Kulturschock in Varanasi – herzlich willkommen in Indien!

Nachdem ich in einem sinnlos langen dreistufigen Prozess nach einer guten Woche und drei Besuchen bei der Visumsstelle in Kathmandu endlich das Visum in den Händen hielt, konnte ich mich auf den Weg machen. Dass sie dann an der Grenze auch noch einmal richtig lange brauchen, um einen Stempel reinzuhauen, liegt wahrscheinlich daran, dass in Indien jeder irgendwem zuarbeitet. In diesem Fall wahrscheinlich die Grenzer den Jungs, die Dir draußen einen privaten Jeep von der Grenze nach Varanasi oder Gorakhpur verkaufen wollen.

Was in der Tat eine gute Idee ist, wenn man die staatlichen Busse sieht, die sich auf eine angeblich zehnstündige Reise nach Varanasi machen und vielleicht sogar ankommen. Da ich das nicht überprüfen wollte, habe ich mit einem Deutsch-Mexikaner und einigen Israelis einen Jeep gemietet. Die versprochenen sechs Stunden wurden leicht zu zehn Stunden – nicht auszudenken, was aus den versprochenen zehn Stunden im staatlichen Bus wurde… Um wach zu bleiben zogen sich der Fahrer und sein Adjutant, der die meiste Zeit zwischen dem Fahrer und mir auf einem auf die Handbremse gelegten Schlafsack saß, Bethelnuss-Tabak-Gemisch rein. Da war es wieder – das Paan. Und hier futtern sie das Zeug fast noch mehr als in Myanmar.

Kohlebügeleisen

Mit heißen Kohlen gebügelt

Mit einer Slalomfahrt durch auf Deiner Spur entgegenkommende Laster und Busse, vorbei an Unmengen von Straßenkühen und überfahrenen Hunden und eingehüllt in Staub und gebeutelt von Schlaglöchern kommst Du nach einer Fahrt durch z. T. mittelalterliche Szenerien in ärmsten Gegenden dann in Varanasi an und kriegst die volle Dröhnung Indien ab. Totales Verkehrschaos, die untergehende Sonne im Smog kaum zu sehen, keine Ahnung von der Stadt habende Fahrer und unglaublicher Gestank mit einer Mischung aus Müll und Kuhscheiße erwarten den Neuankömmling in dieser Stadt.

Wenigstens mischt sich kein Verwesungs- oder Leichenverbrennungsgeruch darunter, obwohl Varanasi die Stadt ist, in die die Sterbenden kommen, um hier aus dem Leben zu scheiden. Wer es nicht ganz geschafft hat, wird von seinen Angehörigen hierher gebracht. Denn als Hindu möchtest Du Deines Seelenfriedens zuliebe als Asche im Ganges landen. Und so sieht die Stadt auch aus. Viele Menschen siechen dahin und fast im Minutentakt werden nachmittags Leichen durch die Straße zu den Verbrennungsstätten am Fluss getragen. Insgesamt 400 Verbrennungen gibt es pro Tag.

Verbrennungs-Ghat in Varanasi

genug Holz – und natürlich Kühe – gibts am Verbrennungs-Ghat

Die Bahren mit den Leichen werden erst einmal im Ganges gewaschen, dann auf den Treppen – den Ghats – zum Trocknen abgelegt und anschließend auf die zwischenzeitlich aufgeschichteten Scheiterhaufen gelegt. Nachdem eines der männlichen Familienmitglieder – Frauen sind bei den Verbrennungen nicht zugelassen – das Feuer an einem 3.500 Jahre alten nie verlöschenden heiligen Feuer geholt hat und die Leiche angezündet hat, werden den Männern als Zeichen der Trauer die Haare bis auf ein kleines Büschelchen abrasiert.
In der Zwischenzeit verbrennen die Leichen – leider nicht immer vollständig. Vor allem männliche Brustkörbe und gebärfreudige weibliche Becken nicht. Die Reste davon werden dann einfach in den Ganges geworfen. Gänzlich unverbrannt werden mit einem Stein die Körper von Kindern, Schwangeren, Priestern, Leprakranken und von durch Kobrabisse getöteten Menschen im Ganges versenkt. In dieser ganzen Brühe machen die Menschen dann ihre rituellen Waschungen und jetzt kommt das Absurde: Ich habe eine Deutsche in wallenden Gewändern getroffen, die wie manch anderer Tourist auch, durch den Fluss geschwommen ist!
Freiwillig und nicht so wie die besondere Berufsgruppe der Goldwäscher, die direkt nachdem die Asche in den Fluss gefegt wird, mit großen Schürfschüsseln nach Ohr-, Nasen- und sonstigen Ringen schürfen.
Die Bootsfahrt, bei der es Dir passieren kann, dass dir einige Leichenteile oder gleich ganze Leichen – deren Seile in der Mitte des Flusses gerissen sind – entgegen kommen, habe ich mir dann gespart.

