Tasmanien – Tod und Teufel

In Tasmanien ist alles scheinbar noch ein bisschen relaxter als im Rest Australiens. Vielleicht liegt’s daran, dass sie ihr Schicksal schon immer so nehmen mussten, wie es war – hart und alternativlos. Obwohl das nicht ganz stimmt – die Alternativen der Mehrzahl der ersten Einwohner waren 7, 14, 21 Jahre oder lebenslänglich.

Denn die Einwohner waren bis auf wenige Siedler und Soldaten nahezu ausschließlich englische und irische Straftäter, die für Vergehen wie z. B. ein paar Stiefel zu klauen, 14 Jahre Haft auf der Gefangeneninsel Tasmanien erhielten und ans Ende der Welt verschifft wurden. Die ganze Insel war ein großes Gefängnis und besonders schwer waren die Jungs in Port Arthur, das das Bestrafungslager der Insel war. Hier herrschten unmenschliche Zustände von Isolationshaft über körperliche Ausbeutung bis hin zu anderen seelischen Grausamkeiten. Gepaart mit dem im Sommer ständig zwischen bullig heiß und pinguinig kalt wechselnden Wetter, führte das wohl zu einer sehr relaxten Haltung der Einwohner. Vielleicht führte das auch zu so lustigen Straßennamen wie „Smith and Others Rd.“ oder „Murderous Gully Rd“.

Der Tod begegnet einem nicht nur beim Straßennamen, sondern auch am Straßenrand. Hier kann der geneigte Biologe umfassende Feldstudien der heimischen Fauna vornehmen. Von Wallabies, über Schlangen und Vögel bis hin zu endemischen Arten wie Eastern Quoll und Tasmanischen Teufeln.

Tasmanischer Teufel

Vorsicht – bissiger Teufel

Die Teufel sind eigentlich ganz possierliche Tierchen, die ihr fleischfressendes Maul aber ganz schön weit aufreißen und mit den Zähnen fletschen. Leider sind sie aufgrund einer durch Speichel übertragenen Krebsart inzwischen stark vom Aussterben bedroht. Ein Schicksal, wie es den Tasmanischen Tiger schon ereilt hat.

Vielleicht sieht man auch den Teufel bald nur noch in Form eines zurechtgestutzten Buchsbäumchens, wie man sie hier nach guter alter englischer Tradition auf dem englischen Rasen pflegt. Sehr lustig sehen daneben dann die Weihnachtsmänner mit Surfbrett unter dem Arm aus, die zu dieser Jahreszeit gerne neben lichtergeschmückten Rentieren aller Art bei sommerlichen Temperaturen im Garten stehen. Als Rentiere werden sogar Stadtbusse „verkleidet“, denen man nicht nur Rudolfs Rote Nase dranklebt, sondern die auch noch von einem richtigen Weihnachtsmann gefahren werden.

Weihnachtsbus

Platz da – hier kommt der Weihnachtsmann

Auch andere Gefährte kann man in Tasmanien entdecken –

Herbie

Herbie – der rasende Käfer ist jetzt in Australien

ob Disney’s Herbie der Rasende Käfer auf der Straße oder einen mit einer Art aufgeblasenen Schwimmflügeln und Schwimmreifen gepolsterten Porsche Carrera im abgefahrensten Museum, in dem ich jemals war. Das Museum of Old and New Art (MONA) kombiniert in einer faszinierenden Weise Moderne Kunst mit unglaublich kreativ und modern ausgestellten antiken Stücken. Das Ganze in einem unterirdischen und verschachtelten Gebäude samt Tennisplatz als Eingangsbereich und eigenem Weinberg und Mikro-Brauerei. Hier soll Kunst nicht trocken sein, sondern man wird herzlich eingeladen, sich zu betrinken. Fantastisches Museumskonzept – nicht nur wegen der Sauferei… Hat man sich dann per Leberzirrhose hingerafft, kann man hier sogar für umgerechnet knapp 49.000,-€ seine letzte Ruhe finden – das MONA bietet die Ewigkeits-Mitgliedschaft an, bei der die Urne des Verblichenen ins Museum integriert wird.

