Sternstunden in Albanien

Apropos über die Grenze gebracht. Wenn das erste, was Du auf Albanischer Seite entgegen geschmettert bekommst, ein fröhliches Heil H…  ist, fragt man sich, was noch so kommen mag. Aber es kommt ja meistens ganz anders als man denkt…. Freundliche Tankwarte, salutierende Polizisten, Menschen die einem vorausfahrend mit einem Umweg den rechten Weg durchs Verkehrschaos von Tirana zeigen, viele lächelnde Menschen und sonstige Sternstunden.

Sternstunden im mehrfachen Sinn: Zum einen, weil in Albanien seit Genehmigung privater PKWs anscheinend fast nur Mercedesse verkauft wurden und zu einem gefühlten Marktanteil von 75% geführt haben und zum anderen, weil das Kinderheim, zu dem wir unsere gesammelten Spenden fahren, Sternstunden heißt. Toll, was Schwester Almuth dort in Elbasan leistet.

Eine Riesen-Überraschung war die sensationelle Qualität der Straßen, die dann aber bald in Klischeehaftigkeit umschlug. Mit dem Eselskarren kommt man besser durch die  Monsterschlaglöcher, die einem dann als kleiner Überraschungs-Authentizitäts-Streckenabschnitt kurz vor der Hauptstadt geboten werden. Prädikat besonders wertvoll würde hier eine Niveau-Regulierung bekommen, wenn man denn noch eine hätte. Wobei… auch den Audi hat’s erwischt. Effekt waren erste Reparaturen am Auspuff, von Annika mit Bravour in echter McGyver-Manier mit Kleiderbügel und Zuhilfenahme der praktischerweise vom Organisationskomitee ins Auto gelegten Dachziegel gelöst.

Wofür Dachziegel noch alles gut sind...

Wofür Dachziegel noch alles gut sind…

Improvisation ist auch sonst auf der Strecke gefragt. Nicht nur weil man ständig Eseln, Ziegen, Schlaglöchern in Brunnentiefe oder Wildschweinen ausweichen muss, sondern auch weil die Regel, dass man auf der Rallye keine Autobahnen benutzen darf, zu sehr spontanen und unnötigen Pausen führt: 2 Stunden Pause wegen Staudammbau. Die Schranke wird leider erst um 12:00 wieder geöffnet – sehr praktisch auf der Durchgangsstraße nach Griechenland. Und da waren dann die nächsten zwei Stunden am A…

Wenigstens hatten wir noch genug Benzin. Im dichten Wald der Millionen verschiedenen Tankstellen-Unternehmen in Albanien, kann man schon mal den Durchblick verlieren. Gut, wer da auf autarke Eselskraft setzt und den Mineralölkonzernen die Stirn bietet.

Laste-Esel

der 1PS-LKW

Advertisements

Allgäu-Orient-Rallye – Mit dem Stern nach Bethlehem und weiter

Der Sieger bekommt ein Kamel. Darüber lachen dann spätestens alle. Oder geben Dir den endgültigen Stempel „Verrückter!“. Aber da man aufgrund unendlicher Zoll- und Quarantäne-Bestimmungen bei der Einfuhr nach Deutschland scheitern würde und dann noch dazu in der Heimat eh’ nichts mit dem Viech anfangen kann, wird es traditionell einem Start-Up-Beduinen gespendet. Auch wenn die meisten fragen, ob wir es dann auf den Grill legen, wenn wir mit unserem Team Nah-am-Rosten wider Erwarten die Allgäu-Orient-Rallye doch gewinnen sollten.

Stuhlgang mit Stil

Stuhlgang mit Stil

Aber darum geht’s uns ja gar nicht. Der Olympische Motorsportgedanke ist der, der zählt: Ankommen ist alles. Aber das mit Stil: In unserem Team gibt es mobile Klohäuschen, beleuchtete Michelin-Männchen auf dem Dach, NSA-würdige Funkgeräte- und Suchscheinwerferausrüstung in jedem Teamfahrzeug, Kofferraum-Duschkabine und Warmwasseraufbereitung unter der Motorhaube und nicht zu vergessen: Blaulicht und Martinshorn auf einem Auto, das uns den Weg frei boxen kann – also wird’s vielleicht ja doch was mit dem Kamel…

So wie anderenorts Witze anfangen – „Stehen ein Katholischer Priester, ein Imam und ein evangelischer Pfarrer auf der Bühne und …  – fängt im Allgäu eine Rallye an.  Wahrscheinlich nicht so arg viele Menschen durften in ihrem Leben schon mal an einer interkonfessionellen Fahrzeugsegnung teilnehmen. Das war schon fast so spirituell wie die Auto-Segnung in Copacabana am Titicaca-See oder das blutige Autosegnungs-Massaker in Nepal.