Die Menschen werden entsprechend Ihrer Kasten auf verschiedenen Terrassen verbrannt. Lustig wiederum ist, dass egal auf welcher Ebene die Scheiterhaufen liegen, stehen überall dazwischen Kühe rum.

Müll-Kuh in Varanasi

zwischen Kuh und Wand passt immer noch ein Mensch … und viel Müll

Das Klischee von Indien verfolgt die Inder also auch bis in den Tod. Und davor erleben die meisten Inder die Kühe hautnah – entweder sich in den engen Gassen dran vorbeiquetschend oder barfuß durch die Hinterlassenschaften wandelnd. Der viele Müll und Mist in den Straßen ist unglaublich – und gibt eine Duftnote, die man so schnell nicht vergisst. Ebenso wenig wie die Armut der Menschen, die ich niemals zuvor so krass gesehen habe. Demnächst wird es hier auch wieder heiterer, aber die „Totenstadt“ Varanasi lässt für die anderen Absurditäten des Reisens keinen Platz.

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Kathmandu – das Wusel-Zentrum Nepals

Kommt man aus dem wohlorganisierten Japan, bekommt man am Flughafen Kathmandu erst einmal die volle Ladung asiatischer Gelassenheit und Ineffizienz ins Gesicht. O.K., beim Aussteigen aus dem Flieger kann man noch mal ein Auge zudrücken, dass der Bus erst 20 Minuten später auftaucht und einen dann dorthin um die Ecke des nächsten Gebäudes bringt, wohin man in ca. 3 Minuten gelaufen wäre. Aber sie achten hier doch noch auf geordnetes Aus- und Einsteigen – nicht so wie am Low Cost Carrier Terminal in Kuala Lumpur, wo man einfach die Fluggäste mehrerer „Gates“ auf einmal auf das Vorfeld strömen lässt und sich die Menschen aller verschiedenen Maschinen mixen. Da muss man genau nachfragen, in welche man denn gerade einsteigt…

Aber zurück nach Kathmandu, wo man nach einer kleinen Rundfahrt um den Flieger dann zum Immigrations-Gebäude kommt. Dort heißt es erstmal Schlange stehen. Dann bemerkst Du, dass sich was vor und zurück bewegt. Das sind die Leute, die kapiert haben, dass man seine Visums-Gebühr bei dem Mann am ersten Schalter bezahlten muss. Der schreibt bis zum Unterarmkrampf Quittungen aus und schickt die Leute zurück in die Schlange. Wer nun denkt „so, das Nadelöhr mit nur einem Mann habe ich jetzt hinter mir“, sieht sich getäuscht. Denn auch wenn drei Mann am nächsten Schalter sitzen, bedeutet das nicht, dass drei Passagiere auf einmal abgefertigt werden und somit alles schneller geht.

Nein, nicht wie in anderen Ländern, wo Dein Pass gescannt wird und der gleiche Beamte einen Stempel reinhaut, weil Du Deine Gebühr ja schon bezahlt hast… Hier legt der erste Mann den Pass sorgfältig auf den Scanner und gibt ihn dann nach ein paar Minuten weiter an seinen Nachbarn. Der schaut sich ALLE freien Seiten Deines Passes von vorne nach hinten genau an, um dann das Gleiche noch mal von hinten nach vorne zu machen. Dann landet er praktischerweise wieder bei der ersten freien Seite und klebt sorgfältig das Visum ein. Anschließend gibt er den Pass an seinen Nachbarn – und wenn nicht gerade eine Chai-Tee-Pause ist – schreibt der dann noch mal die Passnummer des Passes, in dem das Visum jetzt klebt, auf das Visum. Dann darf man endlich raus zu seinem Gepäck, was neben irgendeinem – schon lange abgestellten – Gepäckband liegt. Das liegt leider schon so lange rum, dass auch keine Anzeige mehr anzeigt, welches Band ursprünglich mal Deins war. Also heißt es suchen. Herrlich, nach zwei Stunden ist man schon durch und kann ins Gewusel der schreienden Taxifahrer.

