Unterwegs in Neuseeland – entspannt geht vor

Man könnte ja meinen, dass beim Verhältnis von 4 Millionen Menschen zu 40 Millionen Schafen ständig eine Herde über die Straße läuft, aber außer plattgefahrenen Possums sieht man erstmal wenige Tiere auf der Nordinsel. Viele Kühe, aber bis zu meinen ersten Schafen hat es eine Weile gedauert. Fast so lange wie bis zu meinem ersten Klavier an einer Kreuzung, das ich überhaupt jemals im Straßenverkehr gesehen habe. Einige weitere folgten mit der Bitte „Play Me!“. Warum sie da stehen, weiß ich allerdings noch nicht.

Klaviere auf Neuseeländischen Straßen

Klimperkasten zur freien Verfügung

Ebenso wenig, wie man sein Café am Straßenrand „Hot Pipi Café“ nennen kann, aber es ist wohl vor allem eine andere Sprache, die das normal erscheinen lässt. Normal scheinen auch Mini-Flughäfen zu sein, die lediglich aus einer gräsernen Rollpiste und einer kleinen Hütte bestehen. Aber immerhin alle 50 km zu sehen sind. Sie lieben es klein und detailliert. Hat man einen Flexipass der InterCity- oder NakedBus-Gesellschaft wird man vom freundlichen Fahrer sogar am Hostel abgeholt oder abgesetzt. Muss man allerdings wissen, denn wenn man im Internet bucht, stehen die Hostels nicht – wie man vielleicht vermuten könnte – unter dem Ortsnamen, sondern unter dem Hotelnamen. Verwirrend. Genauso verwirrend ist es, dass man auf den vorderen Sitzen im Bus Gurte hat und die auch anlegen muss, im hinteren Teil dann aber keine mehr. Ob dann bei einer Polizeikontrolle die hinteren auch die 150,-$ Strafe für’s Nichtanschnallen zahlen müssen, weiß ich auch wieder nicht.

Beim Tanken gibt’s hier nicht nur Benzin und sonstige Dinge, die Du auch spät in der Nacht noch in Deutschlands Tanken bekommst. Hier merkt man, dass die Neuseeländer gerne draußen sind. Denn vor der Tür steht die große Truhe mit Ködern und falls die Köder und das Anglerglück gut waren, kann man sich gleich noch das Eis zum Einlagern des frischen Fangs ins Auto laden.

Neuseeländische Tankstelle

Eis und Würmer – tanken was das Anglerherz begehrt

Besonders gerne laufen die Neuseeländer barfuß. In allen Städten sieht man sie. Eine Reise-Bekannte aus Neuseeland meinte sogar, sie hätte im Alter von 12 Jahren zum ersten Mal Schuhe angehabt. Dass das aber durchaus Probleme geben kann, sieht man, wenn man an Bord eines Flugzeuges gehen möchte. So hatte ich in Vanuatu eine ganze Familie gesehen, die sich von irgendwoher noch schnell ein paar Flip-Flops besorgen musste, weil sie sonst nicht an Bord durften.

Kein Problem mit barfüßigen Fahrern darf man haben, wenn man die beliebteste Art zu reisen wählt: Trampen. Wer per Anhalter unterwegs ist, wird in Neuseeland meist recht schnell mitgenommen, lernt eine Menge über Land und Leute und bekommt oft auch noch eine kleine Sightseeing-Tour oder gar eine Übernachtungsmöglichkeit kredenzt. Sehr vielseitig also, was man von den Brücken hier nicht behaupten kann. Sie haben meist noch nicht mal zwei Fahrspuren, sondern einer muss immer warten, bis das entgegenkommende Fahrzeug drüber ist. Ob man mit einer halb-breiten Brücke soviel Geld sparen kann, weiß ich ja nicht…

Eine ziemlich breite Brücke haben die Fähren zwischen der Nord- und der Südinsel. Wahrscheinlich, damit der Käptn die tollen Ausblicke bei der Fahrt durch die Fjorde und Sunde der Südinsel bei Picton genießen kann.

Hafeneinfahrt von Picton

zum Glück kein italienischer Kapitän am Werk – da kann nichts schiefgehen

Unterwegs in Vanuatu – von Schlaglöchern und Zeitlöchern

Buggy auf Efaté

Buggy fahren macht rundum glücklich

Wie im vorherigen Bericht geschrieben, ist es ein lustiges aber auf die Dauer fast schmerzhaftes Erlebnis, wenn man mit einem offenen Buggy durchs Land fährt. Nahezu jeder, der am Straßenrand wandert, möchte Dich im Fahren abklatschen.

Immerhin passen hier auf den Asphaltstraßen auch Menschen neben die Autos. Auf den schmalen Dreck- und Aschstraßen auf Tanna sind die Schlaglöcher und die vom Regen ausgespülten massiven Regengräben so immens groß, dass man hier wahrscheinlich über darin liegende Menschen drüberfahren könnte. Immerhin öffnet sich das Ganze kurz vor dem Vulkan in einen riesigen Allrad-Verkehrsübungslatz. Der Allradwagen sollte nach Möglichkeit ein Pick-Up sein, denn anscheinend ist die bevorzugte Reise-Art der Ni-Van die, auf einem Pick-Up stehend durch die Gegend zu fahren.