Und wenn man so will, gab’s sogar Weihwasser. Um ans Roadbook der Rallye zu gelangen, wurde es feucht-fröhlich. Ganz im bajuwarischen Stil – zwar nicht mit Maßkrug aber dafür mit Bierbank. Zumindest für die, die das Köpfchen nicht richtig eingesetzt hatten. Wer drei Fragen richtig beantwortet hatte, durfte mit dem Tret- oder Ruderboot zum gegenüberliegenden Ufer des Alpsees. Wer nicht, musste auf einer Bierbank rüberpaddeln oder gleich schwimmen. Anfang Mai in einem Alpsee ein wahrlich kurzes Vergnügen.

Quasi ein Ruder-Roadbook

Quasi ein Ruder-Roadbook

Aber hochoffiziell, international und interkulturell geht’s auch zu. Das beschauliche Allgäu-Städtchen verwandelt sich trotz aller Hoch-Die-Tassen-Abschieds-Apres-Ski-Party-Atmosphäre ab dem Morgen des Starts in einen Schmelztiegel der Emotionen: Über die abenteuerlichen Rallyefahrzeuge mit Bobby Cars und Plüsch-Kamelen auf dem Dach staunende Kurgäste, vom ewigen Fanfaren- und Martinshorn-Geprahle trotzdem noch ungenervte Einheimische, aufgeregte Familienmitglieder und noch aufgeregtere Fahrerteams, denen sogar die Schrottkisten schon auf der Startrampe im Festzelt abgesoffen sind. Wahrscheinlich aus Schreck, was das Organisationskomittee noch alles in die eh’ schon völlig überladenen Autos gepackt hat.

So gibt es zahlreiche Sonderaufgaben, für die man das Material durch halb Europa fahren muss. Teils nur ein Holzpfahl, von dem es hieß „Vielleicht braucht Ihr ihn, vielleicht auch nicht“, teils aber auch massiv schwere Dinge wie Dachziegel fürs Allgäu-Orient-Rallye Jugendzentrum in Istanbul. Dazu noch Dinge wie Knete für die Kühlerfiguren der selbstgebastelten Seifenkisten für das Seifenkistenrennen vor der Blauen Moschee. Die Bretter dafür mussten auch noch aufs Dach, die Räder müssen wir unterwegs besorgen. Wenigstens haben sie uns das Tauschmaterial dafür auch gleich mitgegeben: ein Six-Pack Allgäuer Bier, das im Zeichen der Völkerverständigung gegen Seifenkistenräder getauscht werden muss.

Lustig werden die Fotobeweis-Sonderaufgaben später außerhalb des Schengenraums sicher auch noch. Denn die meisten Grenzbeamten von Albanien bis Jordanien finden es ja eigentlich gar nicht so lustig, wenn irgendwelche Bekloppten von sich und den Grenzschildern Selfies machen…

Darüber machen wir uns aber derzeit noch keine Gedanken und erfreuen uns an der kreativen Schilderpraxis Italiens:  innerhalb von 253m Wegstrecke sind es wahlweise noch 38, 40 oder 47 km bis nach Triest.

In Kürze folgen weitere Berichte, aber mit dem Internetzugang ist es noch ein bisschen schwer. Wir fahren mit unserem Mercedes-Stern nach Bethlehem und die Erfahrung mit Reisestress und wenig Internet-Zugang haben vor gut 2000 Jahren auch schon andere gemacht… Daher bitte ein wenig Geduld…

Die Südinsel – für jeden Geschmack was dabei

Der Wind, der einem in Wellington um die Nase bläst, bildet sich in der Cook Straight. Wahrscheinlich wollen sie ihn im Süden loswerden. Das versuchen sie mit dem Regenwetter auch und zum Teil haben sie es schon geschafft. Vor einigen Millionen Jahren hat irgendeiner mal eine natürliche Mauer hochgezogen und seitdem bleibt der Regen an der Gebirgskette hängen und beschert z. B. dem Milford Sound eine jährliche Regenmenge von 7 Metern! Da sind sie im Osten froh drüber und „verschandeln“ praktisch die ganze Landschaft mit Weinbergen. Lecker. 