Einer dieser Taxifahrer bringt den Durchschnittstouristen dann meistens in den Stadtteil Thamel, der hauptsächlich aus Outdoor-Ausrüstungs-Läden, Restaurants, Souvenirshops und Trekking-Reiseagenturen besteht. Mit entsprechenden Aufreißer-Typen vor der Tür. Generell bietet Dir eigentlich jeder auf der Straße was an: Wenn’s nichts zum Rauchen ist, wollen sie Dir Trekkings in den Himalaya verticken. Manchmal auch beides – und das, wo die Cannabispflanzen in den Bergdörfern doch sowieso am Straßenrand stehen…

Die Polizei interessiert das recht wenig, obwohl Marihuana, außer an einem Tag im Jahr wo sie sich aus medizinischen Gründen – dafür ist es nämlich erlaubt – alle zusammen die Rübe weghauen, vor ein paar Jahren als illegal erklärt wurde. Aber die Polizisten haben auch so genug zu tun. Verkehr beobachten und Umarmungen geben. Es ist mir nämlich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben passiert, dass mich ein Polizist einfach aus Interesse ausgefragt hat, mir ungefragt von seinen Dienstjahren bei der Polizei erzählt hatte – und mich dann zum Abschied umarmt hat! Das nenne ich mal einen starken Arm des Gesetzes…!

Hätte er mal lieber, wie vorgesehen, den Verkehr geregelt. Denn der ist in der Regel ziemlich chaotisch, weil jeder fährt wie er will und die Motorräder zusätzlich alles verstopfen. Manchmal kommt man nicht durch das Gewühl, aber ausnahmsweise nicht wegen der Autos und Motorräder, die wild hupend Platz schaffen wollen, sondern wegen plötzlichen Menschenmassen. Nämlich, wenn die Newar-Bevölkerung zusätzlich zum allgemeinen Straßenchaos wieder eine Prozession durch ihr Stadtviertel macht.

Fußkühlung in Kathmandu

Füße on the rocks

Da laufen sie – unterstützt durch Verpflegungsstationen mit Wasser und Säften sowie Ständen mit Obst und Keksen – ALLE Straßen ihres Stadtteils ab. Bei der Vollmondprozession, die ich erleben durfte, liefen 175.000 Menschen sogar die ganze Nacht durch. Und das, wo doch die Füße schon am Nachmittag glühten. Da half auch die Rast im Affentempel nichts, wo das ganze Areal feinsäuberlich in kleine Pausenparzellen aufgeteilt war und jeder Haushalt eine Ruhezone zugeteilt bekam.

Gebetsmühle mit Frau

gebetsmühlenartig wiederholter Gang um die Stupa in Boudha

Dass es in einem buddhistischen Tempel auch ruhiger zugehen kann, hatte ich beim Samstags-Gespräch eines Abts erlebt, zu dem ich freundlicherweise von einer Freundin einer Freundin eingeladen war. Viel moderner als man denkt, geht’s da zu. Irgendwann hat er sich ein iPad reichen lassen und in Facebook die Bilder seines wiederaufgebauten Kindheits-Klosters in Tibet angeschaut. Da lächelte er dann noch ein bisschen versonnener. Etwas ungewöhnlicher Anblick, so ein Mönch in weinrot-orangener Robe und kahlgeschorenem Kopf, der über den Rand seiner Dalai-Lama-Brille schaut und auf einem iPad rumwischt…

Deutlich traditioneller geht’s da beim Abendessen bei einer Nepalesischen Familie zu, bei der ich eingeladen war. Im Wohnzimmer saß dann auch die 93-jährige Oma und mümmelte ein paar Chips. Auf die Frage, ob sie mich denn nichts fragen wolle, sagte sie „warum denn, ich kenne den doch gar nicht“… Die Männer des Hauses – Vater und Opa, ein ehemaliger Gurkha-Krieger, – schauten auch kurz vorbei und verschwanden gleich wieder. Denn hier arbeiten nur die Frauen.
Nach ein paar kleinen Snacks und getrocknetem Büffelfleisch gab’s schon den ersten Hirseschnaps. Die machen hier wirklich aus allem Schnaps und Wein. Beim Wandern mit den beiden Jungs hatten wir z. B. Weizenwein getrunken. Danach gab’s den Hirseschnaps erhitzt, was den Geschmack noch ein bisschen hervorhob und auch ordentlich reinknallte. Drin waren in Honig geröstete Reiskörner, die den scharfen Geschmack wenigstens etwas abmildern sollen.
Dann gab’s Hühnchenstückchen und anschließend ein Tellerchen mit Spinatblättern. Als ich meinte, dass ich dann bald schon satt sei vor lauter Snacks, meinten sie, das ginge nicht, denn gleich gäbe es das Ganze noch mal komplett auf einem Teller mit Reis und Kartoffeln. Und der Gast müsse zuerst seinen Teller aufessen, bevor dann die kochende Mutter und ihre Schwiegertochter essen dürften. Puuh, da habe ich ganz schön reingehauen, damit die Armen dann auch was essen konnten. Ich hatte letztlich auch Löffel und Gabel zur Hilfe genommen, nachdem ich es auf Anregung der Jungs erst traditionell wie sie mit den Fingern versucht hatte, mich aber anscheinend zu dämlich angestellt hatte und sie meinten, ich solle doch Besteck nehmen… Und ganz froh, war ich, dass es keine Ziege zum Abendessen gab, auch wenn sie noch so „hygienisch“ verkauft wird…