Vulkan-Allrad

Nürburgring ist nicht die einzige Rennstrecke in vulkanischen Gebiet

Wenn sie nicht mit Bussen fahren. Diese Busse sind allerdings eigentlich nur Mini-Vans, die man auch überall anhalten kann, um dann dem Fahrer zu sagen, wohin man möchte. Nach Möglichkeit sagt man das einem Fahrer eines leeren Busses. Denn er bringt erst einmal alle bereits drinsitzenden Fahrgäste genau dort hin, wohin die wollen Und so könnte eine Fahrt von eigentlich 10 minütiger Wegstrecke auch gerne mal 2 Stunden dauern, da dort dann auch noch ein kleines Schwätzchen mit dem Nachbarn des Passagiers gehalten wird. Getankt wird übrigens auf Tanna mitten im Wald. Zapfsäulen, Nichtraucher-Zeichen und Kassenhäuschen sind dabei völlig überbewertet.

Tankstelle auf Tanna

das Benzin ist im Schuppen rechts…

Gerne erschrecken die Einwohner ihre vorbeiflanierenden Freunde auch mit einem unvermittelten Anschreien. Das steht dann wiederum im krassen Gegensatz zum Verhalten im Flugzeug, in dem alle nur flüstern. Warum das so ist, habe ich keine Ahnung. Vielleicht damit die Stewardess mit den Blumen im Haar – mit denen sie vermutlich gegen den auf nicht-gewaschenen, aber dafür einfach gewendeten T-Shirts beruhenden Schweißgeruch ankämpfen wollen – zu verstehen ist. Aber nur in den großen Fliegern. In kleineren Flugzeugen gibt es weder Stewardessen noch funktionierende Lautsprecher, durch die man die Ansagen des Kapitäns hören könnte. Dafür ist die Gepäckausgabe durchaus überschaubar.

Gepäckausgabe in Vanuatu

Gepäckbänder sind sowas von überflüssig

Mit diesen kleinen Maschinen zu fliegen ist besonders lustig … wenn man sie denn rechtzeitig erreicht. Denn das ist aufgrund der entspannten Art der Einwohner nicht immer garantiert. Bei meinem für 15:00 geplanten Rückflug meinten alle „Ah, der Nachmittagsflug. Kannst um 3 einchecken“. Als um 14:20 immer noch keiner aus meinem Resort zu sehen war, dem ich erstens meine Rechnung bezahlen konnte und der mich zweitens zum Flughafen fahren könnte, beschloss ich, die vier Kilometer zu laufen, was auch schon recht knapp geworden wäre. Denn der Flug ging wirklich um drei und nicht erst wie sonst üblich irgendwann mal, weil wir ja so relaxt sind. Um 14:40 kam ich am Flughafen an. Schnell Gepäck abgegeben, mich selber auf die Waage gestellt, zwei Minuten in der Wartelounge (Sicherheitskontrollen gibt’s auf Vanuatu für Inlandsflüge nicht), dann am Ananas in sich reinstopfenden Piloten auf dem Rollfeld vorbei in die Maschine mit freier Platzwahl – und um 14:55 abgehoben.

Ich weiß gar nicht, was in dem Flieger dann am beunruhigendsten war: Die ausgefallenen Lautsprecher, die zuerst auf chinesisch und dann erst auf englisch beschrifteten Ausgangsschilder oder dass der Co-Pilot die neuesten Cricket-Ergebnisse in der Zeitung nachlas.

zeitunglesender Pilot

über den Wolken muss die Pressefreiheit wohl grenzenlos sein

Nemo, der heilige Geist und ein zorniger Vulkan – Vanuatus Bewohner sind die glücklichsten Menschen der Welt

Kommt man in Port Vila an, glaubt man es nicht auf Anhieb, dass die Ni-Van einige Male in Folge zu den glücklichsten Menschen der Welt gekürt wurden. Zumindest sagt es so der Lonely Planet. Aber der sagt auch, dass der Besuch der langweiligsten Höhlen, die ich bislang irgendwo gesehen habe, auf der Hauptinsel Efaté ein Muss seien. Immerhin gibt es auf der Insel Asphaltstraßen und Strom, aber zumindest in der Haupt“stadt“ Port Vila war erstmal nicht so viel von lächelnden Menschen zu sehen. Aber wenn man einmal mit einem offenen Buggy um die Insel fährt, bekommt man es dann aber mit. Genauso wie auf der indonesischen Insel Flores winken alle, sitzen entspannt in Grüppchen auf der Straße oder auf Felsen, lachen freundlich, rufen am Straßenrand „five!“ und klatschen Dich im Fahren ab.

Oder sie erklären einem, wie man statt mit einem „fishing net“ mit einer „fishing nut“ sein Abendessen aus dem Meer holt. Man kratzt aus einer Nuss das Innere heraus, legt es ins Wasser, lässt die Fische sich dran gütlich tun – und dann werden sie so dösig, dass man sie per Hand fangen kann. Nur selber essen sollte man die Nuss nicht.

Nussfischer in Vanuatu

Fischen mit Nüssen

Zum dösig werden verwenden die Ni-Van lieber Kava. Ein Zeug, das furchtbar erdig schmecken soll und aus einer Art Pfefferpflanzen-Wurzel gewonnen wird. Je nach Insel wird es unterschiedlich zubereitet. In Tanna, wo es wohl am heftigsten ist, kauen die jungen Männer drauf rum und spucken den so gewonnen Saft dann in einen Pott. Getrunken wird es dann traditionell – nachdem sich die Männer des Dorfes um 15 Uhr zu einer kleinen Versammlung treffen und entscheiden, bei wem sie es denn jetzt trinken – aus einer Kokosnussschale. Frauen sind in vielen Gegenden nicht zugelassen. Aber die können sich freuen, denn die Männer kommen entspannt und mit etwas gelähmter Zunge zurück. So reden sie dann auch nicht zuviel dummes Zeug in ihrem kleinen Wahn.