Dort, wo die Natur noch den Kühen, Schafen und Hirschen überlassen und somit für Grillgut und Käse zum Wein gesorgt wird, kämpfen sie um das Überleben der natürlichen Futterquellen. Und so kann man Gespräche führen, die so beginnen: „Ich arbeite im Naturschutz.“ „Was machst Du denn da?“ „Ich töte Possums.“ Nachdem die Viecher zwar wahnsinnig niedlich sind, aber ebenso wie die Hasen Unmengen von Vegetation wegfressen, werden sie gejagt und zu Pelzmützen verarbeit. Ein einträgliches Geschäft für die Jäger und Sammler – sofern letztere davon in sofern profitieren können, dass die Possums nicht ganz plattgefahren rumliegen, weil sie als natürliche „Speedbumps“ genutzt werden.

Nicht so einträglich ist es wohl, heutzutage noch nach Gold zu schürfen. Trotzdem sieht man in Arrowtown gelegentlich Touristen mit Goldwäscher-Pfannen im kalten Fluss stehen. Dabei kann man dort sehen, wie weit man damit kommt, wenn man nur noch Reste-Schürfen darf: Die Ruinen der „Siedlung“ der während des Goldrauschs in den 1860er Jahren ins Land geholten chinesischen Glücksritter zeigt, wie ärmlich sie in dieser kalten Region in einfachen Steinhütten und -höhlen leben mussten. Da geht man heute lieber in eines der ältesten Steinhäuser – den ehemaligen Stallungen– in dem sich heute das Restaurant „The Stables“ befindet und wo man sich das leckere Mac’s Gold reinziehen kann. Flüssiges Hopfen- und Malz-Gold ist deutlich weniger anstrengend.

Paraglider Queenstown

Luft-Adrenalin über Queenstown

Anstrengend lieben sie es in der Nachbarstadt Queenstown. Oder besser gesagt, anstrengend und aufregend. Kaum ein jugendlicher Adrenalin-Junkie, der nicht waghalsig mit dem Mountainbike durch den Wald brettert, sich vom Berg stürzt, sich auf von einem Jet-Ski betriebenen Wasserdüsen auf den See stellt oder mit einem künstlichen, auf- und ab-tauchenden Hai-Jet-Ski die Steh-Paddler erschreckt.

Wer es etwas beschaulicher mag, ist auf der Südinsel trotzdem gut aufgehoben – in den Kirchen. Hier gibt’s für alle das passende:

–          Kirche mit Seeblick hinter dem Altar

Kirche mit Ausblick

Falls die Predigt langweilig ist – einfach drüber hinwegsehen

–          Freiluftgottesdienste, weil die eigentliche Kirche dem Erdbeben zum Opfer gefallen ist

Open-Ar-Kirche in Christchurch

Bei diesem Gottesdienst ist man dem Himmel ganz nah

–          Kirchen, die zu einer Bar umfunktioniert wurden

Free House Nelson

Bier und Kunst-Kakerlaken in der Ex-Kirche von Nelson

–          Kirchen, die endlich mal mitdenken und Kinder ruhigstellen

Krabbelkiste in Nelson Kirche

Rasseln statt quengeln im Gottesdienst

Ruhiggestellt ist leider auch Christchurch. Das Erdbeben vom 22.02.2011 hat tiefe Wunden in der Stadt hinterlassen und lässt sie manchmal sogar ein bisschen wie eine Geisterstadt erscheinen. Die vielen Parkplätze waren halt vor drei Jahren noch Wohnhäuser. Wenigstens wurde der Sinn für Humor noch nicht begraben. Wenn frau in Ruhe shopen gehen will, kann sie hier ihren Mann in der Männertagesstätte (= Kneipe) abgeben.

