direktes Licht, dafür aber das Klo auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Hutong.

Bei den beengten Verhältnissen ist es auch kein Wunder, wenn sich der Koch des Restaurants mal kurz während der Arbeit auf der Straße rasiert oder die Leute zweimal am Tag im Hutong-Markt frisch einkaufen gehen, da kein Platz für eine Küche oder einen Kühlschrank ist.

aus hygienischen Gründen bitte nur fernab vom Kochtopf rasieren

aus hygienischen Gründen bitte nur fernab vom Kochtopf rasieren

Wer einen Kühlschrank hat, ist oftmals ein Alien – nämlich ein hier lebender und arbeitender Ausländer, der auch einen Alienpass bekommt. Und auch wir als Besucher mussten zur Polizei, um uns als Aliens – so steht es zumindest angeschrieben – pflichtbewusst anzumelden. Angesichts der Überwachung durch Kameras durchaus empfehlenswert, es auch zu machen. Durch diese Kameratechnik  wird alles gesehen und geht nichts verloren, denn z. B. beim Schal, den unser Gastgeber verloren hatte, konnte man durch die Überwachungskameras exakt lokalisieren, wo er ihn nicht mehr hatte und konnte dann dort anrufen und sagen, dass man den Schal morgen abholt. Ob die Kameras auch verfolgen, wer in die Friseursalons mit Happy Ending geht, habe ich allerdings nicht eruieren können. Das gibt’s nämlich nicht nur bei einschlägigen Massagestudios…

Auf der Großen Mauer habe ich nur wenige Kameras gesehen. Lag wahrscheinlich daran, dass wir erst einmal auf einem unrestaurierten Stück mit herrlich unberührter Natur gewandert sind. Dann doch noch ein Stück restaurierte Mauer mit entsprechend vielen Touristen, weiterhin tollen Ausblicken und zur Belohnung eine Sommerrodelbahn, wo die Streckenposten heftigst mit Fähnchenwinken beschäftigt waren, um uns zu einer gemäßigteren Fahrweise zu bewegen. Bei Langnasen aus dem Land vom Hackl Schorsch aber vergeblich :-).

Mit dem Winken haben sie’s eh’.

sonntags morgens beim Flugzeug-Einwinken im Park

sonntags morgens beim Flugzeug-Einwinken im Park

Beispielsweise, wenn man Sonntag morgens in den Park vom Kohlehügel hinter der Verbotenen Stadt geht. Hier tummeln sich unglaublich viele Menschen zu Frühsport und Frühmusizieren der verschiedensten Art.

Marschblasen auf chinesisch

Marschblasen auf chinesisch

wie einst bei der Rocky Horror Picture Show

wie einst bei der Rocky Horror Picture Show

Ob sie mit Bändern wie ein Flugzeugeinweiser wedeln, mit einer Art Federball-HackySack Fußball-Tennis spielen, sich im Paar- wie auch Massentanz miteinander vergnügen, mit lustigen Instrumenten musizieren oder in verschiedenen Chören unter professioneller Leitung gegeneinander ansingen. Hier treffen sich alle, die nicht schon an den unzähligen Tischtennisplatten und Freiluft-Fitness-Centern hängen geblieben sind.

P.S.: Falls Ihr Euch wundert, warum so lange nichts erschienen ist. Sowohl in China als auch in Myanmar werden Blogseiten geblockt. Aus irgendeinem Grund kann ich aber in Myanmar gerade doch hochladen – zumal hier erschwerend hinzukommt, dass das Internet überhaupt nur sporadisch funktioniert. Daher jetzt schnell die ersten Texte und vielleicht später noch ein paar Fotos mehr.