Ziegenkopf

… und ihre Brüder und Schwestern standen noch lebendig daneben…

Ganz langsam und mühsam ist es in Nepal auch mit dem Internet. Daher kommt hier jetzt eine Galerie, die ich nach und nach mit Bildern bestücke. Es dauert ewig sie hochzuladen, weil in Nepal ständig das Internet wegbricht, der Strom ausfällt oder alles gleichzeitig passiert. Daher kommen alle Berichte aus Nepal erst jetzt aus Indien.

Kyoto – ich bin dann mal ausgetempelt

Fragt man alle möglichen Leute nach Tipps für Japan, kommt als erstes immer „Kyoto“. Und das zu Recht! Ist schon eine coole Stadt, die ausnahmsweise mal nicht nur aus Beton besteht, sondern auch aus ganz viel Holz. Nämlich aus gaaaanz vielen Tempeln und Schreinen. Habe ich in Seoul noch nach Kultur gelechtzt, bin ich jetzt „ausgetempelt“. Viele lasse ich nur noch links liegen. Denn nicht nur in Kyoto findet man sie überall, auch in Nara, in Himeji oder in allen anderen Städten. Trotzdem hier mal ein Bild von einem schönen großen Eingangstor – nicht dem Tempel an sich.

Tempeltor

Ein Einstieg in die Welt der Tempel

Kyoto hat allerdings auch anderes zu bieten – und meistens dann von dem auch ganz viel. Man denkt bei dem Namen der Stadt natürlich gleich an das berühmte Protokoll und somit an die Umwelt. Paradoxerweise bekommt man ausgerechnet in Kyoto noch mehr Plastiktüten als im Rest von Japan. Wenn man beim Einkaufen nur eine Sekunde nicht aufpasst, hat man schon wieder mindestens eine mit einem freundlichen Lächeln überreicht bekommen. Meistens ist es sogar nach dem guten alten russischen Matrjoschka-Holzpuppen-Prinzip: man öffnet eine nach der anderen bis man endlich zum Kern kommt.

Eine nach der anderen öffnet man übrigens auch Türen von Bars in Kyoto oder Hiroshima. Bars sind nicht nur im Erdgeschoss oder Keller zu finden, sondern auf jedem Stockwerk. Einfach die Treppen hochgehen, alle Türen mal aufmachen und reinschauen – man kann faszinierende Bars entdecken. In Kyoto sind sie in der Straße am Fluss aber auch ebenerdig nebeneinander in einer solchen Menge zu finden, wie ich es bislang auf dieser Länge in noch keiner Stadt gesehen habe. Immer wieder mischt sich dann ein Laden dazwischen, wo freizügige Fotos auf andere Dienste als Alkoholausschank in den verschiedenen Stockwerken hindeuten. In den Gassen sieht man dann auch echte Geishas – die nach ihrer fünfjährigen Ausbildung mitnichten irgendwas mit Prostitution am Hut haben – zu ihren Terminen huschen. Nicht zu verwechseln mit irgendwelchen Damen im Kimono und Holzschlappen.

Damen im Kimono

traditionell gekleidet bei den traditionellen Waschungen

Kimono und Holzschlappen scheinen aber beim Sightseeing verdammt „in“ zu sein. In den Tempeln tummeln sich jede Menge Japanerinnen und auch mancher Mann im Kimono.