Männertagesstätte in Christchurch

damit auch die Männer nicht quengeln…

Unterwegs in Neuseeland – entspannt geht vor

Man könnte ja meinen, dass beim Verhältnis von 4 Millionen Menschen zu 40 Millionen Schafen ständig eine Herde über die Straße läuft, aber außer plattgefahrenen Possums sieht man erstmal wenige Tiere auf der Nordinsel. Viele Kühe, aber bis zu meinen ersten Schafen hat es eine Weile gedauert. Fast so lange wie bis zu meinem ersten Klavier an einer Kreuzung, das ich überhaupt jemals im Straßenverkehr gesehen habe. Einige weitere folgten mit der Bitte „Play Me!“. Warum sie da stehen, weiß ich allerdings noch nicht.

Klaviere auf Neuseeländischen Straßen

Klimperkasten zur freien Verfügung

Ebenso wenig, wie man sein Café am Straßenrand „Hot Pipi Café“ nennen kann, aber es ist wohl vor allem eine andere Sprache, die das normal erscheinen lässt. Normal scheinen auch Mini-Flughäfen zu sein, die lediglich aus einer gräsernen Rollpiste und einer kleinen Hütte bestehen. Aber immerhin alle 50 km zu sehen sind. Sie lieben es klein und detailliert. Hat man einen Flexipass der InterCity- oder NakedBus-Gesellschaft wird man vom freundlichen Fahrer sogar am Hostel abgeholt oder abgesetzt. Muss man allerdings wissen, denn wenn man im Internet bucht, stehen die Hostels nicht – wie man vielleicht vermuten könnte – unter dem Ortsnamen, sondern unter dem Hotelnamen. Verwirrend. Genauso verwirrend ist es, dass man auf den vorderen Sitzen im Bus Gurte hat und die auch anlegen muss, im hinteren Teil dann aber keine mehr. Ob dann bei einer Polizeikontrolle die hinteren auch die 150,-$ Strafe für’s Nichtanschnallen zahlen müssen, weiß ich auch wieder nicht.

Beim Tanken gibt’s hier nicht nur Benzin und sonstige Dinge, die Du auch spät in der Nacht noch in Deutschlands Tanken bekommst. Hier merkt man, dass die Neuseeländer gerne draußen sind. Denn vor der Tür steht die große Truhe mit Ködern und falls die Köder und das Anglerglück gut waren, kann man sich gleich noch das Eis zum Einlagern des frischen Fangs ins Auto laden.

Neuseeländische Tankstelle

Eis und Würmer – tanken was das Anglerherz begehrt

Besonders gerne laufen die Neuseeländer barfuß. In allen Städten sieht man sie. Eine Reise-Bekannte aus Neuseeland meinte sogar, sie hätte im Alter von 12 Jahren zum ersten Mal Schuhe angehabt. Dass das aber durchaus Probleme geben kann, sieht man, wenn man an Bord eines Flugzeuges gehen möchte. So hatte ich in Vanuatu eine ganze Familie gesehen, die sich von irgendwoher noch schnell ein paar Flip-Flops besorgen musste, weil sie sonst nicht an Bord durften.

Kein Problem mit barfüßigen Fahrern darf man haben, wenn man die beliebteste Art zu reisen wählt: Trampen. Wer per Anhalter unterwegs ist, wird in Neuseeland meist recht schnell mitgenommen, lernt eine Menge über Land und Leute und bekommt oft auch noch eine kleine Sightseeing-Tour oder gar eine Übernachtungsmöglichkeit kredenzt. Sehr vielseitig also, was man von den Brücken hier nicht behaupten kann. Sie haben meist noch nicht mal zwei Fahrspuren, sondern einer muss immer warten, bis das entgegenkommende Fahrzeug drüber ist. Ob man mit einer halb-breiten Brücke soviel Geld sparen kann, weiß ich ja nicht…

Eine ziemlich breite Brücke haben die Fähren zwischen der Nord- und der Südinsel. Wahrscheinlich, damit der Käptn die tollen Ausblicke bei der Fahrt durch die Fjorde und Sunde der Südinsel bei Picton genießen kann.

Hafeneinfahrt von Picton

zum Glück kein italienischer Kapitän am Werk – da kann nichts schiefgehen

Unterwegs in Vanuatu – von Schlaglöchern und Zeitlöchern

Buggy auf Efaté

Buggy fahren macht rundum glücklich

Wie im vorherigen Bericht geschrieben, ist es ein lustiges aber auf die Dauer fast schmerzhaftes Erlebnis, wenn man mit einem offenen Buggy durchs Land fährt. Nahezu jeder, der am Straßenrand wandert, möchte Dich im Fahren abklatschen.

