Ulan Bator – Chaos und Tradition

Ulaanbaatar ist das reinste Chaos. Überall steht der Verkehr und trotzdem schießen von rechts und links noch Autos in den Verkehr rein. Das verursacht Unfälle und die verursachen noch mehr Stau, denn wie in Russland dürfen die Autos erst wieder bewegt werden, wenn die Polizei da war. Und die kommt natürlich nicht durch. Eine fantastische Spirale in den Kollaps.

mein Papa hat das größte Auto

größer, schneller, weiter

Aber immerhin dürfen an manchen Stellen keine Autos fahren, die höher als 5m (!) sind.

Ulan Bator versucht einen Spagat zwischen dieser Moderne und der Tradition. Immer wieder sieht man zwischen den großen SUVs alte Männer und Frauen in Landestracht. Allerdings hat auch im größten lamaistischen Kloster die Moderne Einzug erhalten. Nach den Gebeten und der Schule sieht man die Mönche fröhlich rauchend mit Frauen reden oder am Handy telefonieren. Und über allem in UB und in der ganzen Mongolei wacht natürlich der gute alte Dschingis.

Dschinggis Khan

Dschinggis Khan

Am 1. Mai hätte ich im ehemals sozialistischen Staat wenigstens ein bisschen Tag der Arbeit vermutet, aber das war gar nicht der Fall. Ein toller Tag um ein bisschen die Stadt zu erkunden und vielleicht die eine oder andere Tour-Agentur oder auch ein anderes Hostel zu suchen. Leider nicht so einfach, denn es gibt nicht viele Straßenschilder und alles ist ein bisschen versteckter. Es ist ein brutaler Mix aus alten sozialistischen Bauten, modernster Hochhaus-Architektur SONY DSCund sogar traditionellen Jurten mitten in der Stadt. Angeblich gibt es auch Millionen von Taschendieben, aber anscheinend keine Hunde. Dafür scheint es in der Mongolei ausschließlich das gleiche Krepp-Klopapier zu geben wie in Sibirien, nur noch dünner und mit respektablen Löchern drin. Es gäbe im Supermarkt im State Departement Store auch anderes zu kaufen, aber das wäre feige. Denn dort gibt es von Edeka Kaffee über Original-Spreewaldgurken bis hin zu Natreen Rote Grütze und einer IKEA-Fusselbürste alles zu kaufen. Und sogar hier ist es ein Preis-Paradies, wenn man gerade aus Russland kommt. Außer die Touren in die interessanten Teile des Landes. Die sind sackteuer.

Einfaches Essen bekommt man schon recht günstig. Und zwar morgens, mittags und abends Hammelsuppe mit Hammelklöschen drin. Alternativ kann man auch Hammelrippchen haben.

koreanisches Essen im Restaurant Mama

koreanisches Essen im Restaurant Mama

Da kommt als Abwechslung ein Berliner und eine Melange im Kaffee Sachers oder ein leckeres koreanisches Menü bei Mama ganz gelegen. Nicht zu vergessen, ein schönes kühles Sengur-Bier dazu.

Nachtrag zum Tag der Arbeit: Hier heißt es wahrscheinlich eher Nacht der Arbeit. Zumindest wurde ich heute Nacht im Hostel von freundlichen Bauarbeitern unterhalten, die zwischen halb eins und drei Uhr in der Nacht die Wohnung nebenan anfingen zu renovieren. Erst hämmern, dann die Wand aufstemmen, ein bisschen Bohren und dann was anschrauben. Deshalb sieht man wahrscheinlich tagsüber an keiner Baustelle auch nur einen Bauarbeiter…

Irkutsk – Die Perle Sibiriens

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Irkutsk – für viele nur vom Spiel Risiko bekannt – ist eine selbst für Russland-Freunde unbekannte, arme, kleine Schwester von St. Petersburg und Moskau. Auch wenn es die Perle Sibiriens genannt wird. Und man merkt sogar, dass man schon lange … Weiterlesen

Liebe(s)grüße aus Moskau

Gleich vorweg: James Bond ist hier nicht vonnöten. Die Stadt scheint harmloser als ihr Ruf. Aber sie ist auch anders als St. Petersburg.

In Moskau wird vieles aus St. Petersburg noch ein bisschen getoppt. Hier sind die Sportwagen dann auch schon mal Maseratis, die U-Bahnhöfe noch ein bisschen schöner, der Servicegedanke noch ein bisschen unterentwickelter, deutlich mehr Bettler und noch verstecktere Hotels und Firmen. Ärgerlich, wenn das gerade Dein Hotel oder die Firma betrifft, bei der Du Deine Transsib-Tickets abholen musst und kein Klingelschild oder sonstiges zu finden ist.