Junior-Sumo-Ringer

Junior-Sumo-Ringer

Um aber wieder zu dem Begriff „viel“ zurückzukommen: Viele Buchstaben reihen sie auch hier aneinander, was fremden Autofahrern in der Stadt das Lesen der Straßenschilder auf die Schnelle etwas schwieriger macht.

Straßenschild in Kyoto

da soll sich nochmal einer über lange deutsche Namen beschweren…

Wenigstens helfen dann die vielen Parkhaus-Laserschwert-Winker den Verkehr zu regeln. Man bemerke, dass vor einer Parkhaus-Ausfahrt gerne auch sechs dieser japanischen ABM-Kräfte (s. auch der Baustellen-Polizist im vorherigen Eintrag) in perfekter Harmonie zusammenwirken können.

Parkhauswächter

Parkhausdirigenten bei der aufwändigen Arbeit

Und zu Kyoter Letzt noch ein Foto mit vielen Sachen drauf. Was auf den ersten Blick wie New York von oben ausschaut, ist bei genauem Hinschauen allerdings ein japanischer Friedhof…

japanischer Friedhof

The Big Grabple

Die ehemalige Hauptstadt Nara ist ganz in der Nähe von Kyoto und hat vor allem viele Hirsche und viele Tempel zu bieten. Und viele Schulklassen in den Tempeln, so dass es vor kleinen gelb-, blau- oder rotbehüteten kleinen geschwätzigen Schülern nur so wimmelt.

Hirsch vor Schülern

Die Gelbkappen bringen mich nicht aus der Ruhe…

 

 

Was allerdings weder den sehenswerten riesigen Buddha noch die Hirsche kratzt.

 

 

 

Was wiederum die Figur einer Symbiose aus Großmutter, Rotkäppchen und dem bösen Wolf davon hält, weiß ich nicht…

Rotkäppchen und Co

Die 3in1-Märchenfigur vor dem Tempel

Busan – wieder zurück in der Moderne

 

Kirche in Busan

moderne Kirche – zumindest der Bau

In Busan wirst Du schnell wieder in die moderne Wirklichkeit transportiert. Überall wurden Hochhäuser hochgezogen.Selbst die Kirchen sind z. T. moderne Glas-Hochhaus-Bauten. Die Reihe vor dem Expressbahnhof wartender Taxis zieht sich sehenswert über mehrere Blocks hinweg und Chinatown ist weniger traditionell als man erwarten könnte.

 

 

Zu meiner Überraschung – und ich konnte nicht rausfinden, was dahinter steckt – ist die Chinatown eigentlich Little Rossija. Denn hier konnte ich plötzlich wieder alles lesen. Zumindest war mein kyrillisch aus dem Anfang meiner Reise noch nicht ganz eingerostet. Hier ist wirklich fast alles auf Russisch beschriftet, dunkle und böse dreinblickende Russen kommen Dir entgegen und vor den Cafés sitzen recht korpulente russische Damen, die Dich mit einem freundlichen „Welcome“ begrüßen und hereinlotsen wollen. Durch einen Blick ins Innere kann man allerdings schnell feststellen, dass sich z. B.  hinter dem Namen „Café Sonja“ mehr Sonja als Kaffee verbirgt. In Chinatown scheinen alle Cafés Puffs zu sein.

Chinatown Busan

russische Vormachtstellung in Chinatown

Eine weitere Parallele zu Hamburg, wo der Kiez zumindest teilweise fest in russischer Hand ist.

Fischmarkt in Busan

Muschelschubser auf dem Fischmarkt

Und einen berühmten Fischmarkt haben sie auch, wobei es dort in der Hauptsache richtig Fisch und Meeresfrüchte gibt und kein Obst und sonstiges Gedöns. Wahrscheinlich weil Obst hier in Südkorea so teuer ist (siehe auch Eintrag Koreanische Köstlich- und Seltsamkeiten). Eine andere Parallele ist vielleicht nur durch Zufall der Hafen. Sehr groß und geschäftig, mit Hafenrundfahrten und antiken Booten, die malerisch vor einer durch Zufall wie die Köhlbrandbrücke aussehenden Brücke schippern.