Immerhin passen hier auf den Asphaltstraßen auch Menschen neben die Autos. Auf den schmalen Dreck- und Aschstraßen auf Tanna sind die Schlaglöcher und die vom Regen ausgespülten massiven Regengräben so immens groß, dass man hier wahrscheinlich über darin liegende Menschen drüberfahren könnte. Immerhin öffnet sich das Ganze kurz vor dem Vulkan in einen riesigen Allrad-Verkehrsübungslatz. Der Allradwagen sollte nach Möglichkeit ein Pick-Up sein, denn anscheinend ist die bevorzugte Reise-Art der Ni-Van die, auf einem Pick-Up stehend durch die Gegend zu fahren.

Vulkan-Allrad

Nürburgring ist nicht die einzige Rennstrecke in vulkanischen Gebiet

Wenn sie nicht mit Bussen fahren. Diese Busse sind allerdings eigentlich nur Mini-Vans, die man auch überall anhalten kann, um dann dem Fahrer zu sagen, wohin man möchte. Nach Möglichkeit sagt man das einem Fahrer eines leeren Busses. Denn er bringt erst einmal alle bereits drinsitzenden Fahrgäste genau dort hin, wohin die wollen Und so könnte eine Fahrt von eigentlich 10 minütiger Wegstrecke auch gerne mal 2 Stunden dauern, da dort dann auch noch ein kleines Schwätzchen mit dem Nachbarn des Passagiers gehalten wird. Getankt wird übrigens auf Tanna mitten im Wald. Zapfsäulen, Nichtraucher-Zeichen und Kassenhäuschen sind dabei völlig überbewertet.

Tankstelle auf Tanna

das Benzin ist im Schuppen rechts…

Gerne erschrecken die Einwohner ihre vorbeiflanierenden Freunde auch mit einem unvermittelten Anschreien. Das steht dann wiederum im krassen Gegensatz zum Verhalten im Flugzeug, in dem alle nur flüstern. Warum das so ist, habe ich keine Ahnung. Vielleicht damit die Stewardess mit den Blumen im Haar – mit denen sie vermutlich gegen den auf nicht-gewaschenen, aber dafür einfach gewendeten T-Shirts beruhenden Schweißgeruch ankämpfen wollen – zu verstehen ist. Aber nur in den großen Fliegern. In kleineren Flugzeugen gibt es weder Stewardessen noch funktionierende Lautsprecher, durch die man die Ansagen des Kapitäns hören könnte. Dafür ist die Gepäckausgabe durchaus überschaubar.

Gepäckausgabe in Vanuatu

Gepäckbänder sind sowas von überflüssig

Mit diesen kleinen Maschinen zu fliegen ist besonders lustig … wenn man sie denn rechtzeitig erreicht. Denn das ist aufgrund der entspannten Art der Einwohner nicht immer garantiert. Bei meinem für 15:00 geplanten Rückflug meinten alle „Ah, der Nachmittagsflug. Kannst um 3 einchecken“. Als um 14:20 immer noch keiner aus meinem Resort zu sehen war, dem ich erstens meine Rechnung bezahlen konnte und der mich zweitens zum Flughafen fahren könnte, beschloss ich, die vier Kilometer zu laufen, was auch schon recht knapp geworden wäre. Denn der Flug ging wirklich um drei und nicht erst wie sonst üblich irgendwann mal, weil wir ja so relaxt sind. Um 14:40 kam ich am Flughafen an. Schnell Gepäck abgegeben, mich selber auf die Waage gestellt, zwei Minuten in der Wartelounge (Sicherheitskontrollen gibt’s auf Vanuatu für Inlandsflüge nicht), dann am Ananas in sich reinstopfenden Piloten auf dem Rollfeld vorbei in die Maschine mit freier Platzwahl – und um 14:55 abgehoben.