Betrinken kann man sich auch auf dem samstäglichen Salamanca Market in Hobart, bei dem es auch unglaublich schönes und überraschendes Kunsthandwerk zu kaufen gibt. Wie das wiederum zu den deprimierenden „Kindheitsjahren“ der Insel passt, ist genauso rätselhaft, wie die Tatsache, dass hier in jedem Motel der Toaster schon nach einem Toastgang den Rauchmelder auslöst oder dass unglaublich viele tasmanische Orte nach Schweizer Orten benannt wurden. Man kann bequem aus dem Engadin nach Interlaken oder Grindelwald fahren.

Wombat in Tasmanien

Wombats haben’s ganz gemütlich

Werbeanzeigen

Rundherum und mittendurch – Verkehr in Sri Lanka

Alles geht ein bisschen gemächlicher zu in Sri Lanka. Der Zug zuckelt mit offenen Zugtüren langsam und gemütlich direkt am Ozean entlang, die TukTuks hupen wirklich nur wenn’s nötig ist und eine Busfahrt von 130 km kann auch mal sechs Stunden dauern. Vor allem, wenn die dicke Mutti schnell mal was in einem Haus machen muss und nach zehn Minuten völlig entspannt in den Bus mit seinen wartenden – und nicht darüber meckernden – Passagieren zurückschlendert. Dann geht’s weiter durch Baustellen, vor denen man eine Viertelstunde wartet bis zur kleinen Snack-Pause mit olfaktorischem Genuss-Pinkeln in einer Art Open-Air-Restaurant. Und nicht zu vergessen, dass die meisten Passagiere zu faul sind, die zwanzig Meter zu den anderen Wartenden zu laufen, so dass der Bus alle Nase lang anhält. Bei der Geschwindigkeit könnte der neugierige Affe auf dem Außenspiegel auch glatt mit in den nächsten Ort fahren.

Affe auf Bus-Außenspiegel

Bus-surfender Affe

 

Wenn man Glück hat, wird der Bus sogar gewechselt, wenn er ein Problem hat. Ich war sehr froh, als der barfüßige Fahrer nach diversen Versuchen, seine Kupplung in Gang zu kriegen, doch rief, man solle in den anderen Bus umsteigen. Leider war der viel kleiner und es passten nur alle übereinandergestapelt rein. Aber auch das schien niemanden großartig zu stören. Wenigstens hatte er Sitze. Ich bin auch mit einem „Bus“ gefahren, der außer der letzten Bank keinerlei Sitze hatte. Die Bank war leider vom Regenwasser so durchnässt, dass man besser gleich im Stehen das Panorama der Teeplantagen genoss.

Dass sie auch schneller können, beweisen die Fahrer entlang der Küste – viele von ihnen barfuß das Gaspedal penetrierend. Die machen den Elchtest und schaffen es tatsächlich, die Kiste trotz atemberaubender Schief-Kurvenlage, aufrecht zu halten. Vielleicht liegt’s an der flotten Musik, die eine Mischung aus indisch und karibisch ist und deren heimliche Konzertmitschnitt-Videos in jedem Bus an der Küste laufen. Zu dieser Jahreszeit inklusive indo-karibischer Versionen bekannter Weihnachtslieder. Wie die buddhistischen Mönche – für die in jedem Bus die ersten beiden Sitze hinter dem Fahrer reserviert sind – das finden, kann ich nicht sagen. Aber vielleicht ist es ihnen egal, da sie ja Buddhas Beistand oberhalb des Fahrers haben. Denn da waren sie wieder, die in Myanmar schon so beliebten Buddha-Figuren mit blinkenden LED-Leuchten drumherum.

Besondere Verkehrsteilnehmer erinnern mich an meine Kindheit: mobile Brotverkäufer, von denen jeder seine eigene Melodie spielt – so wie Du als Kind immer wusstest, dass der Eismann kommt. Nur dass es kein Glöckchen ist, sondern z. B. „Pour Elise“ oder eine Melodie aus dem Film „Kill Bill“. Morgens um 6:00 kannst Du aber eigentlich auf beides verzichten.