Ein besonderes Highlight in Moskau war aber der Besuch einer Banya. Wenn man so möchte, wie eine Sauna, nur deutlich verschärfter. Man kommt in einen großen Raum, der ungefähr wie ein Zuggroßraumwagen bestuhlt ist – mit ledernen Sitzbänken und Tischen davor. Darauf sitzen lauter dicke nackte Männer. Auf den Tischen Teller mit Pferdewurst und dazu trinkt man entweder Kwass, ein aus Schwarzbrot gegorenes Erfrischungsgetränk/Bier, oder eine ganze ausgepresste Zitrone mit zwei Esslöffeln Honig und Mineralwasser aufgegossen. Die Flüssigkeit ist dringend nötig, denn mit einer klassischen Sauna wie wir sie kennen, hat das nicht mehr viel zu tun. Man setzt sich Filzhüte gegen (!) die Hitze auf, schlägt sich mit Zweigen aus Eichen- oder Birkenlaub (die ganz Harten nehmen Tannenzweige) gegenseitig auf den Rücken bzw. die Verlängerung davon und wenn’s noch nicht heiß genug ist, macht einer einen Aufguss. So weit so gut, nur dass der Ofen ca. 2,5 m hoch ist und man eine Eisentür wie bei einer Dampflok aufmacht und Wasser bis zum geht nicht mehr reinschüttet. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit brennt die Luft wie die Hölle. Und jeder Luftzug macht es noch heißer. Vielleicht ist diese Klappe ja doch der Einstieg zum Fegefeuer…   

Allgemein lässt man in Moskau eine Menge Geld für recht wenig. Mickriges Hotelzimmer, wenig Essen und jeder Kircheneintritt – alles kostet ca. doppelt soviel wie in Deutschland. Aber ich denke, den Wodka gibt’s günstig. Den muss ich jetzt noch kaufen für den Zug. Dreieinhalb Tage am Stück im Rossija – schaumermal wie’s wird und wie danach meine Russisch-Kenntnisse sind.

Achja – und nicht dass der Eindurck aufkommt, ich hätte keine Fotos gemacht oder wäre nur in der Banya gewesen, hier noch ein Foto :-).Basiliuskathedrale

St. Petersburg putzt sich raus

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Petersburg im April hat Vor- und Nachteile. Zum einen ist es schön, wie die Reste von Schnee und Eis noch auf der Newa treiben oder in der zaghaften Frühlingssonne dahin schmelzen. Andererseits wird der April anscheinend auch für den Fühjahrsputz … Weiterlesen

Start der Weltreise – St. Petersburg

Nun ist es also soweit: Der Blog, in den ich mal alle meine vergangenen Reisen nachtragen wollte, blieb fast jungfräulich und musste bis jetzt warten, dass etwas Neues mit ihm geschieht. Und ich hoffe, ich werde in den nächsten Monat fleißig sein, um ihn auch mit Leben zu füllen.

Die gute Nachricht für Insider vorneweg: Mit dem Flug hat soweit alles super geklappt, nur verstanden habe ich kein Wort. Das lag aber dieses Mal nicht am Druckabfall und der damit verbundenen Schwerhörigkeit über Tage hinweg, sondern an der Fluglinie Rossija: Die Stewardess sprach beharrlich ausschließlich russisch mit mir.

Dass dies kein Einzelfall ist, sondern die 99% Regel, stellte ich am Bahnhof in St. Petersburg fest. Hier ist alles nur auf Russisch ausgeschildert, was schon mal den Weg zum Ticketschalter – der logischerweise in einem Nachbar-Gebäude ist – zur kleinen versteckten Herausforderung macht. Hat man das andere Gebäude erreicht, kann man es am Fahrkartenautomaten probieren – sogar auf englisch, was allerdings dann spätestens ab der Eingabe von Start und Ziel sowie Klasse und Erwachsener oder Kind nur noch auf kyrillisch geht. Also ab zum Schalter, wo ich anscheinend gleich eine Besonderheit der Russen kennen gelernt habe: Je älter die Wartenden, desto aktiver das Anstehen. In der Champions League des Drängelns spielt man anscheinend, wenn man einen Rentenbescheid oder so etwas in der Hand hat. Dann drängeln sich die Mütterchen durch die Traube der sich bereits vordrängelnden Mütterchen zum Schalterfenster. Funktioniert übrigens auch im Museum.