Vom Wahn haben sie auf Tanna auch weitere lustige Ausprägungen in Form von Kulten. Zum Beispiel der Jon Frum Cargo Cult, bei dem die Anhänger auf Konsumgüter wie Radios und Kühlschränke warten, die ein gestrandeter Soldat vor dem Zweiten Weltkrieg versprach. Er lehnte die christlichen Vorschriften, dass Vielweiberei und Menschenfresserei von nun an plötzlich verboten sein sollen, ab und versprach ein besseres Leben durch diese amerikanischen Güter, die mit einem großen Frachtschiff eintreffen sollten. Dafür haben die Anhänger dann einen eigenen Anleger gebaut und falls doch kein Schiff kommen sollte, haben sie vorsichtshalber eine extra Landebahn für Transportflugzeuge gebaut. Seitdem treffen sich die Anhänger täglich und beten und singen, damit das Zeug nun endlich kommt. Ein anderer Kult verehrt übrigens Prince Philipp, den Mann von Elisabeth II. – warum weiß ich nicht, aber vor ein paar Jahren empfing er sogar eine Delegation von fünf Dorf-Oberhäuptern bzw. Häuptlingen. Vielleicht liegt das aber doch alles nur am Kava…

Oder an den Dämpfen des zugänglichsten aktiven Vulkans der Welt. Selbst Stunden und gar zwei Tage später hat man noch teilweise einen leichten Schwefelgeschmack in der Kehle.

Briefkasten auf aktivem Vulkan

heiße Liebesbriefe können hier eingeworfen werden

Ist man erstmal durch die Mondlandschaft vor dem Vulkan hoch zum Krater mit seinen sehenswerten Klohäuschen und dem weltweit einzigen aktiven Briefkasten auf einem aktiven Vulkan gelangt, erwarten einen Ascheregen und mächtige gut hör- und spürbare Eruptionen. Auf ging’s zu einem Aussichtspunkt, den die Führer auserkoren hatten. Schon fast oben angekommen, schleuderte eine mächtige Eruption einige Brocken nach oben. Und kurz drauf kam ein glühender Brocken mit lautem Sirren wie von einer Mörsergranate auf uns zu. Klang wie im Krieg, nur dass der Brocken nicht explodierte, sondern nur dumpf auf dem Boden aufschlug – ca. 70m von uns entfernt. Von einem anderen Aussichtspunkt war dann der Blick in den Krater mit der glühenden Magmamasse nicht nur wegen der Dämpfe und der Asche atemberaubend. Geniales Schauspiel.

Eruption auf Tanna

da fliegen Dir die Fetzen um die Ohren

Entspannter geht’s da auf der Insel Espiritu Santo zu. Hier gönnen sich fast alle Marktfrauen gerne mal ein kleines Nickerchen unter dem Verkaufstresen.

Nickerchen unterm Obststand

Soviel Arbeit macht müde…

Und beim Schnorcheln könnte man stundenlang dem Treiben der Nemos rund um die Korallen zuschauen, wenn einen die ordentliche Strömung nicht wegtreiben würde. Sie treibt einen nicht ganz bis nach Efaté zurück, aber wenn, dann könnte man dort gleich beim einzigen Unterwasser-Postamt der Welt eine entsprechende wasserfeste Postkarte abstempeln lassen und wegschicken.

Augen auf im australischen Straßenverkehr – sonst kracht’s oder wird’s teuer

Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass sie hier auf der „falschen“ Seite fahren, haben sie kreative Regeln. So werden Verkehrsvergehen in der Zeit zwischen den Jahren in Australien mit doppelten Strafen belegt. Sowohl Bußgelder als auch Punkte werden verdoppelt. Hält die meisten aber doch nicht davon ab, ein bisschen mehr zu trinken. Und das obwohl hier die Busfahrer äußerst höflich sind. Sowohl sie als auch die aussteigenden Fahrgäste bedanken sich gegenseitig und wünschen sich einen schönen Tag. Außerdem sind doch gerade zur heißen Weihnachtszeit so schöne als Weihnachtsschlitten „verkleidete“ Busse unterwegs sind (s. Tasmanien – Tod und Teufel).

Man sieht sowieso allerhand kreatives am Straßenrand. Weihnachtsmänner in Badeshorts und Surfbrett unterm Arm, Power-Nap-Areas, nahezu die gesamte Tierwelt von Tasmanischen Teufeln und Krokodilen über Wombats und Kängurus bis hin zu extravaganteren mobilen Verkehrshindernissen wie Alpacas, Enten und sonstigen komischen Vögeln.

lustiges Vogel-Warnschild in Australien

Spaßvögel am Werk

Vor denen warnen die berühmten gelben Warnschilder – die auf „No Kangaroos in Austria!“-T-Shirts auch ein österreichischer Verkaufsschlager sind. Ein anderes bemerkenswertes Schild, was man trotz aller Kaffeehaus-Kultur in Österreich vergeblich suchen wird ist: „Free Coffee Area“. Man fährt raus und bekommt von Freiwilligen einen kostenlosen Kaffee. Alles um die Fahrer auf den unendlich langen Fahrten vor dem Einschlafen zu bewahren.

Auf diesen Fahrten begegnet man auch allerhand Roadtrains, denen man nicht all zu nahe kommen möchte. Mächtige mehrere Anhänger lange Lastwagen, die an Dir und dem Schild „1.400 km bis zum nächsten Städtchen“ vorbeidonnern. Zum Glück kommen die so selten vor wie ein querlaufender Dingo.

Da lohnt es sich eher den Flieger zu nehmen, auch wenn Airlines wie Jetstar ständig Deinen Flug um bis zu einen Tag vorverlegen oder Dich mitten in der Nacht losschicken wollen. Ausgeglichen wird das durch extrem freundliche und lockere Flugbegleiter, deren Ansagen an Sprachgewandtheit und Witz einigen deutschen Radiomoderatoren deutlich überlegen sind. Und wenn’s dann noch weihnachtet, tauschen sogar die Piloten einmal Ihre Mützen – statt Kapitänsmütze winkt aus dem Cockpit ein fröhlicher Mann mit Weihnachtsmann-Mütze.