Lokomotive in Kandy

wie in guten alten Zeiten…

Auch bei der Bahn erinnert vieles an früher. Die kleinen Karton-Fahrkarten mit Präge-Datumsstempel, die Loks, die Bahnhöfe und auch die Anzeigen der Züge und Gleise verzichten auf jeglichen modernen, elektronischen Anzeigequatsch. Nachdem nur wenige Züge auf den zwei Strecken – eine vom Süden in den Westen immer an den Wellen entlang, die andere quer durch die Tee-bepflanzten Hügel des kühleren Hochlands – fahren, kann man das auch gut per Handarbeit und ein paar hölzernen Tafeln erledigen.

Zug-Anzeigetafel in Galle

Zuganzeigen mal nicht zu modern…

Warum fast jeder Bahnhof an der Küste ein Aquarium am Bahnsteig stehen hat, habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht hat es einen ähnlichen Grund, warum fast alle kleinen Läden entlang der Straßen im Binnenland aufgeblasene Schwimmreifen feilbieten…?

Aquarium auf dem Bahnhof in Sri Lanka

Was machen die Fische im Bahnhof…?

Mirissa – Erholung im Sri Lankischen Paradies

Bahnhofsuhr Colombo

Rund um die Uhr Ruhe und Erholung

In Sri Lanka gehen die Uhren anders als in (Nord)-Indien. Nicht nur, dass meine eh’ schon kurze Nacht im Flieger von einem übereifrig eine halbe Stunde zu früh landenden Piloten schon um 3:45 Uhr auf Colombo’schem Boden endete. Nein, alles ist anders, wenn man gerade aus z. B. Delhi kommt. Die Leute lächeln Dich an, kaum einer will Dich übers Ohr hauen sondern gibt ehrliche richtige Antworten, es liegt kein Müll und Scheiße auf der Straße, es hupt kaum jemand und am Fahrkartenschalter des Bahnhofs muss man nicht anstehen.

Zugfahrkarten kaufen ist auch keine hochkomplexe und langwierige Angelegenheit wie in Indien, sondern man bekommt kleine Kartontickets mit Prägestempel wie ich sie noch aus meiner Kindheit von der Deutschen Bundesbahn kenne.

Stromrechnungs-Brötchen

günstige Brötchen in teurer Verpackung

Du kannst Deinen ersten Tag in Sri Lanka kaum besser beginnen als mit einem scharfen Gebäckstück aus der aus der letzten Stromrechnung selbstgebastelten Brötchentüte, das Dir fast den Gaumen wegbrennt. Die Sri Lankische Küche ist angeblich noch schärfer als die indische. Da hilft es kaum, auf der ganzen Fahrt die erfrischenden Wellen des Ozeans praktisch bis an die offene Zugtür gespült zu bekommen.

Zug mit Meerblick

Die Wellen spülen fast die Kakerlaken aus dem Waggon

Die offenen Türen sind äußerst praktisch, wenn man beim eh’ sehr langsam fahrenden Zug bemerkt, dass Dein Zielort gerade hinter Dir lag, aber der Zug nicht im Bahnhof angehalten hat, sondern ein paar Meter dahinter. Also Rucksack geschnappt und wie ein alter Landstreicher aus dem rollenden Zug auf die Gleise gesprungen.

Der Sprung lohnt sich, wenn das Ziel Mirissa heißt. Schöner entspannter kleiner Ort mit schönem Strand, lecker Fisch und gefährlichem Arrack – einem Branntwein aus Kokosnuss. Hier ranken sich die Lichterketten an den Palmen empor, aus den Boxen aller Strandbars dröhnt Reggae und zwischen den für’s Abendessen ausgestellten Fischen auf Eis spielen die Rastamänner Cricket. Wunderbar entspanntes Leben.

Postamt in Mirissa

der stumme Postbeamte

Sogar die Postbeamten scheinen sich ein entspanntes Leben zu gönnen: Schalterstunden sucht man bei diesem Post Office vergeblich… Vielleicht sitzen sie ja auf den für diese Region typischen Pfosten im Wasser und fischen den Ozean leer. Da musst Du echt die Ruhe weg haben, um stundenlang auf so einem Pfahl zu sitzen. Immerhin kann man auch Geschwindigkeit erleben und mit den Sebastian-Vettel-Fanclub-Busfahrern die Region erkunden. Die fahren fast alle barfuß und weil wahrscheinlich das Bremspedal irgendwie zwickt, lassen sie den Fuß lieber auf dem Gas.