Kopie der Köhlbrandbrücke in Busan

koreanische Köhlbrandbrücke – täuschend echt

Aber sie kupfern hier nicht nur Brücken ab, sondern kopieren ganz dreist auch andere ur-deutsche Produkte wie eine Ikone der 80er – die Adilette. Es gibt sie hier sogar reihenweise im Seven-Eleven. Es geht bergab mit deutschen Werten …

Plagiats-Adilette

Die deutsche Adilette als Opfer des Plagiats

Mein persönlicher Höhepunkt der Modernität in Busan war allerdings etwas anderes – das Klo in meinem Guest House. Man konnte sogar Wasserdruck und –temperatur wählen, mit der einem die Rosette gespült wird. Und beim Fön im Anschluss ebenfalls die Windstärke und die Temperatur. Nur spülen muss man noch selbst…

Luxusklo in Busan

Stuhlgang deluxe

Andong und Gyeongju – in der historischen Mitte des koreanischen Nirgendwo

Galerie

Diese Galerie enthält 12 Fotos.

Während ich mich bei Seoul noch über die wenigen Mülleimer gewundert habe, musste ich feststellen, dass es sogar Städte wie Gyeongju gänzlich ohne öffentliche Mülleimer gibt. Und trotzdem sind auch diese Städte wie alle anderen extrem sauber. Was übrigens für … Weiterlesen

Seoul – ganz schön (anders)

Fliegt man – wie ich gerade – aus einem Entwicklungsland, in dessen Hauptstadt die Straßen ständig unter Wasser stehen und die dunklen Gassen stinkend und leer vor sich hin gammeln, nach Seoul, erlebt man einen Kulturschock.

Regenbogen in Seoul

Ein schönes Kleid für den Life Ball in Wien

Einige merkwürdige Sachen gibt es in Seoul aber dann doch auch. Es ist z. B. die einzige über-20-Millionen-Einwohner-Metropole, die ich kenne, die nahezu ohne jeglichen öffentlichen Mülleimer auskommt. Selten habe ich meinen Müll so lange durch eine Stadt getragen, bis ich endlich nach 3 Stunden (!) einen Mülleimer gefunden habe. Und dennoch ist die Stadt extrem sauber. Die Disziplin der Südkoreaner ist schon beeindruckend.

Hier gibt es Screen-Golf wo man den Ball gegen eine Leinwand drischt, Oettinger-Bier im Seven-Eleven, jede Menge Fernseher in der Kathedrale auf denen hoffentlich nicht der spezielle TV-Kanal für eSports läuft, Riesen-Damenschlüpfer, künstliche Reisfelder mitten in der Stadt und Würstchen im Pommesmantel am Stiel.

Damenwäsche XXL

nicht gerade Copacabana-Style

Würstchen mit Pommes am Stiel

Würstchen mit Pommes am Stiel

Beim Essen gibt’s sowieso merkwürdige Dinge: Die Ess-Stäbchen sind aus Metall, was anfangs eine etwas flutschige Umstellung ist. Zu jedem Essen kommt Kimchi, dieser durch Milchsäure vergorene Kohl mit Chillipulver sowie dutzende anderer kleiner Schälchen mit getrockneten Fischlein, fermentiertem Irgendwas und Seetang.

leider etwas unscharf, aber nicht wegen Zensur - draufklicken und es wird groß :)

leider etwas unscharf, aber nicht wegen Zensur – draufklicken und es wird groß 🙂

Man findet in den Aquarien Lebewesen, die aussehen wie lebendige Penisse. Es gibt sie auch als hochrot angelaufene und angeschwollene Variante.

 

 

Beim Korean Barbecue schneidet man das Fleisch, das direkt vor einem auf einer heißen Metallplatte mit Geruchsstaubsauger oben drüber gebraten wird – mit einer handelsüblichen Schere.

Korean BBQ

schnipp-schnapp, fertig ist das Fleisch

Danach kommt es öfter vor, dass einen der Kellner noch mit Febreze besprüht (hiermit einen schönen Gruß an die Düsseldorfer Karnevalsgesellschaft). Und es gibt unzählige Cafés, die leider recht unerschwinglichen Kaffee anbieten – teurer als in Deutschland.

Go in Seoul

Go for Gold(en Agers)

 

Die alten Männer, die sich – scheinbar zu Hunderten – in einer Reihe zusammensetzen und das chinesische Brettspiel Go spielen, trinken dazu alle diese kleinen Yakult-Fläschchen. Die größeren Flaschen, die im Leben der Südkoreaner eine wichtige Rolle spielen, sind mit Soju gefüllt. Das ist ein Schnaps, der sich zwischen 20 und 40 Prozent bewegt und bei jedem Essen und Beisammensein in rauen Mengen getrunken wird. Vor allem nach Feierabend sieht man dann einige Businessleute sich nebeneinander an einer Wand abstützend, wie sie sich die Sache mit dem Soju noch mal durch den Kopf gehen lassen. Streng nach dem Motto: „Vorbeugen ist besser als auf die Schuhe kotzen“.