Tasmanien – Tod und Teufel

In Tasmanien ist alles scheinbar noch ein bisschen relaxter als im Rest Australiens. Vielleicht liegt’s daran, dass sie ihr Schicksal schon immer so nehmen mussten, wie es war – hart und alternativlos. Obwohl das nicht ganz stimmt – die Alternativen der Mehrzahl der ersten Einwohner waren 7, 14, 21 Jahre oder lebenslänglich.

Denn die Einwohner waren bis auf wenige Siedler und Soldaten nahezu ausschließlich englische und irische Straftäter, die für Vergehen wie z. B. ein paar Stiefel zu klauen, 14 Jahre Haft auf der Gefangeneninsel Tasmanien erhielten und ans Ende der Welt verschifft wurden. Die ganze Insel war ein großes Gefängnis und besonders schwer waren die Jungs in Port Arthur, das das Bestrafungslager der Insel war. Hier herrschten unmenschliche Zustände von Isolationshaft über körperliche Ausbeutung bis hin zu anderen seelischen Grausamkeiten. Gepaart mit dem im Sommer ständig zwischen bullig heiß und pinguinig kalt wechselnden Wetter, führte das wohl zu einer sehr relaxten Haltung der Einwohner. Vielleicht führte das auch zu so lustigen Straßennamen wie „Smith and Others Rd.“ oder „Murderous Gully Rd“.

Der Tod begegnet einem nicht nur beim Straßennamen, sondern auch am Straßenrand. Hier kann der geneigte Biologe umfassende Feldstudien der heimischen Fauna vornehmen. Von Wallabies, über Schlangen und Vögel bis hin zu endemischen Arten wie Eastern Quoll und Tasmanischen Teufeln.

Tasmanischer Teufel

Vorsicht – bissiger Teufel

Die Teufel sind eigentlich ganz possierliche Tierchen, die ihr fleischfressendes Maul aber ganz schön weit aufreißen und mit den Zähnen fletschen. Leider sind sie aufgrund einer durch Speichel übertragenen Krebsart inzwischen stark vom Aussterben bedroht. Ein Schicksal, wie es den Tasmanischen Tiger schon ereilt hat.

Vielleicht sieht man auch den Teufel bald nur noch in Form eines zurechtgestutzten Buchsbäumchens, wie man sie hier nach guter alter englischer Tradition auf dem englischen Rasen pflegt. Sehr lustig sehen daneben dann die Weihnachtsmänner mit Surfbrett unter dem Arm aus, die zu dieser Jahreszeit gerne neben lichtergeschmückten Rentieren aller Art bei sommerlichen Temperaturen im Garten stehen. Als Rentiere werden sogar Stadtbusse „verkleidet“, denen man nicht nur Rudolfs Rote Nase dranklebt, sondern die auch noch von einem richtigen Weihnachtsmann gefahren werden.

Weihnachtsbus

Platz da – hier kommt der Weihnachtsmann

Auch andere Gefährte kann man in Tasmanien entdecken –

Herbie

Herbie – der rasende Käfer ist jetzt in Australien

ob Disney’s Herbie der Rasende Käfer auf der Straße oder einen mit einer Art aufgeblasenen Schwimmflügeln und Schwimmreifen gepolsterten Porsche Carrera im abgefahrensten Museum, in dem ich jemals war. Das Museum of Old and New Art (MONA) kombiniert in einer faszinierenden Weise Moderne Kunst mit unglaublich kreativ und modern ausgestellten antiken Stücken. Das Ganze in einem unterirdischen und verschachtelten Gebäude samt Tennisplatz als Eingangsbereich und eigenem Weinberg und Mikro-Brauerei. Hier soll Kunst nicht trocken sein, sondern man wird herzlich eingeladen, sich zu betrinken. Fantastisches Museumskonzept – nicht nur wegen der Sauferei… Hat man sich dann per Leberzirrhose hingerafft, kann man hier sogar für umgerechnet knapp 49.000,-€ seine letzte Ruhe finden – das MONA bietet die Ewigkeits-Mitgliedschaft an, bei der die Urne des Verblichenen ins Museum integriert wird.

Betrinken kann man sich auch auf dem samstäglichen Salamanca Market in Hobart, bei dem es auch unglaublich schönes und überraschendes Kunsthandwerk zu kaufen gibt. Wie das wiederum zu den deprimierenden „Kindheitsjahren“ der Insel passt, ist genauso rätselhaft, wie die Tatsache, dass hier in jedem Motel der Toaster schon nach einem Toastgang den Rauchmelder auslöst oder dass unglaublich viele tasmanische Orte nach Schweizer Orten benannt wurden. Man kann bequem aus dem Engadin nach Interlaken oder Grindelwald fahren.

Wombat in Tasmanien

Wombats haben’s ganz gemütlich

Rundherum und mittendurch – Verkehr in Sri Lanka

Alles geht ein bisschen gemächlicher zu in Sri Lanka. Der Zug zuckelt mit offenen Zugtüren langsam und gemütlich direkt am Ozean entlang, die TukTuks hupen wirklich nur wenn’s nötig ist und eine Busfahrt von 130 km kann auch mal sechs Stunden dauern. Vor allem, wenn die dicke Mutti schnell mal was in einem Haus machen muss und nach zehn Minuten völlig entspannt in den Bus mit seinen wartenden – und nicht darüber meckernden – Passagieren zurückschlendert. Dann geht’s weiter durch Baustellen, vor denen man eine Viertelstunde wartet bis zur kleinen Snack-Pause mit olfaktorischem Genuss-Pinkeln in einer Art Open-Air-Restaurant. Und nicht zu vergessen, dass die meisten Passagiere zu faul sind, die zwanzig Meter zu den anderen Wartenden zu laufen, so dass der Bus alle Nase lang anhält. Bei der Geschwindigkeit könnte der neugierige Affe auf dem Außenspiegel auch glatt mit in den nächsten Ort fahren.