Pfahlsitzende Angler

Nur nicht einnicken beim Angeln…

Wenn’s dann doch mal ein bisschen Kultur sein darf. Jede Menge liegende Buddhas in Mulkirigalla, ein verschlafener Tempel mit reinlichen Mönchen in Matara oder ein altes holländische Fort in Galle bieten ein bisschen Abwechslung vom Strandgefaulenze.

reinlicher Mönch beim Waschtag

definitiv kein Fall für den Weißen Riesen

Tierischer Verkehr in Indien

Dass einem Elefanten auf der Straße entgegenkommen, ist mir ja seit Nepal nichts Neues.

Ziege im Bus

Verkauf von ganz frischer Ziegenmilch im Bus

 

Auch, dass gelegentlich Tiere wie Ziegen, Hühner & Co mit im Bus sind und den Kopf auf Deinen Schoß betten ist nicht wirklich neu. Kamelkarren in der Großstadt, Miniaturesel als Müllabfuhr und natürlich rumliegende Kühe als Verkehrsinsel runden dagegen das Bild noch ab. Und wenn man sich so manchen Verkehrsteilnehmer auf zwei Rädern anschaut, könnte man meinen, dass hier jeder Affe ein Motorrad fahren darf.

Affe auf Vespa

da wundert einen nichts mehr im Straßenverkehr

Motorräder oder Vespas haben den großen Vorteil, dass man ohne jegliches Beachten von roten Ampeln, Fahrtrichtungen oder Verkehrspolizisten mit Vollgas in einen Kreisel fährt und dabei trotzdem aufgrund der Wendigkeit nicht wie die vielen Hunde plattgefahren auf dem Asphalt landet. Busse fahren übrigens auf der quasi Autobahn auch gerne mal ein Stück gegen die Fahrtrichtung, wenn der „Rasthof“, bei dem der Fahrer die Provision für den Mittagessen-Stopp kassiert, gerade auf der falschen Seite liegt. Und trotzdem habe ich keinerlei Unfall gesehen.
Aber ich habe tatsächlich irgendwo auch Ampeln gesehen. Die haben auch rot angezeigt, aber natürlich hat es niemanden interessiert. Genauso wenig, wie es die Mopedfahrer interessiert, was denn der Verkehrspolizist in der Mitte der Kreuzung anzeigt.

Auto-Rikshaw Ahmedabad

Im Schneidersitz kann man auch Rikshaw fahren

Diszipliniert wird so lange gewartet, bis die Masse denkt, dass es jetzt dann doch Zeit wird zu fahren und losfährt. Der Verkehrspolizist reagiert dann mit ca. zwei Sekunden Verspätung und gibt diese Richtung dann aufgezwungenermaßen frei. Dabei wird auch fast alles auf dem Moped transportiert. Ob Bürostühle auf dem Kopf, senkrecht gestellte Leitern oder ganze große Fensterglas-Platten, alles kommt sicher an in diesem geordneten Chaos.

Zugfahren in die indische Wüste

kein Gefangenentransport in die Wüste – normale Zugfahrt in die Wüste

Zugfahren hat auch was Archaisches und Anarchisches. Zumindest in der Sleeper-Class, wo man nicht wie im Klimaanlagen-Wagen halbwegs saubere Liegen, Bettwäsche und keine Händler hat. Dort tummeln sich ganz viele Leute und meistens auch mehr, als dort sitzen bzw. liegen sollten. Können tun sie es aber. Dann legt man sich einfach in die Kniekehlen der Touristen, die mit angewinkelten Beinen auf der Pritsche liegen, weil sie zu lang für indische Zugbetten sind und ständig irgendjemand im Gang gegen die Füße stößt. Oder man legt sich einfach zwischen die sich gegenüberliegenden Bänke. Gelegentlich gibt’s hand- und faustfesten Streit und Geschrei, und anscheinend geht’s auch mal weiter – was ich leider nicht persönlich gesehen, aber erzählt bekommen habe: Als jemand zu arg gedrängelt hat – so was gibt’s tatsächlich auch bei Indern – wurde er im handfesten Streit von der Masse einfach waagerecht aus dem einzig unvergitterten Fenster auf den Bahnsteig geworfen.

Kuh auf Bahnsteig

Da steht ’ne Kuh auf’m Flur….