Wie sonst eigentlich fast nur in Entwicklungsländern zu sehen, findet man in Seoul auch noch ganze Straßen mit ein und demselben Produkt. Also z. B. eine Bäckereienstraße, eine Stoffstraße oder eine Straße, in der es ausschließlich Kabel und Stecker bzw. Steckdosen zu kaufen gibt. Diese Straße mündet dann praktischerweise in der Lampenstraße. Letztere scheint das Gebiet der Badezimmereinrichtungen feindlich übernehmen zu wollen und drängt von der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen die Kloschüsseln und Kacheln. Wenn das mal gut geht…

Arschkriecher

Das Bild macht hier keinen Sinn, aber ich find’s klasse

Das Komischste an der Wachablösung vor dem Palast Deoksugung sind nicht die vielen bunten Uniformen der Wachen oder die Muschel-Trompeter, sondern dass die Stadt Seoul seit 1. Mai 2013 ausländischen Besuchern die Möglichkeit bietet, dort selber mitzumachen. Und ich hatte mich sehr gewundert, was unter all diesen grimmig dreinguckenden Koreanern, die dicke amerikanische Frau und Mann machen…

bunte Wachablösung in Seoul

Mundmuschel statt Ohrmuschel

Sich zurecht zu finden wird einem leicht gemacht. Fast alle Ortsangaben beinhalten den jeweiligen Ausgang der entsprechenden U-Bahnstation. Nur dann lassen sie Dich leider manchmal im Stich. Und dann wird’s kompliziert: Die Nummer, die Du in Deiner Adressangabe hast, ist nämlich keine Hausnummer, sondern irgendeine Nummer eines Komplexes und dann vielleicht noch die Büronummer. Also musst Du die Leute nach dem Gebäude fragen und das ist leider nicht ganz so einfach, denn sogar in Seoul sprechen – für ein Industrieland erschreckend – nur sehr wenige Menschen englisch. Bleibt also nur die Hand-und-Fuß-Kommunikation und einige sinnlos mehr gelaufene Meter, da Dich die Menschen auch bei kompletter Ahnungslosigkeit einfach in irgendeine Richtung schicken. Da sind sie also ganz asiatisch…

Und eine sonderbare Sache durfte ich – nachdem sich Seoul überwiegend regnerisch zeigte – in Aktion sehen. Sonst hätte ich vielleicht nie erraten, für was diese Vorrichtung ist: Ein Regenschirm-Schließfach…

Regenschirm-Schließfach

Regenschirm-Knast

Trip nach Brunei – Grüße aus Absurdistan

Der Trip ist eine wahre Freude für Stempelsammler. Wer noch ein paar Seiten in seinem Pass frei hat, kann einen Trip über Land nach Brunei wagen. Wer kaum noch Platz hat, sollte lieber mit dem Boot oder Flieger kommen, um eines der reichsten Länder der Welt zu besuchen – reich im finanziellen Sinne wie auch reich an Widersprüchen und seltsamen Dingen.

Kommt man mit dem Bus vom malaysischen Staat Sarawak im Süden bemerkt man schnell, wenn man genau hinschaut, recht bald ein paar Rohre oder Anschlüsse, die aus dem Boden der ansonsten unberührten Natur ragen.

auch Naughty Donkey genannt

Nodding Donkey im Vorgarten

Und dann einen Nodding Donkey (hier auch „Naughty Donkey“ genannten), diese Ölförderpumpen wie man sie aus Texas kennt. Nur hier stehen sie überall – im Grünen, auf Rastplätzen und sogar in Vorgärten von Einfamilienhaus-Siedlungen.

Alles hängt vom Öl ab, weshalb wohl auch Shell ein ganzes Städtchen mitsamt Flughafen rund um seine Raffinerien betreibt – und die Kassen des Sultans füllt. Immerhin musste er ja seinen hochmodernen Palast mit über 1.700 Zimmern bauen und das Museum Royal Regalia, in dem er alle Geschenke von Staatsbesuchen, seine Prachtsänften und ausschließlich Bilder aus seiner Blütezeit ausstellt. Alles, was er so bekommen hat – So hängt neben der Original APEC-Konferenz-Urkunde mit den Unterschriften der Teilnehmenden Präsidenten (u.a. mit einer recht zittrigen von Boris Jelzin) die Urkunde von Tripadvisor als Auszeichnung für ein außergewöhnliches Museum. Seltsamer Kurator am Werk…