Ich weiß gar nicht, was in dem Flieger dann am beunruhigendsten war: Die ausgefallenen Lautsprecher, die zuerst auf chinesisch und dann erst auf englisch beschrifteten Ausgangsschilder oder dass der Co-Pilot die neuesten Cricket-Ergebnisse in der Zeitung nachlas.

zeitunglesender Pilot

über den Wolken muss die Pressefreiheit wohl grenzenlos sein

Nemo, der heilige Geist und ein zorniger Vulkan – Vanuatus Bewohner sind die glücklichsten Menschen der Welt

Kommt man in Port Vila an, glaubt man es nicht auf Anhieb, dass die Ni-Van einige Male in Folge zu den glücklichsten Menschen der Welt gekürt wurden. Zumindest sagt es so der Lonely Planet. Aber der sagt auch, dass der Besuch der langweiligsten Höhlen, die ich bislang irgendwo gesehen habe, auf der Hauptinsel Efaté ein Muss seien. Immerhin gibt es auf der Insel Asphaltstraßen und Strom, aber zumindest in der Haupt“stadt“ Port Vila war erstmal nicht so viel von lächelnden Menschen zu sehen. Aber wenn man einmal mit einem offenen Buggy um die Insel fährt, bekommt man es dann aber mit. Genauso wie auf der indonesischen Insel Flores winken alle, sitzen entspannt in Grüppchen auf der Straße oder auf Felsen, lachen freundlich, rufen am Straßenrand „five!“ und klatschen Dich im Fahren ab.

Oder sie erklären einem, wie man statt mit einem „fishing net“ mit einer „fishing nut“ sein Abendessen aus dem Meer holt. Man kratzt aus einer Nuss das Innere heraus, legt es ins Wasser, lässt die Fische sich dran gütlich tun – und dann werden sie so dösig, dass man sie per Hand fangen kann. Nur selber essen sollte man die Nuss nicht.

Nussfischer in Vanuatu

Fischen mit Nüssen

Zum dösig werden verwenden die Ni-Van lieber Kava. Ein Zeug, das furchtbar erdig schmecken soll und aus einer Art Pfefferpflanzen-Wurzel gewonnen wird. Je nach Insel wird es unterschiedlich zubereitet. In Tanna, wo es wohl am heftigsten ist, kauen die jungen Männer drauf rum und spucken den so gewonnen Saft dann in einen Pott. Getrunken wird es dann traditionell – nachdem sich die Männer des Dorfes um 15 Uhr zu einer kleinen Versammlung treffen und entscheiden, bei wem sie es denn jetzt trinken – aus einer Kokosnussschale. Frauen sind in vielen Gegenden nicht zugelassen. Aber die können sich freuen, denn die Männer kommen entspannt und mit etwas gelähmter Zunge zurück. So reden sie dann auch nicht zuviel dummes Zeug in ihrem kleinen Wahn.

Vom Wahn haben sie auf Tanna auch weitere lustige Ausprägungen in Form von Kulten. Zum Beispiel der Jon Frum Cargo Cult, bei dem die Anhänger auf Konsumgüter wie Radios und Kühlschränke warten, die ein gestrandeter Soldat vor dem Zweiten Weltkrieg versprach. Er lehnte die christlichen Vorschriften, dass Vielweiberei und Menschenfresserei von nun an plötzlich verboten sein sollen, ab und versprach ein besseres Leben durch diese amerikanischen Güter, die mit einem großen Frachtschiff eintreffen sollten. Dafür haben die Anhänger dann einen eigenen Anleger gebaut und falls doch kein Schiff kommen sollte, haben sie vorsichtshalber eine extra Landebahn für Transportflugzeuge gebaut. Seitdem treffen sich die Anhänger täglich und beten und singen, damit das Zeug nun endlich kommt. Ein anderer Kult verehrt übrigens Prince Philipp, den Mann von Elisabeth II. – warum weiß ich nicht, aber vor ein paar Jahren empfing er sogar eine Delegation von fünf Dorf-Oberhäuptern bzw. Häuptlingen. Vielleicht liegt das aber doch alles nur am Kava…

Oder an den Dämpfen des zugänglichsten aktiven Vulkans der Welt. Selbst Stunden und gar zwei Tage später hat man noch teilweise einen leichten Schwefelgeschmack in der Kehle.