Als ich dann dran war, stellte ich erstaunt fest, dass auch am Ticketschalter des Bahnhofs einer Weltstadt wie St. Petersburg Russisch die einzige Sprache ist, die neben Händen und Füßen zählt. Mit den pantomimischen Erklärungen bin ich schon sehr gut und lerne jeden Tag fleißig die kyrillische Schrift, in dem ich bekannte Firmen oder Schauspieler erkenne und den dazugehörigen Namen (im Fall von Bruce rechts oben im Eck, zum Vergrößern klicken) gleich mit präsentiert bekomme.SONY DSCSONY DSC

Also alles ganz einfach…ich fühle mich zwar wie ein Erstklässler, der gerade Lesen lernt. Aber wenn man Worte wie Tualet oder Apteka lesen kann, weiß man wenigstens nach dem Klobesuch wo man was gegen Durchfall bekommt.

Gleich um die Ecke des Moskoviter Bahnhofs gibt es ein riesiges Shopping-Center. Dort gibt’s übrigens neben zahlreichen Luxusgeschäften und der dazugehörigen herumstöckelnden Kundschaft auch einen Supermarkt, in dem man die tiefgefrorenen Pommes, Broccoli-Röschen oder Fischstäbchen lose in eine Tüte füllt und abwiegt. Da hätte der deutsche Hygiene-TÜV bestimmt ein bisschen was dagegen.

Schüttgut im Supermarkt

eiskaltes Händchen garantiert

Wahrscheinlich hätte der deutsche U-Bahn-TÜV oder die Polizei auch was gegen die  tolle Eigenschaft der U-Bahn, dass ca. eine Sekunde bevor Dein Waggon die Station erreicht, kurz das Licht ausgeht. Für manche Langfinger oder aber für Träumer, die gerne das Aussteigen verpassen, sicher ganz praktisch. Apropos U-Bahn: wenn man es eilig hat, lieber ein paar Minuten mehr Puffer einplanen. Zum Teil sind die Rolltreppen so lang, dass Du glatt vier Minuten in die Tiefe fährst. Wahrscheinlich fahren daher die ganz Eiligen auch lieber mit Sportwagen, SUVs oder mit ganz normalen Taxen mit Vollgas durch die Stadt. Mein Taxifahrer vom Flughafen brachte es in der Spitze auf satte 95 km/h – mitten in der Stadt wohlgemerkt. Da beherzigt man als Fußgänger doch auf jeden Fall den Tipp aus dem Reiseführer: Ein Zebrastreifen ist nicht unbedingt sicher!

Helsinki und Tallinn – 06. bis 10.06.2012

Weiße Nächte haben nichts mit Alpenromantik oder verschneiten kolumbianischen Nächten zu tun, sondern führten mich Anfang Juni in die Hauptstädte Finnlands und Estlands.

Kurz nach 1 Uhr nachts ist der mit immerhin zwei Gepäckbändern doch sehr überschaubare Gepäckband-Bereich des Helsinkier Hauptstadt-Flughafens  noch ein wenig ruhiger und bereitet einen Reisenden auf das vor, was einen in Helsinki erwartet –  bloß keine Hektik.

Ex-Knast in Helsinki

hinter finnischen Gardinen

Also entspannt in die Stadt und dann ab in den Knast. Zumindest den ehemaligen Knast in Katajanokka. Die ehemaligen Zellen sind inzwischen zu sehr schönen – und aufgrund der dicken Wände auch sehr ruhigen – Zimmern und Badezimmern umgewandelt worden. Dicke Stahltüren und Rezeptionistinnen in schwarz-weiß-gestreiften Sträflings-T-Shirts runden das Knast-Feeling ab. Dazu kommen natürlich klischeemäßig die Stahltreppen mit den klassischen aus Filmen bekannten Geländern, die Blechtassen und -näpfe und vor allem die echt authentisch belassenen Einzelzellen mit der Kloschüssel und einem Blechnapf mit Knäckebrot am Fußende des Bettes. Da bleibt man dann doch mit Sicherheit ein braver Bürger.

Obst in Litern

2 Liter Erdbeeren

Helsinki hat viel Wasser und eine Menge große Schiffe mitten in der Stadt zu bieten. Daneben viel dünnen Kaffee aus amerikanischen Massen-Kaffeemaschinen, ausbaufähige Ästhetik bei den Einwohnern, wenig Hunde,  trotz höllischen Bierpreisen sehr schnell trinkende Menschen in obskuren Bars, sozialistisch-faschistoid angehauchte Bauwerke (sogar die Oper sieht aus wie der örtliche Schlachthof), in 1 und 2 Liter-Einheiten verkauftes Obst und Gemüse, eine in den Fels gesprengte Kirche mit sensationeller Akkustik und wahnsinnig viele aneinander gehängte Buchstaben.

es geht auch ohne viele Worte

buchstabenreiche Nationalbibliothek

Wahnsinnig viele Buchstaben hängen übrigens auch die Esten aneinander, wie man am Beispiel der Nationalbibliothek sieht. Da sind nicht nur viele Bücher drin, sondern auch viele Buchstaben dran. Vielleicht liegt’s dran, dass hier der Wodka deutlich billiger ist und daher mehr Geld und Arbeitskraft in die Beschriftung von Hauswänden fließen kann.