mit kalten Füßen durchs Museum

Schuhe müssen auch beim Museum draußen bleiben

Leider hat es anscheinend nicht mehr für einen Busterminal gereicht. Oder es lohnt einfach nicht für die insgesamt zwei Busse, die einmal täglich nach Kita Kinabalu oder in die andere Richtung nach Miri fahren. Es ist wohl die am wenigsten befahrene Straße der Welt, die durch ein zweiteiliges Land in die Hauptstadt Bandar Seri Begawan führt – von der man auch nicht gerade bemerkt, dass es die Hauptstadt eines der reichsten Länder der Welt ist. Bauruinen und Riesen-Gehweg-Löcher wie in der dritten Welt. Immerhin gibt es ein (!) einziges Hostel in der Stadt – und zwar im Jugendzentrum, in dem es zwar einen Pool, eine Turnhalle und Yoga-Kurse gibt, aber keinen Rezeptionisten. Er kommt zwei Mal am Tag recht willkürlich vorbei und gibt Dir erst ein langes Formular und dann ein Bett. Wenn Du Pech hast, wartest Du eben ein paar Stunden, bis er kommt.

Die Stadtbusse stellen ihren Verkehr um 18:00 ein, danach nimmt man ein Taxi, von denen ich allerdings auch kein einziges gesehen habe. Und während des Ramadans fahren auch die Busse selbst zur Hauptmoschee nur gelegentlich –  die dann trotz gegenteiliger Aussage sowieso für Ungläubige geschlossen ist. Aussagen sind eh’ Glückssache: Hätte ich auf den Bus-Abfahrtsort mit den meisten Stimmen gesetzt, wäre ich noch immer in Brunei. Denn man bekommt vom chinesischen Museum über eine Tiefgarage bis hin zum Museumsvorplatz (da fährt er tatsächlich los, falls jemand diese Info braucht!) die verschiedensten Orte genannt, wo man nach einem Bus Ausschau halten soll. Es gibt noch nicht mal eine Haltestelle…

Wahrscheinlich hätte ich dann auch Zeit gehabt, meine Fischerei-Kenntnisse etwas zu verbessern.

Netzfischer in Brunei

Profi-Fischer im Stelzen-Häuser-Meer

Nachdem uns ein Junge eindrucksvoll gezeigt hatte, wie man das Netz zwischen den Häusern in das seichte Salzwasser wirft (um dann doch nur ein paar knallrote Quallen zu fangen), meinte er, dass wir es auch mal probieren sollten. Also vorbei am verdutzten Vater im Wohnzimmer, die gerade aufgewachte Oma im Gästezimmer links liegen gelassen, durch die Küche und ab auf den Steg. Um mich dann mit dem von der Drecksbrühe durchtränkten Netz so einzusauen, dass ich wie auf dem Fischmarkt gestunken habe. Aber viel gelacht haben wir ob meiner stümperhaften Versuche.

Und nun noch mal zum Ausgangspunkt: Die Stempel-Safari. Das ist das Abgefahrenste an dem ganzen Trip. Man muss insgesamt zehn Mal irgendwo aus- und wieder einreisen. Man fährt in Miri in Sarawak (Malaysia) los und reist bei den freundlichen Damen der Brunei-Immigration (es sitzen dort nur Damen in blütenreinen weißen Kopftüchern am Schalter) ein. Dann wieder aus, dann wieder ein nach Sarawak, gleich wieder da raus aus Malaysia und rein nach Brunei. Zwischenzeitlich hatte ich dann den Überblick verloren, wo ich gerade war. Glücklicherweise hingen überall wegen Hari Raya (das wichtigste islamische Fest, so wie für uns Weihnachten) Brunei-Flaggen rum, so dass ich schnell wusste, dass ich meine Ausreisekarte vorlegen musste, um den siebten Stempel zu bekommen. Jetzt war ich dann nach ein paar Metern weiter – jedes Mal rein und raus aus dem Bus – wieder in Sarawak. Nach dem Mittagessen kam dann der absurdeste Teil: Man reist aus Malaysia (Sarawak) aus und reist wieder nach Malaysia (Sabah) ein. Hier darf man dann aber sogar zu Fuß zum nächsten Grenzposten gehen. Da hat man sich am Ende eines wechselhaften Tags durchaus ein Bier verdient, das man in Brunei aufgrund strikten Alkoholverbots auch nirgends bekommt. Ein seltsames Land…

Hier liegen Sarawak, Brunei und Sabah auf Borneo.