Da hat die Kuh auf dem Bahnsteig wahrscheinlich noch ein bisschen dümmer drein geschaut, als sie es eh’ oft machen.
Wem nun angesichts solcher Verhältnisse der Angstschweiß auf die Stirn tritt, kann sich aufs stille Örtchen zurückziehen und sich von der modernen Ablufttechnik vor Ort etwas abkühlen lassen.

Ventilator-Klo

Eine starke Brise gegen das laue Lüftchen

Schweißperlen kann einem auch das Buchungssystem mit sieben verschiedenen Klassen verursachen, wenn man denn überhaupt zum Schalter kommt. Die bittere Armut sorgt dafür, dass man vor allem früh morgens kaum über den Bahnhofsvorplatz laufen kann, weil er komplett voll mit schlafenden Menschen ist.

Zugklo in Indien

bei dieser „Insellösung“ könnten die Füße sogar trocken bleiben

Warum die Menschen bevorzugt IM Bahnhof aufs Zugklo gehen, bleibt mir weiter ein Rätsel. Vielleicht weil es nicht so schaukelt und man besser genau das Loch trifft und sich dann vielleicht seinen Haufen mit voller Stolz anschauen kann. Wenn nicht die Ratten schneller sind. Wobei… irgendwann kommt tatsächlich auch mal einer mit einem großen Tank und einem Kärcher vorbei und duscht die Ratten, die sich gerade am Haufen vergnügen. Aber dem Geruch am Bahnsteig nach zu urteilen, hatte er die vier Wochen vorher Urlaub…

 

Chaos und Abgründe – Verkehr in Nepal

Wenn das erste und einzige Lied, das Du nach einiger Fahrzeit aus den maroden Boxen des Touristenbusses –

lokaler Bus in Nepal

alle Mann an Deck des Local Bus!

der immerhin nur so viele Menschen mitnimmt wie es Sitze gibt und keiner auf dem Dach mitfährt wie bei den lokalen Bussen – „Highway to Hell“ ist, machst Du Dir noch keine Gedanken. Auch wenn die Straße sich vorher spektakulär den Hang von Kathmandu runtergewunden hat oder Dir ein Bus ohne Windschutzscheibe entgegenkommt – noch kein Grund zur Beunruhigung. Wenn dann aber 3 Minuten später passend zum Lied einer dieser fahrenden LKW-Schrotthaufen umgekippt am Straßenrand kurz vor dem Abgrund liegt, kannst Du beim nächsten Halt schnell noch ein Nervositätspipi in die in den steilen Hang reingezimmerte Pinkelrinne machen. Frauen hatten leider Pech, da kein richtiges Klo in den Abhang gebaut werden konnte. 

Trotz der Serpentinen gab’s nicht wie in Myanmar regelrechte Reiherorgien. Noch nicht einmal die fehlenden Stoßdämpfer – die einen bis zu 30cm vom Sitz abheben lassen, wenn man wie ich auf der hintersten Bank saß – vollbrachten Magenumstülpungen. Vielleicht liegts ja an der guten Luft durch modernste Klimaanlagen-Technik im guten Touristen-Air-Condition-Bus.

AC-Bus

modernste Technik im (versprochenen) Air-Condition-Touristenbus

Auf die große Straße wagen sie sich zum Glück nicht mit den dreirädrigen Bussen aus dem Stadtverkehr. Die können – wie die lokalen Busse auch – eine gute Schräglage fahren, weswegen ich auf auf Langstrecken auf beide verzichtet habe und stattdessen etwas mehr in die ein klein wenig mehr vorhandene Sicherheit der Touristenbusse investiert habe.

Ein großes Problem ist, dass liegengebliebene Laster oder Busse einfach so auf der Straße stehen bleiben. Es wird nur hinten und vorne ein frisch vom Strauch gerupfter Ast dran gesteckt – quasi als Ersatz für Warnblinker und Pannen-Dreieck. Manchmal sind sie aber auch gar nicht kaputt, sondern machen nur ein Päuschen – z. B. um die Eier quasi schon vor dem Legen abzuschrecken: Ein LKW legte mitten auf der Strecke eine Pause ein, damit der Fahrer auf den Laster steigen konnte und die Tausenden von Hühnern im Gitteraufbau von oben mit Wasser übergießen konnte, damit sie vor Hitze und Staub nicht draufgehen.