Rockige Spießer-Biere aus Estland

Tallinn ist eine tolle Stadt. 80% der Altstadt sind mittelalterlich, tolle Kirchen, tolle Häuser und viele Türme, Türen und Biere mit lustigen Namen wie z.B. Rock oder Karl Friedrich. Dazu gibt’s aber auch noch von den Kreuzfahrermassen unentdeckte Alternativ-Cafés die leckere Suppen und Himbeer-Bier servieren (sehr zu empfehlen ist das Cafe nAnO in der Straße Sulevimägi, ein Künstler-Cafe mit kreativen Gerichten, tollem Innenhof und abgefahrener Inneneinrichtung).

Auch unentdeckt von den meisten Touristen bleibt wahrscheinlich die unrenovierte, nicht dem Wohlstand folgende Seite Tallinns, wo Großmütterchen auf einem noch sehr sowjetisch anmutenden Markt hinter dem Bahnhof Ihre Gartenkräuter-Bündel für 0,20€ anbieten und alles gehandelt wird, was bei uns auf Flohmärkten oder Schrottplätzen eher liegenbleibt.

Allgemein kann man in Tallinn sehr viel Altes sehen. Alte sowjetische Feuerwehrautos im Graben vor der Stadt, natürlich die alten Kirchen und Kathedralen wie die Alexander-Newsky-Kathedrale (die mit ihren 112 Jahren eigentlich noch gar nicht so alt ist) oder die Domkirche. Die wurde ca. 1233 gebaut wurde und beherbergt zumindest die Gebeine einer Menge alter Haudegen wie Admiral Krusenstern oder dem Liebhaber Katharina der Großen Admiral Greig of Fife oder dem Grundherrn Otto Johann Thuve, der heute aufgrund seiner Eigenschaft als unheilbarer Trinker und Frauenheld oft als „Don Juan Tallinns“ bezeichnet wird. Alle verstecken sich unter mächtigen Grabsteinen und bewacht von prächtigen Holzwappen der adeligen Deutschen. Und wenn schon alles alt ist, darf natürlich die älteste noch in Betrieb befindliche Apotheke der Welt, die Ratsapotheke, nicht fehlen, die es schon seit mindestens 1422 dort gibt.

Auf alt mach neu im Rotermannviertel

Aus alt machen sie aber auch neu. So ist das ehemalige Hafenarbeiterviertel Rotermani ein pulsierender Punkt für das Nachtleben, die moderne Kulturszene und holländische Käseläden. In der Altstadt kann man aber auch prima genießen, z.B. in der Straße Rataskaevu, in der in einer alten Kompressorhalle die gleichnamige Kneipe Kompressor mit Hering gefüllte Pfannkuchen und Sauerkrautsuppe kredenzt. In der ganzen Gasse gibt’s jede Menge gute Cafes und Kleinkunsttheater mit angeschlossener Kneipe.

Alkohol am Taxistand

Man wundert sich manchmal, dass man in Estland überhaupt noch was zu trinken bekommt, wenn man sieht, wie das Zeug auf den Fähren mit Sackkarren nach Finnland geschafft wird. Unglaubliche Mengen von Paletten Dosenbier und 10er Packs mit Literflaschen Wodka nehmen die zweistündige Fahrt gerne und oft in Angriff.

Da ist es sehr beruhigend, dass es in Helsinki tatsächlich doch – wenn auch sehr wässrigen – Kaffee gibt, zumindest im Café Engel direkt gegenüber vom Dom mit den angeblich besten Kuchen, im schicken Kappeli auf den Esplanaden mit den angeblich schönsten Kuppeln und im sehr urigen kleinen Café Vanille auf der Inselfestung Suomenlinna, in dem einem am schönsten erklärt wird, was die Gemeinsamkeit von Männern und Kaffee ist.

Kaffee und Männer – so müssen sie sein

In diesem Sinne war der Trip sehr lehrreich. Jetzt weiß ich wenigstens, wie Frauen uns wahrnehmen – sie denken einfach in Dimensionen von Kaffee und Schokolade.