Affe auf Bus-Außenspiegel

Bus-surfender Affe

 

Wenn man Glück hat, wird der Bus sogar gewechselt, wenn er ein Problem hat. Ich war sehr froh, als der barfüßige Fahrer nach diversen Versuchen, seine Kupplung in Gang zu kriegen, doch rief, man solle in den anderen Bus umsteigen. Leider war der viel kleiner und es passten nur alle übereinandergestapelt rein. Aber auch das schien niemanden großartig zu stören. Wenigstens hatte er Sitze. Ich bin auch mit einem „Bus“ gefahren, der außer der letzten Bank keinerlei Sitze hatte. Die Bank war leider vom Regenwasser so durchnässt, dass man besser gleich im Stehen das Panorama der Teeplantagen genoss.

Dass sie auch schneller können, beweisen die Fahrer entlang der Küste – viele von ihnen barfuß das Gaspedal penetrierend. Die machen den Elchtest und schaffen es tatsächlich, die Kiste trotz atemberaubender Schief-Kurvenlage, aufrecht zu halten. Vielleicht liegt’s an der flotten Musik, die eine Mischung aus indisch und karibisch ist und deren heimliche Konzertmitschnitt-Videos in jedem Bus an der Küste laufen. Zu dieser Jahreszeit inklusive indo-karibischer Versionen bekannter Weihnachtslieder. Wie die buddhistischen Mönche – für die in jedem Bus die ersten beiden Sitze hinter dem Fahrer reserviert sind – das finden, kann ich nicht sagen. Aber vielleicht ist es ihnen egal, da sie ja Buddhas Beistand oberhalb des Fahrers haben. Denn da waren sie wieder, die in Myanmar schon so beliebten Buddha-Figuren mit blinkenden LED-Leuchten drumherum.

Besondere Verkehrsteilnehmer erinnern mich an meine Kindheit: mobile Brotverkäufer, von denen jeder seine eigene Melodie spielt – so wie Du als Kind immer wusstest, dass der Eismann kommt. Nur dass es kein Glöckchen ist, sondern z. B. „Pour Elise“ oder eine Melodie aus dem Film „Kill Bill“. Morgens um 6:00 kannst Du aber eigentlich auf beides verzichten.

Lokomotive in Kandy

wie in guten alten Zeiten…

Auch bei der Bahn erinnert vieles an früher. Die kleinen Karton-Fahrkarten mit Präge-Datumsstempel, die Loks, die Bahnhöfe und auch die Anzeigen der Züge und Gleise verzichten auf jeglichen modernen, elektronischen Anzeigequatsch. Nachdem nur wenige Züge auf den zwei Strecken – eine vom Süden in den Westen immer an den Wellen entlang, die andere quer durch die Tee-bepflanzten Hügel des kühleren Hochlands – fahren, kann man das auch gut per Handarbeit und ein paar hölzernen Tafeln erledigen.

Zug-Anzeigetafel in Galle

Zuganzeigen mal nicht zu modern…

Warum fast jeder Bahnhof an der Küste ein Aquarium am Bahnsteig stehen hat, habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht hat es einen ähnlichen Grund, warum fast alle kleinen Läden entlang der Straßen im Binnenland aufgeblasene Schwimmreifen feilbieten…?

Aquarium auf dem Bahnhof in Sri Lanka

Was machen die Fische im Bahnhof…?

Mirissa – Erholung im Sri Lankischen Paradies

Bahnhofsuhr Colombo

Rund um die Uhr Ruhe und Erholung

In Sri Lanka gehen die Uhren anders als in (Nord)-Indien. Nicht nur, dass meine eh’ schon kurze Nacht im Flieger von einem übereifrig eine halbe Stunde zu früh landenden Piloten schon um 3:45 Uhr auf Colombo’schem Boden endete. Nein, alles ist anders, wenn man gerade aus z. B. Delhi kommt. Die Leute lächeln Dich an, kaum einer will Dich übers Ohr hauen sondern gibt ehrliche richtige Antworten, es liegt kein Müll und Scheiße auf der Straße, es hupt kaum jemand und am Fahrkartenschalter des Bahnhofs muss man nicht anstehen.

Zugfahrkarten kaufen ist auch keine hochkomplexe und langwierige Angelegenheit wie in Indien, sondern man bekommt kleine Kartontickets mit Prägestempel wie ich sie noch aus meiner Kindheit von der Deutschen Bundesbahn kenne.

Stromrechnungs-Brötchen

günstige Brötchen in teurer Verpackung

Du kannst Deinen ersten Tag in Sri Lanka kaum besser beginnen als mit einem scharfen Gebäckstück aus der aus der letzten Stromrechnung selbstgebastelten Brötchentüte, das Dir fast den Gaumen wegbrennt. Die Sri Lankische Küche ist angeblich noch schärfer als die indische. Da hilft es kaum, auf der ganzen Fahrt die erfrischenden Wellen des Ozeans praktisch bis an die offene Zugtür gespült zu bekommen.