Ziege auf Motorrad

hier ist blöde Ziege im Straßenverkehr keine Verkehrswidrigkeit

Motorräder – mal mit Ziege auf dem motorisierten Bock und auch gerne mal mit fünf Leuten drauf – quetschen sich auf Landstraßen genau zwischen zwei sich entgegenkommenden Lastern durch und im Stadtverkehr geben sie mächtig Gas, um die in den verstopften Gassen wandelnden Fußgänger verschreckt zur Seite springen zu lassen. Fahrräder bleiben dabei manchmal auch auf der Strecke, obwohl sie sowieso eigentlich eher als Transportmittel denn als Fortbewegungsmittel genutzt werden. So werden damit z. B. ca. 1000 Eier in Eierkartons, Milch oder auch gute 120 Liter Wasser in Eimern und Kanistern transportiert. Manchmal werden die Fahrräder aber auch als Verkaufsstände – so wie bei diesem „Metzgereifachgeschäft“ – genutzt.

Schwein auf Fahrrad

Schweine – diesmal nicht im Weltall

Manchmal verstopfen sie die Straßen dann recht mutwillig noch mehr. Entweder durch die Prozessionen wie im Kapitel Kathmandu erwähnt oder durch den derzeit stattfindenden Wahlkampf, wo sie mit allen fahrbaren Untersätzen die Symbole ihrer Partei durch die Gegend fahren. Symbole für diejenigen, die nicht lesen können, werden auf unzähligen Fahnen abgebildet und an allen auffindbaren fahrbaren Untersätzen befestigt. So kann auf der gesamten Strecke jeder sehen, wo er sein Kreuzchen – z. B. bei der Partei mit dem Baum oder der mit dem Regenschirm – machen soll.

Völlig unbeeindruckt von all dem Chaos im Straßenverkehr bleiben lediglich die Elefanten mit ihren Reitern. Im Chitwan National Park und den umliegenden Dörfern begegnen einem fast mehr Dickhäuter als Fahrräder im Straßenverkehr. Ein doch recht überraschendes Bild, das sich einem da bietet.

Elefanten im Straßenverkehr

Achtung – es kommt Ihnen ein Elefant entgegen

Mehr als Sushi und Teppanyaki – Japan kulinarisch

Es wäre absolut nicht fair, Südkorea ein Kapitel übers Essen zu widmen und der deutlich besseren Küche in Japan dieses zu verwehren. Daher jetzt ein kleiner Blick über den Sushi-Teller-Rand hinaus, zumal ich über Tokyo außer abgefahrenen Leuten und fahrendem Sushi nicht viel erzählen kann. Muss beim nächsten Japan-Urlaub näher erkundet werden, denn ich komme definitiv wieder in dieses Land.

Automaten in Japan

Cordon Bleu oder Eis – schwere Entscheidungen

Und das nicht nur wegen der Automaten, aber auch…

Denn Pommes, Cordon Bleu oder Nudeln habe ich noch nicht aus dem Automaten gegessen.

Lediglich quasi-automatisch habe ich warmes Essen gekauft. Denn in manchen Restaurants wählt man erst sein Gericht am Automaten nach Optik, Größe und Preis aus, bezahlt dann und bringt den Zettel zum Koch. Der bereitet das dann mehr oder weniger frisch – je nach Fast-Food-Level kommt Dein Essen auch schon nach 10 Sekunden. Und da waren sie dann wieder die kalten Nudeln…

Nudeln gibt es in allen Varianten – Udon, Ramen, Koto oder wie auch immer sie heißen. Dick, dünn, rund, flach – aber meistens in einer manchmal dünnen, manchmal kräftigen Brühe und je nach Belieben Fleisch, welches aber auch gerne nur Fett oder Magen sein kann.

Die Nudeln im Hot Dog hatten wir ja schon im Kapitel „Kyoto – ich bin dann mal ausgetempelt“, aber hier der Beweis, dass ich sie auch probiert habe.