Briefkasten auf aktivem Vulkan

heiße Liebesbriefe können hier eingeworfen werden

Ist man erstmal durch die Mondlandschaft vor dem Vulkan hoch zum Krater mit seinen sehenswerten Klohäuschen und dem weltweit einzigen aktiven Briefkasten auf einem aktiven Vulkan gelangt, erwarten einen Ascheregen und mächtige gut hör- und spürbare Eruptionen. Auf ging’s zu einem Aussichtspunkt, den die Führer auserkoren hatten. Schon fast oben angekommen, schleuderte eine mächtige Eruption einige Brocken nach oben. Und kurz drauf kam ein glühender Brocken mit lautem Sirren wie von einer Mörsergranate auf uns zu. Klang wie im Krieg, nur dass der Brocken nicht explodierte, sondern nur dumpf auf dem Boden aufschlug – ca. 70m von uns entfernt. Von einem anderen Aussichtspunkt war dann der Blick in den Krater mit der glühenden Magmamasse nicht nur wegen der Dämpfe und der Asche atemberaubend. Geniales Schauspiel.

Eruption auf Tanna

da fliegen Dir die Fetzen um die Ohren

Entspannter geht’s da auf der Insel Espiritu Santo zu. Hier gönnen sich fast alle Marktfrauen gerne mal ein kleines Nickerchen unter dem Verkaufstresen.

Nickerchen unterm Obststand

Soviel Arbeit macht müde…

Und beim Schnorcheln könnte man stundenlang dem Treiben der Nemos rund um die Korallen zuschauen, wenn einen die ordentliche Strömung nicht wegtreiben würde. Sie treibt einen nicht ganz bis nach Efaté zurück, aber wenn, dann könnte man dort gleich beim einzigen Unterwasser-Postamt der Welt eine entsprechende wasserfeste Postkarte abstempeln lassen und wegschicken.

Augen auf im australischen Straßenverkehr – sonst kracht’s oder wird’s teuer

Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass sie hier auf der „falschen“ Seite fahren, haben sie kreative Regeln. So werden Verkehrsvergehen in der Zeit zwischen den Jahren in Australien mit doppelten Strafen belegt. Sowohl Bußgelder als auch Punkte werden verdoppelt. Hält die meisten aber doch nicht davon ab, ein bisschen mehr zu trinken. Und das obwohl hier die Busfahrer äußerst höflich sind. Sowohl sie als auch die aussteigenden Fahrgäste bedanken sich gegenseitig und wünschen sich einen schönen Tag. Außerdem sind doch gerade zur heißen Weihnachtszeit so schöne als Weihnachtsschlitten „verkleidete“ Busse unterwegs sind (s. Tasmanien – Tod und Teufel).

Man sieht sowieso allerhand kreatives am Straßenrand. Weihnachtsmänner in Badeshorts und Surfbrett unterm Arm, Power-Nap-Areas, nahezu die gesamte Tierwelt von Tasmanischen Teufeln und Krokodilen über Wombats und Kängurus bis hin zu extravaganteren mobilen Verkehrshindernissen wie Alpacas, Enten und sonstigen komischen Vögeln.

lustiges Vogel-Warnschild in Australien

Spaßvögel am Werk

Vor denen warnen die berühmten gelben Warnschilder – die auf „No Kangaroos in Austria!“-T-Shirts auch ein österreichischer Verkaufsschlager sind. Ein anderes bemerkenswertes Schild, was man trotz aller Kaffeehaus-Kultur in Österreich vergeblich suchen wird ist: „Free Coffee Area“. Man fährt raus und bekommt von Freiwilligen einen kostenlosen Kaffee. Alles um die Fahrer auf den unendlich langen Fahrten vor dem Einschlafen zu bewahren.

Auf diesen Fahrten begegnet man auch allerhand Roadtrains, denen man nicht all zu nahe kommen möchte. Mächtige mehrere Anhänger lange Lastwagen, die an Dir und dem Schild „1.400 km bis zum nächsten Städtchen“ vorbeidonnern. Zum Glück kommen die so selten vor wie ein querlaufender Dingo.

Da lohnt es sich eher den Flieger zu nehmen, auch wenn Airlines wie Jetstar ständig Deinen Flug um bis zu einen Tag vorverlegen oder Dich mitten in der Nacht losschicken wollen. Ausgeglichen wird das durch extrem freundliche und lockere Flugbegleiter, deren Ansagen an Sprachgewandtheit und Witz einigen deutschen Radiomoderatoren deutlich überlegen sind. Und wenn’s dann noch weihnachtet, tauschen sogar die Piloten einmal Ihre Mützen – statt Kapitänsmütze winkt aus dem Cockpit ein fröhlicher Mann mit Weihnachtsmann-Mütze.