Zug mit Meerblick

Die Wellen spülen fast die Kakerlaken aus dem Waggon

Die offenen Türen sind äußerst praktisch, wenn man beim eh’ sehr langsam fahrenden Zug bemerkt, dass Dein Zielort gerade hinter Dir lag, aber der Zug nicht im Bahnhof angehalten hat, sondern ein paar Meter dahinter. Also Rucksack geschnappt und wie ein alter Landstreicher aus dem rollenden Zug auf die Gleise gesprungen.

Der Sprung lohnt sich, wenn das Ziel Mirissa heißt. Schöner entspannter kleiner Ort mit schönem Strand, lecker Fisch und gefährlichem Arrack – einem Branntwein aus Kokosnuss. Hier ranken sich die Lichterketten an den Palmen empor, aus den Boxen aller Strandbars dröhnt Reggae und zwischen den für’s Abendessen ausgestellten Fischen auf Eis spielen die Rastamänner Cricket. Wunderbar entspanntes Leben.

Postamt in Mirissa

der stumme Postbeamte

Sogar die Postbeamten scheinen sich ein entspanntes Leben zu gönnen: Schalterstunden sucht man bei diesem Post Office vergeblich… Vielleicht sitzen sie ja auf den für diese Region typischen Pfosten im Wasser und fischen den Ozean leer. Da musst Du echt die Ruhe weg haben, um stundenlang auf so einem Pfahl zu sitzen. Immerhin kann man auch Geschwindigkeit erleben und mit den Sebastian-Vettel-Fanclub-Busfahrern die Region erkunden. Die fahren fast alle barfuß und weil wahrscheinlich das Bremspedal irgendwie zwickt, lassen sie den Fuß lieber auf dem Gas.

Pfahlsitzende Angler

Nur nicht einnicken beim Angeln…

Wenn’s dann doch mal ein bisschen Kultur sein darf. Jede Menge liegende Buddhas in Mulkirigalla, ein verschlafener Tempel mit reinlichen Mönchen in Matara oder ein altes holländische Fort in Galle bieten ein bisschen Abwechslung vom Strandgefaulenze.

reinlicher Mönch beim Waschtag

definitiv kein Fall für den Weißen Riesen

Tierischer Verkehr in Indien

Dass einem Elefanten auf der Straße entgegenkommen, ist mir ja seit Nepal nichts Neues.

Ziege im Bus

Verkauf von ganz frischer Ziegenmilch im Bus

 

Auch, dass gelegentlich Tiere wie Ziegen, Hühner & Co mit im Bus sind und den Kopf auf Deinen Schoß betten ist nicht wirklich neu. Kamelkarren in der Großstadt, Miniaturesel als Müllabfuhr und natürlich rumliegende Kühe als Verkehrsinsel runden dagegen das Bild noch ab. Und wenn man sich so manchen Verkehrsteilnehmer auf zwei Rädern anschaut, könnte man meinen, dass hier jeder Affe ein Motorrad fahren darf.

Affe auf Vespa

da wundert einen nichts mehr im Straßenverkehr

Motorräder oder Vespas haben den großen Vorteil, dass man ohne jegliches Beachten von roten Ampeln, Fahrtrichtungen oder Verkehrspolizisten mit Vollgas in einen Kreisel fährt und dabei trotzdem aufgrund der Wendigkeit nicht wie die vielen Hunde plattgefahren auf dem Asphalt landet. Busse fahren übrigens auf der quasi Autobahn auch gerne mal ein Stück gegen die Fahrtrichtung, wenn der „Rasthof“, bei dem der Fahrer die Provision für den Mittagessen-Stopp kassiert, gerade auf der falschen Seite liegt. Und trotzdem habe ich keinerlei Unfall gesehen.
Aber ich habe tatsächlich irgendwo auch Ampeln gesehen. Die haben auch rot angezeigt, aber natürlich hat es niemanden interessiert. Genauso wenig, wie es die Mopedfahrer interessiert, was denn der Verkehrspolizist in der Mitte der Kreuzung anzeigt.

Auto-Rikshaw Ahmedabad

Im Schneidersitz kann man auch Rikshaw fahren

Diszipliniert wird so lange gewartet, bis die Masse denkt, dass es jetzt dann doch Zeit wird zu fahren und losfährt. Der Verkehrspolizist reagiert dann mit ca. zwei Sekunden Verspätung und gibt diese Richtung dann aufgezwungenermaßen frei. Dabei wird auch fast alles auf dem Moped transportiert. Ob Bürostühle auf dem Kopf, senkrecht gestellte Leitern oder ganze große Fensterglas-Platten, alles kommt sicher an in diesem geordneten Chaos.

Zugfahren in die indische Wüste

kein Gefangenentransport in die Wüste – normale Zugfahrt in die Wüste

Zugfahren hat auch was Archaisches und Anarchisches. Zumindest in der Sleeper-Class, wo man nicht wie im Klimaanlagen-Wagen halbwegs saubere Liegen, Bettwäsche und keine Händler hat. Dort tummeln sich ganz viele Leute und meistens auch mehr, als dort sitzen bzw. liegen sollten. Können tun sie es aber. Dann legt man sich einfach in die Kniekehlen der Touristen, die mit angewinkelten Beinen auf der Pritsche liegen, weil sie zu lang für indische Zugbetten sind und ständig irgendjemand im Gang gegen die Füße stößt. Oder man legt sich einfach zwischen die sich gegenüberliegenden Bänke. Gelegentlich gibt’s hand- und faustfesten Streit und Geschrei, und anscheinend geht’s auch mal weiter – was ich leider nicht persönlich gesehen, aber erzählt bekommen habe: Als jemand zu arg gedrängelt hat – so was gibt’s tatsächlich auch bei Indern – wurde er im handfesten Streit von der Masse einfach waagerecht aus dem einzig unvergitterten Fenster auf den Bahnsteig geworfen.