Nudel-Hotdog

in action – Hot Dog mit Nudeln und Ingwer

Was uns auch gleich zum Essen in Covenience-Stores bringt. 7Eleven – was übrigens eine japanische Erfindung und Gründung ist – und seine Konkurrenten bieten eine erstaunliche Auswahl von Chicken-Cordon-Bleu über Wurst am Stiel und sehr ordentliches Sushi bis hin zu nicht sehr appetitlichen Suppen und erstaunlich vielfältig bestückten Bento-Boxen. Wem’s nicht schmeckt, kann das mit allen möglichen Getränken runterspülen. Vorsicht vor den Alkopops mit Shoshu drin, die bringen einen schnell in einen lustigen Zustand. Auch bei der Wahl des Regals muss man aufpassen. Wenn Du denkst, Du greifst eine Dose Eiskaffee, kann es sein, dass Du statt ins Kühlregal ins Heizregal fasst und Dir die Finger an der Dose verbrennst.

Aufpassen musst Du dann auch in den Kneipen – den Izakayas –, wo Du an der Bar Dein Essen bekommst. Hier gibt’s kleine Spießchen mit Hühnerherzen und –magen, Sojabohnen zum Auszutzeln, Schweinemagenröllchen und gelegentlich auch ein Gericht, das Du Dir selber auf dem Camping-Kocher zubereitest. Immer schön mit Stäbchen wenden, bis das Hühnchen gar ist.

Hühnchen auf Campingkocher

Beim Wenden nicht die Ärmel abfackeln…

Verbrennen kann nichts bei den Sushi-Profis. Selbst wenn sie Dein Kalbssushi mit dem Bunsenbrenner andünsten.

Kalbssushi

Kalbsfilet à la Bunsenbrenner

Sushi gibt’s ansonsten auch noch mit Roastbeef, Rogen, rohem Tintenfisch und Zahnaal. Am lustigsten ist es natürlich auf dem Fließband.

Running Sushi

roher Oktopus, Zahnaal und irgendein Plattfisch – alles frisch vom Band

Fast so lustig ist es, Fließbandmuster mit dem Mayonaisen-Spender auf Dein Okonomiyaki zu zaubern.

Okunamiyaki

Das Muster verbessert die Optik nur marginal – schmeckt aber gut

Das ist eine Art Omelett mit Nudeln und Füllung Deiner Wahl. Gerne dazu einen Sake – ob kalt oder warm – oder auch einen Pflaumenwein mit eingelegter und entsprechend alkoholisierter Pflaume drin. Letztendlich läuft’s dann meistens darauf raus, dass Du irgendwann am Ende des Abends noch mal in einem der Automaten-Fast-Food-Läden vom Anfang landest.

Und als Dessert kannst Du Eiscreme auswählen, die Du so nicht kennst. Meist Softeis – aber in den Geschmacksrichtungen Mango-Apfel, Grüntee oder Sojabohnen. Mal was anderes… genauso wie KitKat Wasabi. Das war dann doch auch für mich zuviel, der sowohl KitKat als auch Wasabi liebt.

perfekter Verkehr in Japan

Natürlich soll es auch für dieses Land eine Rubrik „Reisen im Land“ geben. Allerdings ist es etwas einseitig, da ich einen Japan Rail Pass hatte, mit dem man quer durch’s Land und zum Teil auch übers Wasser düsen kann. Im Zug verbeugt sich der Schaffner jedes Mal beim Betreten und Verlassen des Waggons. „Alter Hut, kennen wir doch schon aus Südkorea“ mag jetzt manch einer sagen. Hier ist es allerdings noch eine Spur devoter und manchmal schwingen sie auch lange Dankesreden dabei.

Nicht „Alter Hut“ sondern schicken Hut und Kappe gibt es auch manchmal. So kommt es in manchen Zügen vor, dass sich die Hostessen nicht nur als Nummerngirl betätigen (s. Eintrag „Japan – ein Land mit guten und schlechten Erfindungen“), sondern sie kommen auch mit einem Körbchen mit Hut für die Dame bzw. Schaffnermütze für den Herrn vorbei. Das setzt man dann auf, nimmt das Erinnerungsschild mit dem jeweiligen Datum in die Hand und grinst freundlich für sein Erinnerungsfoto, das das Zugpersonal dann von jedem Gast macht, der das möchte.