Kuh auf Bahnsteig

Da steht ’ne Kuh auf’m Flur….

Da hat die Kuh auf dem Bahnsteig wahrscheinlich noch ein bisschen dümmer drein geschaut, als sie es eh’ oft machen.
Wem nun angesichts solcher Verhältnisse der Angstschweiß auf die Stirn tritt, kann sich aufs stille Örtchen zurückziehen und sich von der modernen Ablufttechnik vor Ort etwas abkühlen lassen.

Ventilator-Klo

Eine starke Brise gegen das laue Lüftchen

Schweißperlen kann einem auch das Buchungssystem mit sieben verschiedenen Klassen verursachen, wenn man denn überhaupt zum Schalter kommt. Die bittere Armut sorgt dafür, dass man vor allem früh morgens kaum über den Bahnhofsvorplatz laufen kann, weil er komplett voll mit schlafenden Menschen ist.

Zugklo in Indien

bei dieser „Insellösung“ könnten die Füße sogar trocken bleiben

Warum die Menschen bevorzugt IM Bahnhof aufs Zugklo gehen, bleibt mir weiter ein Rätsel. Vielleicht weil es nicht so schaukelt und man besser genau das Loch trifft und sich dann vielleicht seinen Haufen mit voller Stolz anschauen kann. Wenn nicht die Ratten schneller sind. Wobei… irgendwann kommt tatsächlich auch mal einer mit einem großen Tank und einem Kärcher vorbei und duscht die Ratten, die sich gerade am Haufen vergnügen. Aber dem Geruch am Bahnsteig nach zu urteilen, hatte er die vier Wochen vorher Urlaub…

 

Chaos und Abgründe – Verkehr in Nepal

Wenn das erste und einzige Lied, das Du nach einiger Fahrzeit aus den maroden Boxen des Touristenbusses –

lokaler Bus in Nepal

alle Mann an Deck des Local Bus!

der immerhin nur so viele Menschen mitnimmt wie es Sitze gibt und keiner auf dem Dach mitfährt wie bei den lokalen Bussen – „Highway to Hell“ ist, machst Du Dir noch keine Gedanken. Auch wenn die Straße sich vorher spektakulär den Hang von Kathmandu runtergewunden hat oder Dir ein Bus ohne Windschutzscheibe entgegenkommt – noch kein Grund zur Beunruhigung. Wenn dann aber 3 Minuten später passend zum Lied einer dieser fahrenden LKW-Schrotthaufen umgekippt am Straßenrand kurz vor dem Abgrund liegt, kannst Du beim nächsten Halt schnell noch ein Nervositätspipi in die in den steilen Hang reingezimmerte Pinkelrinne machen. Frauen hatten leider Pech, da kein richtiges Klo in den Abhang gebaut werden konnte. 

Trotz der Serpentinen gab’s nicht wie in Myanmar regelrechte Reiherorgien. Noch nicht einmal die fehlenden Stoßdämpfer – die einen bis zu 30cm vom Sitz abheben lassen, wenn man wie ich auf der hintersten Bank saß – vollbrachten Magenumstülpungen. Vielleicht liegts ja an der guten Luft durch modernste Klimaanlagen-Technik im guten Touristen-Air-Condition-Bus.

AC-Bus

modernste Technik im (versprochenen) Air-Condition-Touristenbus

Auf die große Straße wagen sie sich zum Glück nicht mit den dreirädrigen Bussen aus dem Stadtverkehr. Die können – wie die lokalen Busse auch – eine gute Schräglage fahren, weswegen ich auf auf Langstrecken auf beide verzichtet habe und stattdessen etwas mehr in die ein klein wenig mehr vorhandene Sicherheit der Touristenbusse investiert habe.

Ein großes Problem ist, dass liegengebliebene Laster oder Busse einfach so auf der Straße stehen bleiben. Es wird nur hinten und vorne ein frisch vom Strauch gerupfter Ast dran gesteckt – quasi als Ersatz für Warnblinker und Pannen-Dreieck. Manchmal sind sie aber auch gar nicht kaputt, sondern machen nur ein Päuschen – z. B. um die Eier quasi schon vor dem Legen abzuschrecken: Ein LKW legte mitten auf der Strecke eine Pause ein, damit der Fahrer auf den Laster steigen konnte und die Tausenden von Hühnern im Gitteraufbau von oben mit Wasser übergießen konnte, damit sie vor Hitze und Staub nicht draufgehen.

Ziege auf Motorrad

hier ist blöde Ziege im Straßenverkehr keine Verkehrswidrigkeit

Motorräder – mal mit Ziege auf dem motorisierten Bock und auch gerne mal mit fünf Leuten drauf – quetschen sich auf Landstraßen genau zwischen zwei sich entgegenkommenden Lastern durch und im Stadtverkehr geben sie mächtig Gas, um die in den verstopften Gassen wandelnden Fußgänger verschreckt zur Seite springen zu lassen. Fahrräder bleiben dabei manchmal auch auf der Strecke, obwohl sie sowieso eigentlich eher als Transportmittel denn als Fortbewegungsmittel genutzt werden. So werden damit z. B. ca. 1000 Eier in Eierkartons, Milch oder auch gute 120 Liter Wasser in Eimern und Kanistern transportiert. Manchmal werden die Fahrräder aber auch als Verkaufsstände – so wie bei diesem „Metzgereifachgeschäft“ – genutzt.