Kindheitstraum Schaffner

perfekter Souvenirservice im Zug

Das passiert natürlich nicht im schnellsten Zug der Welt – dem Shinkansen. Der heißt nicht zu Unrecht Bullet-Train und da würden die Schaffner gar nicht nachkommen mit dem Fotografieren. Und hätten wahrscheinlich nachher auch wunde Finger. Denn zum einen sind die meisten Züge 16 Waggons lang und zudem fahren sie auf der Hauptstrecke auch alle paar Minuten. Die haben eine höhere Frequenz als die Hamburger U-Bahn – und immer pünktlich! Man stelle sich mal das Chaos bei den ICEs der Deutschen Bahn vor – speziell in heißen Sommern oder völlig überraschend kommenden Wintern…

Shinkansen-Takt

ICE-Anzeige ohne Verspätung – in Deutschland unvorstellbar

Es gibt aber auch langsame Züge, die manchmal als Comic-Züge hergerichtet, manchmal aber auch zu Sightseeing-Zügen umgerüstet sind.

Sightseeing-Zug am Mt. Fuji

gemütlich am Fujiyama vorbei

Letztere machen einen auf Oldtimer und fahren auf der ganz normalen Strecke, halten nur nicht an allen Punkten. Da man die Zeit zum normalen Zug dann ausgleichen muss, hält er eben an manchen Stationen länger und die Schaffnerin macht ein Gruppenfoto nach dem anderen mit dem Zug und dem Fujiyama im Hintergrund – wobei letzterer wegen Nebels hinzugedacht werden muss. Aber die Fotos werden trotzdem ausführlich mit fröhlichem Victory-Zeichen in allen Lagen gemacht.

Sehr dienstbeflissen ist man auch im Taxi. In den meisten Städten haben die Fahrer eine schicke Chauffeursmütze zum weißen Hemd mit Krawatte. Wenn Joschka Fischer das gehabt hätte, wäre er vielleicht früher Außenminister geworden. Vielleicht bettete aber auch er wie die japanischen Fahrer sein Haupt auf von der Oma selbstgeklöppelte weiße Spitzenbezüge, die in japanischen Taxen vorherrschen. Passend dazu stehen sie oft draußen mit einem Staubwedel und befreien ihr treues Gefährt von lästigem Staub.

Eine schweißtreibende Taxiart ist dagegen die traditionelle Laufrikscha. Diese armen drahtigen Kerle müssen manchmal ganz ordentliche Kaliber im Doppelpack ziehen oder bergab bremsen, was noch schwieriger zu sein scheint. Sie machen das mit einer Spezial-Sandale, wo der große Zeh in einem anderen Teil steckt als der Rest und die eine extrem dünne Sohle hat. Damit spüren sie jede Unebenheit der Fahrbahn – weswegen in Japan auch Blinde damit rumrennen. Da es keinen Müll, Hundedreck oder Scherben auf Japans Straßen gibt, ist das durchaus auch machbar.

Lauf-Rikscha

volle Bremskraft am Berg – hier zum Glück mit wenig Ladung

Auch für nicht-blinde Fußgänger ist eigentlich bestens gesorgt. Bei den Ampeln weisen verschiedene Zwitschertöne auf die Laufrichtung Ost-West (Nachtigall) oder Nord-Süd (Kuckuck) hin, damit man nicht verloren gehen kann. Das „eigentlich bestens gesorgt“ bezieht sich auf die Gefahr durch eine komplette Fahrrad-Anarchie. Denn hier kennen die sonst so disziplinierten Japaner keine Hemmungen mehr. Vollgas über den Bürgersteig – egal wie breit der ist. Fußgänger springen schon zur Seite… Vielleicht schieben sie daher ihre Hunde auch lieber in Buggies durch die Gegend…?

Sogar für das öffentliche Klo haben sie einen Lageplan mit Blindenschrift, damit sich da drin keiner verlaufen kann. Was bei einem solch kleinen Klo eh‘ schwierig ist.

Blindes Pinkeln in japanischen Toiletten

Blindes Pinkeln in japanischen Toiletten

Zum Schluss noch ein Tipp für Neu-Japan-Reisende: In Bussen und Straßenbahnen steigt man hinten ein, zieht ein Ticket und zahlt das dann später vorne beim Fahrer, wenn man wieder aussteigt.