Schwein auf Fahrrad

Schweine – diesmal nicht im Weltall

Manchmal verstopfen sie die Straßen dann recht mutwillig noch mehr. Entweder durch die Prozessionen wie im Kapitel Kathmandu erwähnt oder durch den derzeit stattfindenden Wahlkampf, wo sie mit allen fahrbaren Untersätzen die Symbole ihrer Partei durch die Gegend fahren. Symbole für diejenigen, die nicht lesen können, werden auf unzähligen Fahnen abgebildet und an allen auffindbaren fahrbaren Untersätzen befestigt. So kann auf der gesamten Strecke jeder sehen, wo er sein Kreuzchen – z. B. bei der Partei mit dem Baum oder der mit dem Regenschirm – machen soll.

Völlig unbeeindruckt von all dem Chaos im Straßenverkehr bleiben lediglich die Elefanten mit ihren Reitern. Im Chitwan National Park und den umliegenden Dörfern begegnen einem fast mehr Dickhäuter als Fahrräder im Straßenverkehr. Ein doch recht überraschendes Bild, das sich einem da bietet.

Elefanten im Straßenverkehr

Achtung – es kommt Ihnen ein Elefant entgegen

Mehr als Sushi und Teppanyaki – Japan kulinarisch

Es wäre absolut nicht fair, Südkorea ein Kapitel übers Essen zu widmen und der deutlich besseren Küche in Japan dieses zu verwehren. Daher jetzt ein kleiner Blick über den Sushi-Teller-Rand hinaus, zumal ich über Tokyo außer abgefahrenen Leuten und fahrendem Sushi nicht viel erzählen kann. Muss beim nächsten Japan-Urlaub näher erkundet werden, denn ich komme definitiv wieder in dieses Land.

Automaten in Japan

Cordon Bleu oder Eis – schwere Entscheidungen

Und das nicht nur wegen der Automaten, aber auch…

Denn Pommes, Cordon Bleu oder Nudeln habe ich noch nicht aus dem Automaten gegessen.

Lediglich quasi-automatisch habe ich warmes Essen gekauft. Denn in manchen Restaurants wählt man erst sein Gericht am Automaten nach Optik, Größe und Preis aus, bezahlt dann und bringt den Zettel zum Koch. Der bereitet das dann mehr oder weniger frisch – je nach Fast-Food-Level kommt Dein Essen auch schon nach 10 Sekunden. Und da waren sie dann wieder die kalten Nudeln…

Nudeln gibt es in allen Varianten – Udon, Ramen, Koto oder wie auch immer sie heißen. Dick, dünn, rund, flach – aber meistens in einer manchmal dünnen, manchmal kräftigen Brühe und je nach Belieben Fleisch, welches aber auch gerne nur Fett oder Magen sein kann.

Die Nudeln im Hot Dog hatten wir ja schon im Kapitel „Kyoto – ich bin dann mal ausgetempelt“, aber hier der Beweis, dass ich sie auch probiert habe.

Nudel-Hotdog

in action – Hot Dog mit Nudeln und Ingwer

Was uns auch gleich zum Essen in Covenience-Stores bringt. 7Eleven – was übrigens eine japanische Erfindung und Gründung ist – und seine Konkurrenten bieten eine erstaunliche Auswahl von Chicken-Cordon-Bleu über Wurst am Stiel und sehr ordentliches Sushi bis hin zu nicht sehr appetitlichen Suppen und erstaunlich vielfältig bestückten Bento-Boxen. Wem’s nicht schmeckt, kann das mit allen möglichen Getränken runterspülen. Vorsicht vor den Alkopops mit Shoshu drin, die bringen einen schnell in einen lustigen Zustand. Auch bei der Wahl des Regals muss man aufpassen. Wenn Du denkst, Du greifst eine Dose Eiskaffee, kann es sein, dass Du statt ins Kühlregal ins Heizregal fasst und Dir die Finger an der Dose verbrennst.

Aufpassen musst Du dann auch in den Kneipen – den Izakayas –, wo Du an der Bar Dein Essen bekommst. Hier gibt’s kleine Spießchen mit Hühnerherzen und –magen, Sojabohnen zum Auszutzeln, Schweinemagenröllchen und gelegentlich auch ein Gericht, das Du Dir selber auf dem Camping-Kocher zubereitest. Immer schön mit Stäbchen wenden, bis das Hühnchen gar ist.

Hühnchen auf Campingkocher

Beim Wenden nicht die Ärmel abfackeln…

Verbrennen kann nichts bei den Sushi-Profis. Selbst wenn sie Dein Kalbssushi mit dem Bunsenbrenner andünsten.

Kalbssushi

Kalbsfilet à la Bunsenbrenner

Sushi gibt’s ansonsten auch noch mit Roastbeef, Rogen, rohem Tintenfisch und Zahnaal. Am lustigsten ist es natürlich auf dem Fließband.

Running Sushi

roher Oktopus, Zahnaal und irgendein Plattfisch – alles frisch vom Band

Fast so lustig ist es, Fließbandmuster mit dem Mayonaisen-Spender auf Dein Okonomiyaki zu zaubern.

Okunamiyaki

Das Muster verbessert die Optik nur marginal – schmeckt aber gut

Das ist eine Art Omelett mit Nudeln und Füllung Deiner Wahl. Gerne dazu einen Sake – ob kalt oder warm – oder auch einen Pflaumenwein mit eingelegter und entsprechend alkoholisierter Pflaume drin. Letztendlich läuft’s dann meistens darauf raus, dass Du irgendwann am Ende des Abends noch mal in einem der Automaten-Fast-Food-Läden vom Anfang landest.

Und als Dessert kannst Du Eiscreme auswählen, die Du so nicht kennst. Meist Softeis – aber in den Geschmacksrichtungen Mango-Apfel, Grüntee oder Sojabohnen. Mal was anderes… genauso wie KitKat Wasabi. Das war dann doch auch für mich zuviel, der sowohl KitKat als auch Wasabi liebt.